Leverkusen– Bayer Leverkusen und Schalke 04 eint die mäßige Zufriedenheit mit der bisherigen Saison. Gravierende Meinungsverschiedenheiten gibt es jedoch darüber, wann wieder Licht ins Halbdunkel kommen soll. So erklärte S04-Coach André Breitenreiter nach dem 1:1 bei Bayer angesichts des leichten Restprogramms in diesem Jahr (Hannover, Augsburg, Hoffenheim): „Ich bin überzeugt, dass wir in der Tabelle noch klettern.“ In der Winterpause wolle er ein Fazit ziehen – Kollege Roger Schmidt ist da weniger optimistisch.
„Wir haben ein paar Probleme“, sagte er, „nach dem 0:1 hatten wir gegen konterstarke Schalker wieder eine schwierige Spielgeschichte zu lösen.“ Diesen etwas verqueren Ausdruck musste der 48-Jährige in dieser Saison arg strapazieren. Aber der vertrackten Lage zu entfliehen, fällt seinem Ensemble schwer. Deshalb richtet der Trainer den Blick schon auf die Rückrunde. „Nach der Vorbereitung im Winter und mit den vielen verletzten Spielern, die dann zurückkommen, sind wir gut aufgestellt“, erklärt Schmidt: „Wir haben eine junge Mannschaft – mit der wir alle Chancen haben, am Ende der Saison das zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben.“ Das ist die erneute Qualifikation für die Königsklasse – doch etwas eiliger als sein Trainer hat es in dem Zusammenhang Bernd Leno. Der Keeper denkt an die anstehenden Liga-Spiele in Berlin, gegen Gladbach und in Ingolstadt und fordert vorsichtig: „Wir müssen noch vor Weihnachten eine Serie starten, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen. Das wird aber nicht leicht.“
Speziell in der Defensive musste Leverkusen seit Sommer immer wieder Ausfälle verkraften. Gepaart mit dem ungesunden Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag in der Offensive sowie der sportlichen Stagnation wichtiger Spieler wie Hakan Calhanoglu, Christoph Kramer oder Karim Bellarabi führt dies zu einem akuten Erschöpfungszustand. Die Frage etwa, ob ihm Nationalspieler Bellarabi (Vertrag bis 2020) bald via Ausstiegsklausel weggekauft werden könnte, beantwortete Schmidt matt: „Man sollte nicht zu weit nach vorn blicken. Es ist so anstrengend genug.“
Diese vorweihnachtliche Mühsal ist auch Rudi Völler anzumerken. In den vergangenen vier Wochen fiel Bayers Sportdirektor mehrfach negativ auf: erst mit seinem Wutausbruch in Wolfsburg. Dann mit seiner herablassenden Art gegenüber der TV-Moderatorin Jessica Kastrop. Und zuletzt am Flughafen in Minsk, als er nach dem 1:1 in Borissow einen vorlauten Fan als „Pisser“ beschimpft haben soll. Dass Bayer-Akteure wie der 22-jährige Wendell (Fahren ohne Führerschein, Verfolgungsjagd mit der Polizei) und Roberto Hilbert (Ehestreit) im November zudem Blaulicht-Einsätze nötig machten, lässt die Lage nicht angenehmer erscheinen.

