Zielstrebigkeit, Geradlinigkeit und Effizienz soll das neue Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft laut Hersteller ausstrahlen. Doch bei Vorstellung in den Räumlichkeiten des Generalausrüsters am Montagabend im Wedding war davon wenig zu spüren. Um 18.30 Uhr sollte es laut Einladung losgehen, dann ließ man die 600 Fans aber fast zwei Stunden warten, bis Rapper Cro die Show mit dem Lied „Easy“ eröffnete. Aber an so einem denkwürdigen Tag für den deutschen Fußball läuft eben nicht alles nach Plan. Der Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach habe ihn überrascht, sagte Lukas Podolski, der das EM-Trikot mit Emre Can und Jonas Hector präsentierte. „Niersbach hat alles für den DFB getan. So wie ich ihn kenne, schätze ich ihn“, sagte Podolski. Zur WM-Affäre wollte der Stürmer von Galatasaray Istanbul nicht näher Stellung beziehen. „Ich lebe in der Türkei, habe kaum etwas mitbekommen“, sagte Podolski und kehrte deshalb schnell zum neuen Trikot zurück.

Ein weißes Trikot mit schwarzen Hosen und schwarzen Stutzen soll den Spielern bei der Europameisterschaft in Frankreich zum Erfolg verhelfen. In diesen Farben gelangte die DFB-Auswahl schon öfter zu Ruhm und Ehre, zum Beispiel 1954, als die deutschen Fußballer ebenfalls in schwarzen Stutzen aufliefen.

Auf der Vorderseite soll eine Balken-Optik an die Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften erinnern. Die DNA des deutschen Fußballs ist allerdings so dezent gestaltet, dass zur Sicherheit die Jahreszahlen der WM- und EM-Triumphe auch noch einmal auf den Ärmeln eingearbeitet wurden. Das Trikot wird am Freitag beim Testspiel gegen die französische Auswahl seine Premiere feiern. „In diesem Trikot möchte ich Europameister werden“, sagte Podolski.

Das möchte sicher auch Joachim Löw, 55, der mit dem Rest des Teams im Münchner Teamhotel geblieben war. Die Nachricht vom Rücktritt seines Unterstützers Niersbach traf ihn schwer. „Ich bin sehr betroffen, überrascht und sehr traurig darüber“, sagte Löw: „Unabhängig von allen juristischen Fakten, die es gibt, denke ich, dass der Wolfgang ein fantastischer Mensch war, auch ein fantastischer Präsident für uns. Er hat den Fußball immer geliebt, er hat für den Fußball alles getan. Er war für uns jederzeit ein hervorragender Ansprechpartner und deswegen tut es mir persönlich sehr, sehr leid, dass er zurückgetreten ist.“ Der Trip nach Frankreich, den Niersbach ja mitmachen wollte, wird so für ihn ein eher freudloses Experiment.