Berlin

Der Neue bevorzugt das Alte

Nach der Rückkehr zur Viererkette in der Abwehr baut Union-Trainer Lewandowski auch die rechte Außenbahn um.

Berlin. Dass mit dem neuen Trainer Sascha Lewandowski beim 1. FC Union nicht alles wieder auf Null gefahren werden würde, war vorherzusehen. Noch einmal komplett von vorn zu beginnen hieße ja, auch eine neue Eingewöhnungszeit in Kauf zu nehmen, weitere mögliche Punktverluste inklusive. Dies kann und wollte sich der neue sportliche Chef beim Berliner Fußball-Zweitligisten nicht erlauben, zumal das vorhandene kickende Personal durchaus eine gewisse Qualität hat.

Das bedeutet aber nicht, dass ein neuer Übungsleiter nicht in Nuancen auch gern Anpassungen genannte Veränderungen vornimmt. So wie sie Lewandowski bei den Köpenickern nun eingeführt hat. Schritt eins: die Rückkehr von der Dreierkette in der Abwehr auf die im Team beliebtere Viererkette. Dem folgte ein Schritt, der fast schon als logisch zu bezeichnen ist: die personelle Umstellung auf der rechten Seite.

Gegen Fürth ließ Lewandowski Benjamin Kessel rechts in der Abwehr spielen. Christopher Trimmel, der während Kessels Sperre in Karlsruhe diesen Platz eingenommen hatte, rückte vor auf die rechte Außenbahn. Das Ergebnis dieser Umstellung war eine rechte Seite, die gegen die Fürther für viel Schwung sorgte und Mut machte, dass dort auch am Mittwoch im Gastspiel beim FSV Frankfurt (17.30 Uhr, Sky) Betrieb ist.

Die Voraussetzungen sind dafür jedenfalls gegeben, spielen beide Profis doch wieder auf ihren Lieblingspositionen. Der Österreicher Trimmel war im Sommer 2014 eigentlich als Defensivmann von Rapid Wien geholt worden. Dennoch machte er recht schnell deutlich, dass das schnelle und athletische Spiel „genau meins“ ist. Die Läufe die Linie entlang, den Gegner unter Druck setzen, das zeichnet Christopher Trimmel aus. Aus diesem Grund beorderte ihn Lewandowski auch ins Mittelfeld. „Ich kenne ihn noch von einem Europa-League-Spiel mit Leverkusen gegen Rapid Wien. Da ist er auch meistens die Linie rauf und runter gerannt“, erklärte der Coach seine Umstellung.

Benjamin Kessel sieht sich als Außenverteidiger

Bei Benjamin Kessel verhielt es sich ähnlich. Auch ihn kannte Lewandowski aus Braunschweiger Zeiten als Mann für die rechte Abwehrseite. Als solcher hatte sich der Profi bei der Eintracht auch einen Namen gemacht. Robustheit und Kopfballstärke waren die beiden Hauptargumente, mit denen Ex-Trainer Norbert Düwel die Verpflichtung Kessels begründete. Allerdings sollte Kessel nicht als Außenverteidiger, sondern als zentraler Mann in der Dreierkette ran. Eine Aufgabe, die er durchaus zufriedenstellend löste.

„Doch von ihm gab es eine entwaffnende Aussage, als er mir erzählte: Ich bin Außenverteidiger“, sagte Lewandowski. Klar würde Kessel auch weiterhin die zentrale Position besetzen, wenn es verlangt würde. Doch die rechte Seite ist diejenige, „wo er sich wohlfühlt“, so Lewandowski.

Leidtragende dieser personellen Umstellungen sind Raffael Korte, wie Kessel im Sommer aus Braunschweig gekommen, und Christopher Quiring, Unions Eigengewächs und Publikumsliebling. Beide sind Alternativen für die rechte Außenbahn, haben jedoch in Sachen körperlicher Robustheit gegenüber Trimmel Nachteile. Vor allem Raffael Korte überzeugt durch seine technischen Qualitäten. Doch in der Situation, in der sich Union derzeit befindet, ist nicht zuletzt Durchsetzungsvermögen gefragt.

Der Erfolg gibt der personellen Umstellung jedenfalls recht. Kessel bereitete gegen Fürth nicht nur den Führungstreffer durch Steven Skrzybski vor, sondern bildete mit Trimmel eine rechte Seite, die Union noch viel Freude machen könnte. Am besten schon am Mittwoch beim FSV Frankfurt.