Zoran Mamic hat gut lachen. Als Spieler hat er nie gegen den FC Bayern verloren. Zwei Siege und zwei Remis schaffte der ehemalige Profi mit dem VfL Bochum. In Anspielung auf die Überraschung zum Auftakt der Champions League gegen den FC Arsenal (2:1) sagte der heutige Trainer von Dinamo Zagreb vor dem Duell beim deutschen Rekordmeister am Dienstagabend (20.45 Uhr, Sky) denn auch forsch: „Wir werden alles tun, um eine weitere Überraschung zu schaffen.“
Jetzt sollte man hellhörig werden. Denn tatsächlich ist beim kroatischen Meister mit allem zu rechnen. Von einer weißen Weste kann beim ehemaligen Europapokalsieger (Messecup 1967) wahrlich keine Rede mehr sein, seitdem die Mamics – Zoran als Trainer, Zdravko als Klubpräsident – die Fäden in der Hand halten. Als Dinamo Mitte Juli in der Qualifikation zur Königsklasse gegen CS Fola Esch aus Luxemburg antrat, wurden die Brüder gerade aus elftägiger Untersuchungshaft entlassen. Die Vorwürfe: Veruntreuung, Steuerhinterziehung, Bestechung. Die Ermittlungen laufen.
Zdravko Mamic sprach von „Kon-struktionen und Lügen“ sowie einem „politischen Komplott“. Er werde seine Unschuld „und die meines Bruders“ beweisen. Viel zu befürchten hat das Duo nicht. Dabei legen ihnen die Behörden zur Last, Dinamo um 117,8 Millionen Kuna (15,4 Millionen Euro) sowie den Staat um 12,2 Millionen Kuna (1,6) geschädigt zu haben. Selbst für die berüchtigten Dinamo-Hooligans „Bad Blue Boys“ sind die Mamics „Diebe“, Heimspiele werden schon seit längerem boykottiert In München aber werden 5000 Zagreb-Fans erwartet, und viele werden wieder die Frage stellen: „Wo ist das Geld geblieben?“
Über 150 Millionen Euro hat Dinamo in den vergangenen zehn Jahren für Spieler wie Luka Modric (Tottenham Hotspur, Real Madrid) oder Mario Mandzukic (Wolfsburg, Bayern, Atletico Madrid, Juventus Turin) an Ablöse kassiert. Nicht wenig davon soll in den Taschen der Mamics versickert sein. Modric wurde im Zuge der Ermittlungen sogar als Zeuge geladen.
Dinamo, seit 2006 kroatischer Meister (insgesamt 17 Titel), ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Zdravko Mamic hat sich längst den kroatischen Fußball Untertan gemacht: Mamic ist Vizepräsident des Verbandes und gilt als weit mächtiger als dessen Boss Davor Suker.
Als Suker im September Nationaltrainer Niko Kovac rausschmiss, wähnten viele Mamic am Werk. Kovacs Nachfolger Ante Cacic, trotz seiner 61 Jahre eher unbekannt, gilt als Mamic-Mann. Die Fans befürchten, die Nationalelf verkomme zu Mamics Privatteam.
Zdravko Mamic kümmert es wenig. Kritik erwidert er auf seine Weise: gerne mit Schimpftiraden gegen Spieler („Ich haue dich in Stücke!“), Politiker, sexuelle Minderheiten oder auch Journalisten, denen er droht, sie könnten „in der Dunkelheit verschwinden“. Hier und da wird es auch mal handgreiflich.
BM/sid

