Sogar aus Afghanistan war ein Athlet dabei. Für René Lewicki ist dies das beste Zeichen, dass Speedminton zunehmend die Welt erobert. Immerhin, als Präsident der Isbo, der International Speed Badminton Organisation, konnte Lewicki am vergangenen Wochenende die Weltelite der noch jungen Sportart bei ihrer dritten Weltmeisterschaft in Berlin begrüßen.

Ausgespielt wurden die insgesamt 16 Entscheidungen in der Halle im Horst-Korber-Sportzentrum sowie auch im Freien im Hertha-Amateurstadion. Und die Finals bei den Frauen und Männern hatten die erhoffte hohe Qualität. Die gut 1000 Zuschauer freute es.

Bei den Frauen kam es zur Neuauflage des Endspiels der WM-Premiere 2011. Erneut standen sich die Berlinerin Janet Köhler und die Weltranglistenerste Jasmina Keber aus Slowenien gegenüber. Wie schon 2013 triumphierte Keber. Sie besiegte die 28-jährige Polizistin aus der Hauptstadt mit 16:11, 16:13. Köhler, einst erfolgreiche Badminton-Akteurin und U19-Europameisterin, ehe sie 2011 zur Disziplin wechselte, die sich als schnellstes Rückschlagspiel versteht, war mit Silber nicht unzufrieden. „Ich bin sehr stolz, dass ich bis ins Endspiel gekommen bin. Das Niveau im Speed Badminton ist mittlerweile extrem hoch“, sagte sie. Das Teilwort Speed (englisch: Geschwindigkeit) in der Bezeichnung der Sportart ist Programm.

Das erlebte auch der Schwede Per Hjalmarson, Weltmeister von 2011, im Finale gegen den Ukrainer Myhailo Mandryk. 16:11, 16:18 und 19:17 lauteten die drei Satzergebnisse. Insgesamt sechs Matchbälle wehrte Mandryk ab, fünf ließ er selber ungenutzt – schon die statistischen Werte vermittelten einen kleinen Eindruck davon, wie dramatisch das Ganze verlief. Titelverteidiger Patrick Schüsseler (Brühl) war im Viertelfinale am Ukrainer gescheitert, Julien Soos (Köln) als letzter Deutscher im Halbfinale am späteren schwedischen Weltmeister.

Speedminton ist eine rasante Mixtur aus Tennis, Badminton und Squash. Sie wird mit einem federballähnlichen Spielgerät – dem Speeder – und Schlägern bestritten. Die Akteure stehen sich – ohne Trennung durch ein Netz – in zwei Quadraten mit 5,50 Meter Seitenlänge gegenüber und mühen sich darum, den Speeder, der schwerer und damit weniger windanfällig als ein Federball ist, auf den Boden des Rivalen-Vierecks zu bringen. Erfunden wurde das Ganze 2001 in Kreuzberg. Dort sitzt auch die Firma, die das Patent auf den Speeder besitzt. Vor zwei Jahren eröffnete sie eine Übersee-Dependance in den USA, schickte ihren langjährigen Mitarbeiter Lewicki nach Amerika, um den größten Markt der Welt zu erobern. Der 32-jährige aktive Spieler, mehrmaliger Weltmeister, war damals hoffnungsfroh. Inzwischen aber musste er feststellen, dass sich das schwieriger oder zumindest langwieriger gestaltet als vorgestellt. „Ich habe es leider noch nicht geschafft, eine Entwicklung in Gang zu bringen, die ein US-Team bei der WM zur Folge hätte“, sagte Lewicki, der bei der WM selbst auch als Spieler antrat. Im Einzel und mit seiner Ehefrau Jenny Greune im Mixed. 2011 war der Berliner bei der Gründung der Isbo zum Präsidenten gekürt worden, nun wurde er gerade wiedergewählt.

Als Verbandschef durfte er feststellen, dass sich die Sportart zwar nicht sprunghaft, aber stetig weiterentwickelt. 27 Mitgliedsländer hat die Isbo mit Japan, Indien und der Türkei als letzte Zugänge, 25 Nationen waren bei der dritten WM vertreten. Alle drei Welttitelkämpfe fanden in Berlin statt, die beiden ersten Male im Steffi-Graf-Stadion beim LTTC Rot-Weiß. Die diesmalige Austragung an zwei Stätten war ein bewusstes Experiment. Cheforganisator Daniel Gossen: „Es ging darum, mal etwas Neues zu probieren und einen weiteren Schub zu geben.“