Berlin

Trotz der Müdigkeit: Den Füchsen gelingt momentan einfach alles

Berlin.  Die Gefühlswelt von Bob Hanning ist offenbar völlig durchein­ander geraten. Nicht erst seit dem sensationellen Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft kann sich der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin nicht mehr auf sein Innerstes verlassen. „Mit einem unguten Gefühl“ sei er vor einer Woche nach Katar geflogen, so Hanning. Der Ausgang ist bekannt: Seit dem Finalsieg gegen Veszprem am Donnerstag darf sich der Berliner Verein als bester Klub der Handball-Welt bezeichnen.

Und Hanning hatte „wieder ein ungutes Gefühl“, als sein Team gerade einmal 48 Stunden nach dem Triumph in Doha in der Bundesliga anzutreten hatte. Niemand hätte sich gewundert, wenn die Spannung bei den Berlinern weg gewesen wäre. Doch was in der Werner-Aßmann-Halle passierte, fand Hanning dann schlicht „unfassbar“. Sicherlich gehört der Aufsteiger ThSV Eisenach zu den Leichtgewichten der Liga und wird gegen den Abstieg kämpfen, aber mit einer 40:28-Demonstration unter diesen erschwerten Bedingungen (fünf Spiele in acht Tagen, einmal Katar hin und zurück), „damit war nicht zu rechnen“, wie es Volker Zerbe ausdrückte. Der Sportkoordinator, völlig unverdächtig, mit Superlativen zu jonglieren, lobte: „Die Mannschaft hat erneut Charakter bewiesen.“

Dem Team von Trainer Erlingur Richardsson gelingt momentan, „was normal eigentlich nicht geht“ (Hanning). Viel schneller als erwartet scheinen die Mechanismen innerhalb der Mannschaft zu greifen. Der Coach ist neu, sechs gestandene Profis kamen erst im Sommer zu den Füchsen, die einen großen Umbruch vollzogen haben. Alles muss eigentlich langsam wachsen, doch zurzeit geht alles trotz der Müdigkeit wie im Sauseschritt.

Die Tage in Katar haben das Team noch näher zusammenrücken lassen. Viele Gespräche wurden geführt. „Der Trainer hat die Mannschaft noch besser kennengelernt und umgekehrt“, sagt Hanning. „Und der Trainer weiß jetzt auch, dass er den Spielern und dem Umfeld vertrauen kann.“

Eine Kiste Bier spendierte Richardsson spontan der Mannschaft nach dem Sieg in Eisenach, bis Dienstag ist trainingsfrei. Dann geht es wieder an die Arbeit. Am Sonntag (Schmeling-Halle, 15 Uhr) steht die Partie gegen Aufsteiger TVB Stuttgart an. Dann wird auch der Weltpokal präsentiert. „Eine Party mit den Fans“ kündigte Hanning an, der sich in den kommenden Tagen etwas gönnen will: „Ich werde sieben Sterne essen gehen.“ Am besten für die Füchse dürfte es sein, wenn ihn vor dem Spiel gegen Stuttgart wieder ein ganz ungutes Gefühl beschleicht.