Die Villa Kennedy ist gewohntes Terrain für Manuel Neuer. Wann immer der Fußball-Weltmeister in Frankfurt zu Gast ist, residiert er in dem Fünf-Sterne-Hotel. Also lässt sich der 29 Jahre alte Torhüter von Bayern München im Atrium gelassen auf einem der Loungemöbel fallen und erwartet im Interview gleich eine Frage zum EM-Qualifikationsspiel gegen Polen. Doch es kommt anders.
Berliner Morgenpost: Herr Neuer, welches Museum haben Sie zuletzt besucht?
Manuel Neuer: Ach herrje, ehrlich?
Nur raus damit.
Die Vereinsmuseen von Schalke und Bayern.
Sie ziehen also in kultureller Sicht den Sport der Kunst oder Wissenschaft vor.
Ich bin kein typischer Museumsgänger. Während meiner Schulzeit habe ich ein Kunstmuseum besucht und das Bergbaumuseum in Bochum. Das war’s.
Im künftigen DFB-Museum in Dortmund wird Ihre Torwartkluft vom WM-Viertelfinale gegen Frankreich zu sehen sein. Angenommen, Sie stünden jetzt davor: Woran würden Sie zuerst denken?
Es bleibt immer etwas Besonderes, allerdings gibt es so viele Momente, die in Erinnerung bleiben. Nicht mal diejenigen so sehr, die auf dem Platz stattgefunden haben. Eher die Menschen in Brasilien und im Campo Bahia, das Wetter, der Erfolg und die schöne Zeit mit den Kollegen.
Was überwiegt in Ihnen auf dem Platz bei einer Entscheidung – Vernunft oder Risiko?
Es ist eine Mischung. Ich will die eine Lösung haben, wie ich den Ball halte. Ich weiß, dass ich manchmal ein Risiko eingehe. Aber das sind Situationen, in denen ich der Mannschaft helfen und nicht mich zeigen will. Darum ist es eher die Vernunft, mit der ich Angriffe abwehren will. Das passiert instinktiv.
Wie machen Sie sich Gedanken um Ihr Spiel, um es weiterzuentwickeln?
Man findet immer neue Dinge, an denen man arbeiten kann. Den langen, schnellen Abwurf kann ich zum Beispiel bei Bayern nicht mehr machen, weil sich die Gegner häufig hinten reinstellen. Momentan geht es darum, den Ball im Aufbau zu verteilen. Aber wissen Sie was?
Sagen Sie’s.
Es müsste sich erst wieder das Spiel ändern, denn im Grunde genommen habe ich mich dem angepasst. Wir haben sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalmannschaft viel Ballbesitz. Wenn man als gute Mannschaft hoch steht, muss der Torwart automatisch mitschieben, mitspielen können und anspielbereit sein. Er darf auch keine Angst haben, einen gefährlichen Pass zu spielen.

