Glasgow

So gut wie in Frankreich - Deutschland besiegt Schottland

Mit dem 3:2-Sieg gegen aufopferungsvoll kämpfende Schotten ist die EM-Qualifikation für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nah.

Thomas Müller traf gegen die Schotten gleich zwei Mal

Thomas Müller traf gegen die Schotten gleich zwei Mal

Foto: Federico Gambarini

Glasgow.  Wenn man es nicht besser wissen würde, müsste man sagen: Der liebe Gott meint es dieser Tage nicht besonders gut mit den schottischen Fußballern. Erst die Odyssee nach der etwas unrühmlichen Niederlage in Georgien am Freitag (0:1). Vier Stunden Verspätung des Fliegers und dann sieben durch die Nacht nach Hause mussten die armen Teufel über sich ergehen lassen, so dass der schottische Nationaltrainer Gordon Strachan danach von „ausgelaugten Körpern“ seiner Spieler sprach.

Und nun, vor der EM-Qualifikationspartie gegen den Weltmeister Deutschland in Glasgow, stand die Elf auch noch ewig im Stau. Manchmal läuft’s halt nicht.

Bei den Deutschen lief es zuletzt ja eigentlich wieder ziemlich gut, und dennoch sahen die 52.063 Zuschauer im ausverkauften Hampden Park ein paar seltsame Launen des Fußballgottes. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw siegte zwar knapp mit 3:2 (2:2) gegen Schottland dank Thomas Müller, der mit seinem Doppelpack (18., 33.) und seiner Vorlage zum Treffer von Ilkay Gündogan (53.) das DFB-Team auf die Gewinnerstraße brachte.

„Thomas hat absolut einen Lauf"

„Thomas hat absolut einen Lauf“, sagte Löw: „Es war ein schweres Spiel, weil Schottland nichts für ein gutes Spiel getan hat. Somit mussten wir die richtige Mischung aus Dynamik und Geduld finden.“ Laufen, wie noch beim 3:1 gegen Polen am Freitag, wollte es überhaupt nicht bei seinem Team. Die bestenfalls drittklassigen, aber aufopferungsvoll kämpfenden Schotten kamen zu zwei Treffern durch ein Eigentor von Mats Hummels (28.) und James McArthur (43.) und hielten die Partie bis zum Ende unerwartet spannend.

Die Qualifikation für die EM-Endrunde in Frankreich im kommenden Sommer ist dennoch so gut wie sicher für Löws Elf. Deutschland steht mit nun 19 Punkten auf Platz eins in Gruppe D und hat bei noch zwei zu spielenden Partien vier Punkte Vorsprung auf die drittplatzierten Iren. Platz drei würde eine mögliche Play-off-Runde bedeuten. „Jetzt müssen wir so weitermachen, den Schwung aus den guten Spielen mitnehmen und gegen die anderen auch gewinnen“, sagte Torhüter Manuel Neuer.

Schotten singen ihre inoffizielle Hymne inbrünstig

Von ausgelaugten Körpern konnte zumindest auf der Tribüne keine Rede sein. Egal, dass die letzte Turnier-Teilnahme einer schottischen Auswahl bereits 17 Jahre zurückliegt und nun wohl auch die nächste EM ohne die „Bravehearts“ stattfinden muss. Die schottischen Fans brüllten ihre inoffizielle Hymne „Flowers of Scottland“ über die siegreiche Schlacht gegen England von 1314, dass sich einem die Armhärchen aufstellten. Und weil das an Kult noch nicht genug war, begrüßte Schottlands Trainer-Legende Sir Alex Ferguson die Spieler.

Wenn Ferguson aufmerksam hingesehen hatte, dann dürfte dem früherer Manchester-United-Coach aufgefallen sein, dass sich das deutsche Team im Vergleich zum Polen-Spiel um ein Gesicht verändert hatte. Löw gab dem Dortmunder Spielgestalter Gündogan den Vorzug von Karim Bellarabi.

Hatte der Fußballgott ein schlechtes Gewissen?

Von ausgelaugten Körpern war auch auf dem Rasen zunächst nicht viel zu sehen. Die Schotten machten es Löws Team mit einer Fünfer- sowie einer Viererabwehrkette davor schwer. Da brauchte es schon etwas Ungewöhnliches. Und das Ungewöhnliche ist nun einmal Müllers Job. Der Münchner dribbelte sich unorthodox durch, zog aus 16 Metern ab und stolperte dabei fast. Doch weil sein zu lasch geratener Schuss von Russell Martin unhaltbar abgefälscht wurde, stand es 1:0 (18.).

Vielleicht hatte der Fußballgott spätestens dann ein schlechtes Gewissen, als er Strachans Team einen möglichen Elfmeter verweigerte. Emre Can hatte Charlie Mulgrew festgehalten und stand dabei auf der Strafraumgrenze. Aber es gab nur Freistoß. Den schoss Shaun Maloney mittig auf DFB-Keeper Manuel Neuer. Wie verhext boxte Neuer den Ball ans Knie von Hummels, und von da sprang er ins Tor, 1:1 (28.). Auf der Ehrentribüne sprang Rod Stewart vor Freude in die Luft, der extra aus L.A. angereist war und sogar einen eigenen Parkplatz in der Arena besitzt.

Gündogan sorgte für einen Moment Stille

Auf dem Rasen durfte Can seinen Fehler gutmachen. Einen Schuss vom 21-Jährigen parierte Schottlands Keeper David Marshall direkt auf Müllers Kopf. Von da flog der Ball gegen den Innenpfosten und ins Netz zum 2:1 (33.).

„Er steht da, wo ein Stürmer stehen muss. Er hat ein Näschen für solche Situationen“, so Löw. Ende von Fußballgottes Güte? Nicht ganz. Nach einem Stellungsfehler von Can gab es Ecke für Schottland. Die flog herein, McArthur köpfte, und Neuer wirkte immer noch wie verhext. Halten konnte er den mittig platzierten Ball jedenfalls nicht, 2:2 (43.).

Neuer beschwerte sich, weil James Morrison ihm die Sicht versperrt hatte und nach seiner Auffassung im Abseits stand. Das aber hob Gündogan auf. „Wir haben bei den Standards Fehler gemacht. Die beiden Gegentore ärgern uns“, so Neuer.

So ein Spielverlauf befeuerte die traditionell sensationelle Stimmung noch einmal. Doch Gündogan sorgte kurz nach der Pause für einen Moment Stille. Ein Doppelpass mit Müller sezierte die schottische Abwehr, und der 24-Jährige schob zum 3:2 ein (53.). „Es ist schön, wenn die Bälle gut fallen und ich die richtigen Entscheidungen treffe“, sagte Müller. Wieder sprang der Ball vom Innenpfosten ins Tor. Am Ende meinte es der Fußballgott eben doch etwas besser mit Deutschland.