Dart

Der Kampf gegen die eigenen Emotionen

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Hoffnung der deutschen Dartspieler: Max Hopp

Hoffnung der deutschen Dartspieler: Max Hopp

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / dpa

Der deutsche U21-Weltmeister Max Hopp will die Partystimmung bei der Darts-WM im zweiten Anlauf länger genießen.

London.  Nein, das soll Junioren-Weltmeister Max Hopp nicht noch einmal passieren. Als der 19-Jährige im Vorjahr nach seinem überraschenden Erstrundensieg bei der WM bereits als kommender Star der Darts-Szene geadelt wurde, brach der deutsche Teenager eine Runde später unter dem Druck gnadenlos ein. Nach dem Gewinn des U21-Titels ist die Erwartungshaltung vor dem an diesem Donnerstag beginnenden Pfeile-Spektakel im Alexandra Palace (Sport1 überträgt bis zum Finale am 3. Januar insgesamt 92 Stunden live) diesmal wieder hoch.

„Wenn Max unter die besten 16 der Welt kommt, wird das bei euch passieren, was Boris Becker Ende der Achtziger mit Tennis geschafft hat“, sagt beispielsweise Barry Hearn, der Chef des Ausrichterverbandes PDC Aber der „Maximiser“ hat als bester der drei teilnehmenden Deutschen inzwischen viel dazugelernt.

„Er ist verdammt gefährlich“, warnt Hopp daher vor seinem Erstrundengegner Benito van de Pas. „Benito spielt ein Superjahr. Ich werde gewappnet sein.“ Die Favoritenrolle bei den Buchmachern soll der aufstrebende Niederländer ruhig behalten. Nach dem Einzug ins WM-Achtelfinale im Vorjahr hat es der 22-Jährige mittlerweile auf Platz 24 der Geldrangliste geschafft. Tendenz steigend. Einen Weg, den auch Hopp in den kommenden Jahren gehen möchte. Bei der WM wird übrigens ein Rekordpreisgeld von 1,5 Millionen Pfund gezahlt (umgerechnet 2,065 Millionen Euro), der Weltmeister erhält davon 300.000 Pfund (413.280 Euro).

Zwei Drittel des Jahres im Auto unterwegs

Die nötige Reife dafür holt sich der Teenager aus dem hessischen Idstein, der inzwischen zur zehn Jahre älteren Freundin Christin Jahn (ebenfalls Darts-Spielerin) nach Sachsen zog, mit jedem Match. Zwei Drittel des Jahres ist er meist mit Auto zu Turnieren unterwegs, die Ausbildung zum Großhandelskaufmann hat er fürs Darts längst abgebrochen. Und viele trauen ihm den Sprung in die Spitze zu. Die Nummer 45 des Verbandes PDC gilt nur als Durchgangsstation.

Denn Hopp ist cooler geworden, lässt nicht mehr zu sehr von Emotionen leiten. Vor zweieinhalb Wochen krönte er mit dem Sieg beim U21-WM-Finale eine ebenfalls starke Saison. Vorerst.

„Das gibt mir noch einmal Schwung für die WM“, sagt Hopp. Alles was nun noch käme, sei ein Bonus. Und schon für die WM hat es die Losfee gut gemeint mit dem Hessen. In den kommenden beiden Runden wären keine Herkulesaufgaben in Sicht, erst im Viertelfinale würde der niederländische Topfavorit Michael van Gerwen lauern.

Da hat es die anderen beiden Deutschen härter getroffen. Dem Hannoveraner Jyhan Artut (39) blieb nach Duellen gegen Weltmeister Gary Anderson und Darts-Legende Phil Taylor bei seinen vergangenen WM-Auftritten das Lospech hold, rechnet sich gegen den Engländer Stephen Bunting aber trotzdem Chancen aus: „Ich habe ihn die letzten Male geschlagen. Ich bin guter Dinge.“ Bunting erreichte zuletzt die Runde der letzten Acht, zeigte aber im Saisonverlauf die ein oder andere Schwäche.

Taylor kämft um WM-Titel 17

Ein Erlebnis ist der Auftritt im Tollhaus Ally Pally mit 3000 feiernden Zuschauern für den Hagener WM-Debütanten René Eidams (26). Der Kiosklieferant im Außendienst möchte zur Einstimmung „ein Spiel mit lauter Musik machen und dabei die Heizung aufdrehen“. Bei einem Erfolg in der Qualifikation gegen den Thailänder Thanawat Gaweenuntawong wartet van Gerwen - ein hoffnungsloses Unterfangen. „Mighty Mike“ hat die vergangenen großen Turniere allesamt gewonnen und kaum Schwächen gezeigt.

Auf einen Ausrutscher hoffen die beiden Vorjahresfinalisten Anderson und Taylor, der nur zu gerne im Herbst seiner Karriere zum 17. Mal Weltmeister werden würde. Ein möglicher Stolperstein könnte im Halbfinale der englische Paradiesvogel Peter Wright sein. Und irgendwann einmal vielleicht auch Max Hopp.