Acht Jahre ist es her, dass Myrthe Schoenaker das erste Mal in Berlin war. Es war ein Schulausflug, mit dem klassischen Sightseeing-Programm aus Reichstag, Brandenburger Tor und Fernsehturm. Das Sportforum Hohenschönhausen besichtigte sie damals nicht. Diesen Programmpunkt holt die Niederländerin in diesen Tagen ausgiebig nach. Im Trainingszentrum der Füchse Berlin schwitzen die Spreefüxxe für ihre zweite Saison in der Handball-Bundesliga der Frauen, die am 12. September mit einem Heimspiel gegen den sechsmaligen Deutschen Meister HC Leipzig beginnt. Füchse-Zugang Myrthe Schoenaker kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie soll Laura Steinbach ersetzen. Die deutsche Nationalspielerin ist im Sommer ihrem Freund, dem ehemaligen Füchse-Kapitän Iker Romero, nach Spanien gefolgt. Romero hatte im Juni nach vier Jahren in Berlin seine Handball-Karriere beendet und war nach Vitoria-Gasteiz ins Baskenland zurückgekehrt.
Beim Probetraining wohl gefühlt
Seit einigen Tagen ist die Niederländerin in der Stadt. Noch wohnt sie bei Managerin Britta Lorenz, doch bald will sie in eine eigene Wohnung umziehen. „Es war immer mein Traum im Ausland Handball zu spielen“, erzählt sie. Die 23-Jährige hätte auch nach Frankreich, Norwegen oder Osteuropa wechseln können, wo sie sicher mehr Geld verdient hätte, doch sie entschied sich für die Spreefüxxe. „Beim Probetraining habe ich mich gleich wohl gefühlt. Das sind alles nette Mädels hier. Ich hoffe, dass wir zusammen viel Spaß und Erfolg haben.“
Zuletzt spielte Myrthe Schoenaker in ihrer Heimat für den Klub SK Dalfsen, mit dem sie viermal hintereinander die Meisterschaft gewann, in der vergangenen Saison sogar ohne eine einzige Niederlage. Hinzu kamen drei Pokalerfolge. Verlieren muss sie in Berlin erst wieder lernen. „Ich könnte aber auch gerne darauf verzichten“, sagt sie. Schoenaker ist zudem holländische Nationalspielerin, sie steht im erweiterten Kader für die Weltmeisterschaften im Dezember in Dänemark. Bei den Spreefüxxen will sich die Rückraumspielerin weiterentwickeln. Das war in den Niederlanden nicht mehr möglich, weil die heimische Liga dafür zu schwach ist. „Wenn man Spiele mit 20 Toren Vorsprung gewinnt, lernt man daraus nichts“, sagt sie. In der Bundesliga wird deutlich schneller und körperlicher gespielt, deshalb verdienen neben Myrthe Schoenaker noch weitere niederländische Nationalspielerinnen ihr Geld in Deutschland.
Stärken im Distanzwurf
Ihren neuen Verein kannte die studierte Psychologin aus einem Testspiel im August 2014, als Dalfsen und Berlin in Altlandsberg aufeinandertrafen, mit dem besseren Ende für die Füchse-Frauen. Laura Steinbach, die Schoenaker nun ersetzen soll, war damals noch nicht dabei; sie wechselte erst im vergangenen Herbst an die Spree. Genau wie sie hat auch Schoenaker ihre Stärken im Distanzwurf, wenngleich es ihr nicht um die Anzahl der geworfenen Tore geht. „Ich bin eine Teamplayerin“, betont sie. Spreefüxxe-Managerin Britta Lorenz meint: „Sie passt auch menschlich hervorragend in unser Team.“
In der vergangenen Saison hatten die Hauptstadt-Handballerinnen als bester Aufsteiger Rang acht belegt, zudem erreichten die Füchse-Frauen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Final Four im Pokal, wo sie Vierte wurden. Auch in der kommenden Spielzeit wollen sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben. In Kürze geht es ins Trainingslager nach Naumburg, danach reist die Mannschaft nach Dänemark. Ende August steht in Oldenburg ein Vorbereitungsturnier gegen Bundesligakonkurrenz an. Mit dabei ist dort auch Myrthe Schoenakers Ex-Klub aus Dalfsen.

