Am vergangenen Wochenende schaute Europas Traberszene nach Berlin, zum Deutschen Derby in Mariendorf. Am Sonnabend und Sonntag richten die Galopp-Fans des Kontinents ihre Blicke nach Hoppegarten, wo mit dem 125. Großen Preis von Berlin ein veritables Gruppe-I-Rennen ansteht. Eines von nur sieben, die in der gesamten Saison in Deutschland gelaufen werden.
Ganz klar im Fokus des mit 175.000 Euro dotierten Rennens über die Distanz von 2400 Metern stehen der dreijährige Hengst Nutan und Jockey Andrasch Starke. Beide waren vor fünf Wochen nach einer beeindruckenden Leistung Gewinner des Deutschen Galopp-Derbys in Hamburg. Für den 41-jährigen, in Hamburg geborenen Starke hat sich Hoppegarten zu einer „Mit-Lieblingsbahn“ entwickelt. Und der Reiz besteht für ihn im Double.
Dass es einmal so weit kommen könnte, war nicht im Ansatz abzusehen, obwohl Starke immer eine Beziehung zu Pferden hatte. Im Alter von elf Jahren ritt Andrasch Starke noch auf seinem Pony zur Schule. Nutan, mit dem er am Sonntag aus der Startbox geht, ist ein 550-Kilo-Gigant.
Gute Erinnerungen an Hoppegarten
Starkes Faible für Hoppegarten rührt nicht zuletzt aus der Tatsache, dass er mit der Stute Danedream auf der Bahn vor den Toren Berlins eine sensationelle Erfolgsserie einleiten konnte.
„2011 habe ich mit ihr den Großen Preis von Berlin gewonnen, danach den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris und 2012 noch die King George VI and Queen Elizabeth Stakes in Ascot“, erklärt er die Vorliebe. Und gerät sofort ins Schwärmen: „Danedream war absolut ungewöhnlich. mit ihr hat alles gepasst. Und von ihren großartigen Leistungen habe ich auch profitiert.“
Zur Freude der Besitzer von Danedream, denn mit 3,7 Millionen Euro ist die mittlerweile in die Zucht gewechselte „Lady“ das gewinnreichste Galopp-Pferd in Deutschland.
Der mit sieben Derby-Siegen dekorierte Starke begann seine Ausbildung als 15-Jähriger in Köln, vorbelastet vom Vater, der ebenfalls Jockey war. Köln, im Team von Top-Jockey und Top-Trainer Peter Schiergen, ist auch momentan die Heimat Starkes. Wenn es ihn nicht über den Winter nach Japan zieht.
Schonung nach dem Derbysieg in Hamburg
„Es ist natürlich ein eklatanter Wechsel in der Mentalität, ein anderer Alltag. Aber die Arbeit mit den Pferden und die Rennen sind wie die in Europa“, so Starke, dessen Karriere auch eine sechsmonatige Sperre (2002, Kokainkonsum) nicht gefährden konnte.
Doch, und das gilt sicher auch für das Hoppegarten-Wochenende, sieht der Champion nicht nur die eigene Person. „Man wird nur dann ein guter Jockey, wenn man gute Pferde bekommt. Gute Pferde bekommt man, wenn man Leistung gebracht hat. Das beginnt schon in der Lehrzeit. Wenn man sich da durchboxt gegen die Jockey-Elite, bekommt man gute Ritte“, erklärt Starke.
„Ein guter Jockey braucht keine Order“, setzt Trainer Peter Schiergen Starkes Argumentation fort. Konkret für den Großen Preis von Berlin sagt der 48-Jährige zu Nutan: „Es ist alles gut, er hat das Derby sehr gut überstanden.Wir haben, weil er so ein Riese ist, Wert darauf gelegt, ihn etwas zu schonen. Man muss natürlich sehen, wie er sich nun gegen die älteren Pferde hält.“ Nutan ist der einzige Dreijährige im Berlin-Feld.
Hauptkonkurrenz aus England
Mit Ito (Filip Minarik) gibt sich auch das beste ältere deutsche Pferd im achtköpfigen Feld die Ehre. Fünf Siege bei sieben Starts sprechen in dieser Saison für sich. In Hoppegarten gewann er 2015 den Großen Preis von Dahlwitz.
Jockey Jozef Bojko sattelt den letztjährigen Sieger Sirius, der auch beim Derby eine starke Leistung gezeigt hat. Von Peter Schiergen am höchsten eingeschätzt als Nutan-Konkurrent ist ein Gast aus England. Second Step, mit James Doyle im Sattel, gewann zuletzt ein Gruppe-II-Rennen in Newmarket.
Für Hoppegarten-Eigentümer Gerhard Schöningh ist das anstehende Wochenende der Höhepunkt der Saison. Mit ein wesentlicher Grund, zwei Renntage zu veranstalten.
Schöningh: „Die Rückkehr des Großen Preises von Berlin nach Hoppegarten im Jahr 2011 war ein Meilenstein in der Entwicklung Hoppegartens. Eine bessere Jubiläums-Besetzung können wir uns nicht wünschen. Da macht es Sinn, den angereisten Trainern und Besitzern an zwei Tagen die Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen. Dabei kam uns die Neufassung des deutschen Rennkalenders entgegen.“
55 Kilo leckeres Eis
Geschäftsführer Dietrich von Mutius: „Wir haben mit dem Meeting dem Wunsch vieler Besitzer, Trainer, Reiter und Fans entsprochen. Wir freuen uns über die zahlreichen guten Nennungen der großen Ställe aus dem Westen Deutschlands.“
Am Sonnabend steht der Hoppegartener Sommerpreis an erster Stelle. Nach 1800 Metern winken 45.000 Euro Preisgeld. Hier gilt die von Peter Schiergen trainierte und von Andrasch Starke gerittene Longina - 2014 in Hoppegarten Siegerin im Diana Trial - als Favoritin.
Auf eine Überraschung hofft Schiergen-Sohn Dennis, der mit dem in Berlin von Christian Zschache trainierten Gereon sein Glück versucht.
Mit Blick auf die zu erwartende Hitze und die ebenfalls zufriedenzustellenden jüngsten Zuschauer haben sich Gerhard Schöningh und seine Mannschaft etwas Besonderes einfallen lassen. Am Sonntag zeigt sich Florida Eis spendabel: Nach der Siegerehrung des gleichnamigen Rennens (Start um 13.45 Uhr) verteilt dieser Sponsor so viel Speiseeis kostenlos im Kinderland der Rennbahn, wie der Siegjockey des Rennens auf die Waage bringt. Das dürften gut 55 Kilo sein


