Als der Basketballspieler Reggie Redding im Frühsommer dieses Jahres verkündete, dass er Alba Berlin verlassen und sich dem Europaligisten Darüssafaka Istanbul anschließen würde, konnte er viele Glückwünsche entgegennehmen. Nicht allein wegen des enormen Gehaltssprunges, der mit diesem Wechsel verbunden ist. Der aufstrebende Klub aus der türkischen Metropole gilt in der Szene als interessantes Zukunftsprojekt und ernsthafter Aspirant für hohe internationale Weihen. Auf dem langen Weg dorthin soll nun überraschend ein weiteres Alba-Mitglied helfen, allerdings eines von ganz anderem Gewicht. Sportdirektor Mithat Demirel verlässt Berlin und wird General Manager bei Da­rüssafaka.

Demirel ist quasi ein Kind Alba Berlins, hat die Talentschule des TuS Lichterfelde durchlaufen und unterschrieb 1997 seinen ersten Profivertrag bei Alba. Der heute 37-Jährige reifte hier zum Nationalspieler, gewann WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005 an der Seite Dirk Nowitzkis und verbrachte die meiste Zeit seiner Karriere bei den Berlinern. 2010 wurde er zunächst Team-Manager und danach als Nachfolger von Henning Harnisch Sportdirektor. Seitdem hat der Verein, nicht zuletzt wegen seiner guten Spielerauswahl, zweimal den deutschen Pokal gewonnen, in der Europaliga erstaunlich gut mitgehalten und steht wieder für leidenschaftlichen, teamorientierten Basketball.

Seinen Wunsch nach Veränderung erklärt Demirel so: „Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Von den vergangenen 20 Jahren war ich 15 bei Alba. Aber das Angebot aus der Türkei gibt mir und meiner Familie die Möglichkeit, eine Zeit in der Heimat meiner Eltern zu leben. Das hatten wir schon länger vor, jetzt passt es.“ Der verheiratete Vater eines kleinen Sohnes ist in Berlin geboren.

Vor rund acht Wochen sei Darüssafaka an ihn herangetreten. Demirel hat darüber zunächst mit den Alba-Verantwortlichen gesprochen, ehe er sich entschied, einen Zweijahres-Vertrag zu unterschreiben. Angeboten worden war ihm sogar ein Kontrakt über fünf Jahre, aber diese Laufzeit war ihm zu lang.

Dem Verein blieb so nichts übrig, als ihn ziehen zu lassen. „Mithat ist ein verdienter Alba-Spieler, er hat in den vergangenen Jahren auch im Management den Klub mitgestaltet“, wird Geschäftsführer Marco Baldi in einer Mitteilung zitiert, „er ist ein Sohn unseres Klubs und wird das auch bleiben. Wir wünschen ihm und seiner Familie viel Glück.“ Wer sein Nachfolger wird, ist noch offen. Die Mannschaft für die am 1. Oktober beginnende Bundesliga-Saison ist komplett. Das sei ihm wichtig gewesen, betont der scheidende Sportdirektor.

Demirel wird in der Türkei als General Manager einige andere Aufgaben haben als in Berlin. Aber „der Kernpunkt“, sagt er, „wird der Sport bleiben“. Hinzu kommen wird viel Strukturarbeit; Darüssafaka, hinter dem als Geldgeber die Dogus-Holding steht, ein Unternehmen mit 200 Milliarden Euro Jahresumsatz, will ein nachhaltiges Basketball-Projekt schaffen. Präsident des Vereins ist Ibrahim Kutluay, ehemaliger türkischer Nationalspieler, gegen den Demirel selbst noch angetreten ist.

Dass Istanbul an ihm Interesse zeigte, liegt sicher auch an dem guten Ruf, den Alba genießt: eine sehr gut funktionierende Basketball-Organisation zu sein, die zwar nicht zu den finanziellen Schwergewichten des Kontinents zählt, aber durch ihre professionelle Struktur trotzdem Erfolg hat. Daran soll Demirel nun bei Darüssafaka arbeiten. Wer wird ihm übel nehmen, dass er sagt: „Ich freu mich drauf“?