Berlin

Beckenbauer räumt Fehler im Vorfeld der WM 2006 ein

Gleichzeitig beteuert er, es habe keinen Stimmenkauf gegeben

Berlin.  Seit Tagen wurde gefordert, dass Franz Beckenbauer, 70, Stellung bezieht in der Affäre rund um die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Am Montag traf sich das deutsche Sport-Idol mit Experten von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Sozietät aus Frankfurt mit der externen Untersuchung zu den Vorwürfen rings um die WM 2006 beauftragt. Das Treffen fand in München statt.

In einer Presseerklärung im Anschluss räumte Beckenbauer Fehler ein. „Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung.“ Damit ist die Überweisung jener 6,7 Millionen Euro gemeint, die Beckenbauer sich beim damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus lieh und demnach im Jahr 2002 an die Fifa überwies. Dies soll die Fifa gefordert haben, damit der Deutsche Fußball-Bund zur WM 2006 einen Zuschuss von 170 Millionen Euro erhalten sollte. Allerdings hat der Weltverband nach seiner Darstellung keine Kenntnis, wo dieses Geld gelandet ist, diese Frage ist noch zu klären.

Gleichzeitig dementierte Beckenbauer eine zentrale These, die das Magazin „Spiegel“ aufgestellt hatte. So heißt es mit Blick auf die WM-Vergabe für Deutschland im Juli 2000: „Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die WM 2006 zu bekommen.“ Zuvor war der öffentliche Erklärungsdruck auf ihn gewachsen, weil in DFB-Vizepräsident Peter Frymuth zum ersten Mal auch ein Funktionär aus dem Bereich des Fußballs Aufklärung von ihm gefordert hatte. „Die Basis wünscht sich Antworten von ihren Idolen“, sagte er der „Rheinischen Post“, „niemand hat Verständnis dafür, dass sich einige ihrer Verantwortung nicht stellen. Es geht um das Vertrauen in den Fußball.“

Genervt von ständig neuen Vorwürfen Theo Zwanzigers

Beckenbauer verhehlte, ohne den Namen zu nennen, nicht seinen Ärger über Theo Zwanziger, der beim „Spiegel“ als Kronzeuge für die Korruptionsvorwürfe auftritt: „Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern. Damit entspreche ich auch einer Bitte der ­externen Untersuchungskommission.“ Die Kommission wird geleitet von Dr. Christian Duve, 51. Der gebürtige Hamburger gilt als einer der besten Konfliktlösungsexperten in Deutschland. Seine Spezialität ist die Beschäftigung mit gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten.