Als seine Gold-Mission erfüllt war, verspürte Usain Bolt große Müdigkeit. „Es war eine harte Saison. So etwas möchte ich nicht mehr erleben“, sagte der nun elfmalige Weltmeister nach dem Sieg mit Jamaikas Staffel, Bolts drittem WM-Titel in Peking. Das schwerste Jahr seiner Karriere hat Spuren hinterlassen, der Außerirdische ist menschlich geworden. Olympia 2016 könnte nun sogar schon der letzte große Auftritt des schnellsten Mannes der Geschichte werden.
Der 29-Jährige hat womöglich gemerkt, dass seine eigenen Weltrekorde - 9,58 über 100 und 19,19 über 200 Meter - selbst für ihn nicht mehr erreichbar sind. Unter gigantischem Druck war er in China aber immerhin aus der größten Krise seiner Karriere gegen den stärksten Gegner seiner Karriere zurück ins Glück gesprintet. „Ich bin hier angetreten, um allen zu zeigen, dass man einen Usain Bolt nie abschreiben darf“, sagte er: „Solange ich mit meinem Coach Glen Mills zusammenarbeite, werde ich nie die Sorge haben, jemals verlieren zu können. Du darfst nie zweifeln. In dem Moment, in dem du Zweifel wachsen spürst, solltest du nicht mehr laufen.“
Keinen Hehl macht Bolt daraus, dass er bis zum Karriereende unbedingt die Nummer eins sein will, ja: sein muss. Olympia 2016, das sind nur noch zwölf Monate, eine überschaubare Zeit. Die Olympiasiege sieben bis neun sind das nächste große Ziel. Auch das letzte?
Zweifel an WM 2017 in London
Nach den Spielen von Rio will er entscheiden, ob er noch ein Jahr dranhängt. „Es kommt darauf an, wie ich mich fühle und ob ich verletzungsfrei bleibe“, sagte Bolt. Eigentlich wollte er den Sponsoren zuliebe bis zur WM 2017 in London weitermachen, doch mittlerweile kommen ihm Zweifel. Und das ist gemäß Bolts Philosophie ein K.o.-Argument. Und wann auch immer: Die Leichtathletik wird ohne ihn eine ärmere sein. Denn längst spielt Bolt in einer Liga mit Jahrhundert-Sportgrößen wie Boxer Muhammad Ali, Fußballer Diego Maradona oder Basketballer Michael Jordan. Eine „Legende dess Sports“ will er werden, das hat er immer wieder gesagt. Bolt ist längst der Größte, zählt er sich auch schon zu den Größten aller Zeiten? „Ich glaube, ich bin auf dem Weg dahin“, erklärt er selbstbewusst. „Nach Rio werde ich es euch sagen.“
Bolts Rivale Justin Gatlin steht dagegen als großer Verlierer da. Der Amerikaner hatte das erste Duell um eine Hundertstelsekunde verloren - und anscheinend dadurch einen Knacks bekommen. Über 200 Meter erteilte ihm Bolt eine Lehrstunde, und in der am höchsten gewetteten Staffel versagten den Amerikanern wie schon so oft seit 2008 die Nerven. Das US-Quartett wurde wegen eines Wechselfehlers erneut disqualifiziert.
Die erfolgreichsten WM-Starter
| Gold | Silber | Bronze | |
| 1. Usain Bolt (JAM) | 11 | 2 | 0 |
| 2. Allyson Felix (USA) | 9 | 3 | 1 |
| 3. Carl Lewis (USA) | 8 | 1 | 1 |
| 4. Michael Johnson (USA) | 8 | 0 | 0 |
| 5. LaShawn Merritt (USA) | 7 | 3 | 0 |
sid/dpa

