Lukas Podolski ist ein fröhlicher Typ, doch so gut gelaunt ist der Weltmeister schon lange nicht mehr zur deutschen Nationalmannschaft gereist. Wenn der 30-jährige Stürmer von Galatasaray Istanbul am Montag vor den EM-Qualifikationsspielen in Irland (Donnerstag) und gegen Georgien (Sonntag) zum deutschen Tross stößt, kann er stolz von seinem wiedergefundenen Torriecher berichten. Nach seinem dritten Treffer in den vergangenen vier Spielen in der Süper Lig wurde „Prinz Poldi“ gar mit Diego Maradona verglichen. Allerdings nicht aus rein fußballerischen Gründen. Weil Podolski den Ball vor seinem Führungstor im Derby bei Basaksehir FK (77.) mit dem linken Oberarm mitnahm, sahen einige Anhänger Maradonas legendäre „Hand Gottes“ im Spiel.
Als Volleyballer verpottetin den sozialen Netzwerken
In den sozialen Netzwerken musste sich Podolski als Aushilfs-Maradona oder Volleyballer verspotten lassen. Podolski war’s egal. „Das war ein wichtiger Auswärtssieg für uns“, schrieb er unter ein Kabinenfoto von sich und Kollege Wesley Sneijder.
Podolski lief beim 2:0 (0:0) von Galatasaray erstmals als Mittelstürmer auf. Dabei war gar nicht klar gewesen, ob er überhaupt dabei ist. Türkische Medien hatte vor der Partie spekuliert, dass der frühere Kölner aus disziplinarischen Gründen aus der Startelf genommen würde. Am Mittwoch hatte Podolski nach seiner Auswechslung in der Champions League gegen Astana aus Frust in einen Getränkebehälter getreten. „Warum ich?“, soll er laut der Zeitung „Hürriyet“ Trainer Hamza Hamzaoglu zugerufen haben.
Doch nun war alles wieder gut. Podolski hat allen Grund zur Freude: Mit seinem insgesamt vierten Treffer für „Gala“ ebnete Podolski den Löwen den Weg zum 2:0 und zumindest vorübergehend an die Tabellenspitze. Die hielt nur eine Nacht, weil Besiktas Rang eins zurückeroberte. Beide Besiktas-Tore beim 2:1 bei Eskisehirspor erzielte Mario Gomez, der von Bundestrainer Joachim Löw keine Einladung erhalten hatte.
Podolski und der türkische Rekordmeister taten sich lange schwer. Der Deutsche vergab in der 21. Minute eine gute Chance, als er den Ball in Bedrängnis nicht im leeren Tor unterbrachte. Bis zum 0:1 hatte Galatasaray keinen Torschuss. Doch gleich der erste schlug ein, als Podolski den Ball volley mit seinem gefürchteten linken Fuß verwertete. Bei Fanatik-TV riss die blonde Moderatorin vor Begeisterung ihr schwarzes Shirt mit dem „LuLuLu“-Schriftzug (türkische Koseform von Lukas) in die Luft. Das 2:0 durch Umut Bulut (84.) leitete Podolski mit ein.
Coach Hamza Hamzaoglu packte Podolski danach liebevoll an der Nase und klatschte mit ihm ab. Der Ärger scheint verflogen. Podolski ist bereit für Löw und sein 127. Länderspiel.
Jürgen Röber, Ex-Trainer von Hertha BSC, ist als Sportdirektor mit Osmanlispor FK Ankara ansehnlich gestartet. Der Aufsteiger liegt nach sieben Runden mit elf Punkten auf Rang fünf.
sid/dpa

