Joseph Blatter denkt im Machtkampf bei der Fifa nicht an Aufgabe, doch die Luft wird für den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes immer dünner. Die Fifa-Ethikkommission hat eine 90-Tage-Sperre gegen den Schweizer beantragt. Das bestätigte Blatters Berater Klaus J. Stöhlker am Mittwoch. „Die Nachricht wurde dem Präsidenten heute Nachmittag überbracht. Er bleibt ruhig. Denken Sie daran, dass er der Vater der Ethikkommission ist“, sagte Stöhlker und fügte an: „Es ist vorläufig für 90 Tage, aber er ist nicht wirklich suspendiert.“
Die rechtsprechende Kammer Richter Hans-Joachim Eckert muss nun über den Antrag beraten, eine endgültige Entscheidung soll am Freitag fallen. Bei einer Sperre müsste Blatter sein Büro im Fifa-Hauptquartier in Zürich räumen. Zudem würde ein Stadionverbot gegen ihn verhängt – seine Zeit beim Weltverband wäre bereits vor den für den 26. Februar geplanten Neuwahlen abgelaufen.
Gegen Blatter, der seit 1998 im Amt ist, wurde Ende September in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet, der Vorwurf lautet Untreue. Die Ermittler werfen dem 79-Jährigen den Verkauf von TV-Rechten für WM-Turniere zu Dumping-Preisen und eine Millionen-Zahlung an den Uefa-Präsidenten Michel Platini vor.
Blatter selbst denkt aber (noch) nicht an einen Rückzug. „Ich werde am 26. Februar aufhören. Dann ist definitiv Schluss – aber keinen Tag früher“, sagte er in einem Interview mit der Illustrierten „Bunte“. Damit bezog sich Blatter auf den Druck durch die laufenden Strafermittlungen und Rücktrittsforderungen von US-Sponsoren.
Blatters Rivale Chung Mong-Joon (Südkorea) läutete unterdessen mit neuen Angriffen auf den Fifa-Paten die nächste Runde einer Schlammschlacht ein. „Er gibt sein Gehalt nicht preis und betreibt eine heimlichtuerische Geschäftsführung. Deswegen plane ich, Herrn Blatter wegen Unterschlagung und Veruntreuung anzuzeigen“, sagte der frühere Fifa-Vizepräsident in London: „Herr Blatter ist ein Heuchler und ein Lügner.“
Widersacher Chung geht in die Offensive und droht mit Klagen
Ungeachtet seiner Ausbootung als Kandidat durch eine drohende 19-Jahres-Sperre der Fifa-Ethikkommission („Killer im Auftrag von Herrn Blatter“) versprach Chung Reformen: „Das Fifa-Abzeichen ist zu einem Symbol der Schande geworden. Ich möchte es wieder zu einem Symbol des Stolzes machen“, sagte der 63-Jährige.
Die Frage nach der Rolle von Chungs Konkurrent Platini im Fifa-Skandal treibt derweil die Europäer um. „Das ist eine wirklich unangenehme Situation“, sagte Österreichs Verbandschef Leo Windtner der Tiroler Tageszeitung: „Es ist zwingend, dass er die Sache jetzt schnell aufklärt, denn eine Verunsicherung ist in den europäischen Verbänden da.“
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