Kuusamo/Köln –

Neue Tests stoppen die Tricksereien an den Anzügen beim Skispringen

Trainer Weinbuch über Chancengleichheit und seine Kombinierer

Kuusamo/Köln. Vor dem Weltcupauftakt der Nordischen Kombinierer in Kuusamo spricht Bundestrainer Hermann Weinbuch, 55, über exzessive Bekleidungstricks und das letzte offene Ziel in seiner Karriere.

Berliner Morgenpost: Herr Weinbuch, Sie arbeiten seit 19 Jahren als Bundestrainer. Auf dieser ungewöhnlich langen Strecke – wie würden Sie da die aktuelle Phase mit den Nordischen Kombinierern beschreiben?

Hermann Weinbuch: Wir sind momentan in der glücklichen Lage, eine sehr kompakte Mannschaft zu haben. Es lastet nicht alles den Schultern eines Einzelnen – so wie in der Vergangenheit oft, speziell bei Ronny Ackermann, als wir auch schon absolute Weltspitze waren. Eric Frenzel hat das zunächst als Einziger weitergeführt. Aber daraus ist mit Johannes Rydzek und Fabian Rießle praktisch ein Dreigestirn geworden. Das ist eine sehr komfortable Situation. Auch die Vorbereitung verlief super – deshalb müssten wir wieder, wie gewohnt, vorne mitmischen können.

Das klingt nach einem Selbstläufer.

Naja (zögert kurz). Aber klar – das Leistungsniveau in der Gruppe bewirkt sehr viel Positives. Ich habe da schon andere Zeiten erlebt, als wir von der Weltspitze ziemlich weit weg waren. Als Trainer musst du deine Sportler da immer wieder mit Selbstvertrauen betanken. Das ist aktuell nicht so. Jetzt ist im Jahresverlauf mal Frenzel der Beste, dann Rydzek, dann wieder ein ganz anderer. Zum Beispiel Manuel Faißt, der sich in diesem Jahr im Springen um mindestens eine Klasse verbessert hat.

Um eine Klasse – in einem Jahr?

Das hat mit der Skibindung und Schuhabstimmung zu tun. Da ist immer eine Dynamik drin. Man macht Regeländerungen, damit weniger weit gesprungen wird. Bei den Anzügen wurde Fläche weggenommen. Aber trotz dieser Einbußen haben sich alle so weiterentwickelt, dass man das schon wieder kompensieren kann. So ist das jedes Jahr.

Was hat sich bei den Anzügen geändert?

Es ging um Chancengleichheit. Speziell der Schritt wurde – eigentlich regelwidrig – gespannt, an den Oberschenkeln nach unten gezogen. Durch irgendwelche Tricks blieb der Stoff dann auch weiter unten, dadurch konnte man fast zehn Zentimeter an Fläche gewinnen. Es gab Nationen, die das bis zum Exzess betrieben haben. Jetzt werden die Athleten oben am Anlauf getestet. Man muss sehen, wie man diese Kontrolle letztlich durchsetzen kann. Denn wir Menschen sind clever und werden versuchen, über andere Wege wieder ein Schlupfloch zu finden.

Nach aktuellem Stand fungieren Sie bis 2018 als Bundestrainer. Es war auch schon mal die Rede davon, dass Sie zwei Jahre früher aufhören und den Weg freimachen würden für Ronny Ackermann.

Ich habe zwar den Vertrag bis 2018 – aber beim DSV hat man mir gesagt, dass ich mich ab 2016, wenn Ronny Ackermann mit der Trainerausbildung fertig ist, immer mehr zurückziehen darf. Sagen wir so: Meine Tage sind gezählt. Und wenn wir in diesem Winter merken, es läuft ganz gut, kann ich mich schon mal rausnehmen.

Wird der Bundestrainer der Nordischen Kombinierer bei den Winterspielen in Pyeongchang definitiv noch Hermann Weinbuch heißen?

Puh. Von meiner Warte aus ist das noch nicht in Stein gemeißelt. Die Möglichkeit ist gegeben, es ist auch sehr wahrscheinlich. Aber es muss nicht unbedingt sein.

Welche Rolle spielt dabei ihr Resümee nach Olympia in Sotschi, als Sie sagten, dass seien ‚keine richtig guten Spiele‘ gewesen? Haben Sie noch einen olympischen Auftrag zu vollenden?

Eigentlich haben wir alles gewonnen, und das mehrfach. Das Einzige, was wirklich noch fehlt, ist ein Olympiasieg im Team. Aber es ist nicht so, dass ich dem auf Teufel komm‘ raus hinterherrenne. Man muss wissen, dass es dir irgendwie auch reinspielen muss. Das klappt mal, mal klappt es nicht. Man kann es nicht direkt erzwingen.