Berlin

„Einen besseren Präsidenten können wir uns nicht wünschen“

Bundestrainer Löw spricht Niersbach volles Vertrauen aus. Hintertür für Platini

Berlin.  Wolfgang Niersbach erhielt prominente Unterstützung: Bundestrainer Joachim Löw stärkte dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Affäre um die ungeklärte Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005 den Rücken. „Auf sein Wort ist zu 100 Prozent Verlass“, sagte Löw. „Einen besseren Präsidenten können wir uns gar nicht wünschen. Ich bin sicher, dass die offenen Fragen geklärt werden. Ich weiß, dass dies absolut im Sinne von Wolfgang Niersbach ist. Er ist derjenige, der diesen Prozess persönlich vorantreibt.“ Die Aussagen des Weltmeister-Trainers, dessen Vertrag beim DFB bis 2018 läuft, wurden in einer Erklärung vom DFB verbreitet. Ich erlebe den DFB nun schon seit mehr als elf Jahren als äußerst seriös geführten Verband. Dafür steht für mich in erster Linie Präsident Wolfgang Niersbach.“

Der DFB lässt intern wie extern weiter prüfen, wo die 6,7 Millionen Euro geblieben sind, die im Frühjahr 2005 von einem DFB-Konto überwiesen wurden. Jenen Vorgang hatten laut Angaben des Magazin „Spiegel“ Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt unterzeichnet. Es fällt jedoch auf, dass der DFB wichtige Fragen bisher nicht beantwortet hat. Zwar war die Summe nach bisheriger DFB-Darstellung als Beitrag des WM-Organisationskomitees (OK) zur letztlich abgesagten Eröffnungsgala der WM 2006 in Berlin deklariert. Doch beim für Sport zuständigen Bundesinnenministerium finden sich nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ in den dort „vorliegenden Unterlagen“ zur WM keine Hinweise auf die Zahlung oder einen geplanten Zuschuss des OK zu den Gala-Kosten. Die Fifa hatte für die später abgesagte Gala mit Kosten von 22 Millionen Euro kalkuliert.

Ebenfalls keine Äußerung gibt es bisher vom DFB zur Frage, ob das WM-OK - wie vom „Spiegel“ behauptet - im Jahr 2000 eine Summe von 10,3 Millionen Schweizer Franken erhalten hat ­(umgerechnet rund 6,7 Mio. Euro).

Im Sportmedienblog.de wird die Frage gestellt, ob es sein könne, dass Robert Louis-Dreyfus, damals Adidas-Chef, den Betrag nicht an das WM-Ok überwiesen habe, sondern an eine in der Schweiz ansässige Tochter des Medienunternehmen Kirch, das enge Kontakte etwa zu Beckenbauer und dessen Berater Fedor Radmann pflegte. Insofern könnte dann die Behauptung von Niersbach korrekt sein, beim WM-OK habe es nie schwarze Kasse gegeben. Und sich gleichwohl erklären, warum Louis-Dreyfus die Summe vier Jahre später zurückgefordert hat, nachdem die Kirch-Gruppe Insolvenz anmelden musste. Der „Spiegel“ behauptet, OK-Chef Beckenbauer habe einen Schuldschein unterzeichnet. Die Argumentation stützt sich wesentlich auf den Rückfluss der 6,7 Millionen Euro 2005 vom DFB über die Fifa nach Genf und von dort zu einem Konto von Louis-Dreyfus sowie einer Handschriften auf dem entsprechenden Papier, die Niersbach zugeordnet wird: „Honorar RLD“.

Mittlerweile könnten die Vorwürfe auch ein Thema im Sportausschuss des Bundestages werden. „Wenn Herr Niersbach in den Ausschuss kommen möchte, ist er herzlich willkommen. Ich würde dafür sogar eine Sondersitzung einberufen“, sagte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag dem Handelsblatts. Niersbach war gestern als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees in Zürich im Einsatz. Das Gremium entschied, dass der 26. Februar 2016 als Termin für die neue Wahl eines Fifa-Präsidenten bestehen bleibt. Alle Kandidaten müssen einen Integritäts-Check durchlaufen. Damit könnte der derzeit suspendierte Uefa-Chef Michel Platini nicht antreten. Weshalb die Fifa-Wahlkommission eine Hintertür öffnete. Bei aktuell verbannten Kandidaten wird der Check ausgesetzt. Zudem kündigte die Fifa-Ethikkommission an, die Öffentlichkeit am heutigen Mittwoch zu informieren über „anhängige Verfahren“ gegen Funktionäre.