62 Jahre alt ist sie, aber fit wie ein Turnschuh. Wenn es dafür noch irgendeines Beweises bedurft hätte, dann hat ihn Marianne Buggenhagen am Sonntag bei der IPC Leichtathletik-WM der Behinderten in Doha (Katar) erbracht. Das Kugelstoßen ihrer Startklasse F55 gewann die querschnittsgelähmte Rollstuhlathletin aus Berlin mit Saisonbestleistung von 7,96 Meter absolut souverän.

Denn alle sechs Stöße, die sie mit rotem Kopf, aber kraftvoll, energisch und technisch ziemlich perfekt absolvierte, waren weiter als die beste Weite der zweitplatzierten Marie Hawkeswood. Die gebürtige Britin ist Buggenhagens Klubkameradin beim Paralympischen Sportclub (PSC) in Berlin, startet seit kurzem für Deutschland und wird wie Buggenhagen und Ilke Wyludda von Erfolgstrainer Dr. Ralf Otto betreut. Mit 7,44 Meter ging Silber an Hawkeswood – sie wird auch im Diskuswerfen am Mittwoch eine der Hauptkonkurrentin von Buggenhagen sein.

Seit Mitte der 70er sitzt die in Ueckermünde geborene gelernte Krankenschwester im Rollstuhl. Davor war Buggenhagen in der DDR als Volleyball-Talent gesichtet und nach Berlin zum SC Dynamo delegiert worden. Ein Bandscheibenvorfall, der sich zur aufsteigenden Querschnittslähmung ausweitete, veränderte alles. Sie brauchte Jahre, um sich wieder zu finden und aufzubauen – der Sport spielte dabei die wohl entscheidende Rolle.

Egal ob Paralympics, WM oder EM, sie siegte und gewann Medaillen. Mit dem Gold von Doha lautet die Bilanz der neunmaligen Paralympicssiegerin nun: 38 Titel, elf Mal Silber, zehn Mal Bronze. Dass die Ergebnisse Mutmacher für die dann siebte Paralympics-Teilnahme von Marianne Buggenhagen sind, steht außer Frage. Dann startet sie wieder im Diskuswurf, der bei den Paralympics 2014 in London noch aus dem Programm gekippt worden war, in Rio jedoch erneut zum Programm gehört. „Ich will in Rio zeigen, dass man auch im Alter leistungsstark sein kann“, erklärt sie und kündigt gleich an: „Aber danach ist auf jeden Fall Schluss.“

KW