Dass die Meinungen weit auseinandergingen, überraschte nicht: Als Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag die Kostenschätzung für die Austragung der Olympischen Spiele 2024 vorlegte, kam er ins Schwärmen: „Dieses ist die am besten durchgerechnete Bewerbung für Olympischen Spiele, nicht nur in Deutschland, sondern ever“, sagte er.

Die Replik der Olympiagegner kam prompt: „Es ist das Gegenteil von dem eingetreten, was ich erwartet und erhofft habe. Die Spiele sind enorm teuer. Wie Hamburg das meistern will, ist mir schleierhaft“, sagte Dirk Seifert, Umweltaktivist und Internetblogger von der Hamburger NOlympia-Bewegung.

Zu den konkreten Zahlen: 11,2 Milliarden Euro würden Olympische Spiele in Hamburg im Jahr 2024 kosten, auf den deutschen Steuerzahler kämen 7,4 Milliarden Euro zu. Es wird mit Erlösen von 3,8 Milliarden Euro gerechnet. Das geht aus dem vorgelegten Finanzplan für das größte Sportereignis der Welt hervor.

Hamburg geht davon aus, dass der Bund mindestens sechs Milliarden Euro der Kosten übernimmt. Die Stadt plant, vom erhofften Zuschlag für die Spiele im Sommer 2017 an jährlich maximal 200 Millionen Euro für Olympia aufzuwenden. „200 Millionen Euro pro Jahr ist das, was wir stemmen können“, betonte Scholz. 1,2 Milliarden Euro würde Hamburg also schultern, sollte der Bund seinerseits nicht mindestens sechs Milliarden Euro beisteuern, würde sich die Hansestadt allerdings zurückziehen. „Ich würde keine Bewerbung abgeben, wenn es die Finanzkraft der Stadt überfordert“, erklärte Scholz. Die Abstimmung mit dem Bund soll spätestens bis Februar 2016 abgeschlossen sein.

Zum Vergleich: Die britische Regierung hatte für Olympia in London rund neun Milliarden Euro ausgegeben, die Hauptstadt hatte sich mit 940 Millionen Euro beteiligt. Die Kampagne von London gilt als großes Vorbild der Hamburger Bewerbung.

Bald steht in Hamburg der wohl wichtigste Termin überhaupt auf dem Programm: Gerade vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise könnten die Zahlen für die Olympia-Macher beim Referendum am 29. November zum Stolperstein werden. Ende November muss in der Hansestadt eine einfache Mehrheit für die Austragung der Spiele her, zudem müssen 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit Ja stimmen – in Hamburg sind das etwa 260.000 von 1,3 Millionen Wahlberechtigten.

Werden diese Zahlen nicht erreicht, muss der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die bereits eingereichte Bewerbung zurückziehen. Zuletzt war die Kampagne Münchens für die Winterspiele 2022 am Referendum in den beteiligten Städten und Gemeinden gescheitert.

Am 29. November stimmen Hamburgs Bürger darüber ab

Bei der Vorauswahl hatte sich der DOSB gegen Berlin und für Hamburg ausgesprochen. Hintergrund der Entscheidung war sicherlich die Angst vor einem negativen Bürgervotum in der Hauptstadt – wie eben in München.

Neben Hamburg kandidieren Los Angeles, Paris, Rom und Budapest für die Ausrichtung des größten Multisport-Ereignisses der Welt. Die Entscheidung fällt das IOC im September 2017 in Perus Hauptstadt Lima.

Olympia-Gegner Seifert meinte: „Das sind gigantische Zahlen, wenn man bedenkt, dass es hier um eine Sportveranstaltung geht.“ Er kritisierte die Zahlen auch im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. „Vor dem Hintergrund dieser Problematik ist solch eine Bewerbung für die Olympischen Spiele moralisch und finanziell nicht zu verantworten. Die momentane Flüchtlingsproblematik wird dem Hamburger und dem Bundeshaushalt noch einiges abverlangen.“

Scholz sieht in der Flüchtlingsproblematik allerdings keine Gefahr für den Erfolg des Referendums Ende November. Im Gegenteil: „Die beiden Themen sind keine Gegensätze, sondern sie zielen in die gleiche Richtung, nämlich sich anzustrengen für eine bessere Welt“, sagte der 57-Jährige und bezeichnete Deutschland als „Hoffnungsort“. Ohne „massive Wachstumsprozesse und ohne dramatische Steigerungen des Sozialprodukts“ werde es Olympische Spiele ohnehin nicht geben.

Olympia-Gegner hatten zuletzt den frühen Zeitpunkt der Berechnung der Olympia-Kosten angemahnt. Für Aufsehen hatte auch ein Bericht des Rechnungshofes der Stadt gesorgt, der Wasser auf die Mühlen der Olympia-Skeptiker war. Dieser warnte vor den finanziellen Risiken einer Bewerbung. Die Kosten für die Errichtung der Spielstätten und der Infrastruktur könnten zu einem so frühen Zeitpunkt noch nicht realistisch abgeschätzt werden, so dass auch das Referendum zu früh terminiert sei.

mit sid