Stanford/Berlin –

Lisicki blamiert sich gegen eine 44-Jährige

Kimiko Date-Krumm besiegt die 20 Jahre jüngere Berlinerin – trotz eines 1:6, 1:4-Rückstandes

Stanford/Berlin. Erst vor ein paar Tagen hatte Sabine Lisicki verkündet, sich nach zehn Jahren von ihrem Vermarktungspartner IMG zu trennen, immerhin einem der weltweit größten Player auf diesem Gebiet. Statt dessen werde die Agentur En2rage diesen Job übernehmen, die auch Oliver Pocher, den Lebensgefährten der Tennisspielerin, zu ihren Kunden zählt. Der ist so etwas wie ein Komiker, zumindest bringt er viele Menschen zum Lachen. Doch nach Lachen war Sabine Lisicki am Mittwoch nicht zumute, als sie den Centrecourt in Stanford verließ. Da winkte sie geistesabwesend und tief enttäuscht ins Publikum.

Viel Tee, auch chinesischer

Den Applaus kassierte nach dem Erstrundenspiel des Turniers in Kalifornien Kimiko Date-Krumm. Die Japanerin wird demnächst 45 Jahre alt; trotzdem gelang es der ältesten Spielerin auf der WTA-Tour, die 20 Jahre jüngere Berlinerin niederzuringen. Lisicki hatte schon 6:1 und im zweiten Satz 4:1 geführt, verlor jedoch 6:1, 6:7 (4:7), 2:6. Über die Gründe, warum Date-Krumm den längeren Atem hatte, darf sich jeder selbst seine Gedanken machen.

Eine Stellungnahme der unterlegenen Spielerin wurde nicht übermittelt, nur ein Statement der Darmstädterin Andrea Petkovic. „Kimiko ist ein Phänomen“, sagte diese, „irgendwie bewundere ich sie für ihre unglaubliche Disziplin.“ Die ist in der Tat lobenswert. Wie sie das Geheimnis ihrer ewigen Jugend erkläre, wurde Date-Krumm einmal gefragt. „Literweise heißer Tee“, kam als Antwort, „chinesischer, manchmal japanischer“.

Nun erklärt dies natürlich nicht den Sieg gegen Lisicki - der hatte schon auch etwas mit der Form der Berlinerin, Nummer 24 der Weltrangliste, zu tun. Date-Krumms beste Zeiten liegen Jahrzehnte zurück. 1995 war sie zum ersten Mal Nummer vier der Welt. Höher kam die mit den deutschen Rennfahrer Michael Krumm verheiratete Asiatin nie. Derzeit bekleidet sie Rang 173. Der Sieg über Lisicki war ihr erster Hauptrundenerfolg bei einem WTA-Turnier seit September 2014. Eine Kontrahentin aus den Top 25 hatte sie zuletzt Anfang 2014 bezwungen.

Die blonde Deutsche droht nach der peinlichen Schlappe zum Gespött der Internetgemeinde zu werden. Ihrem aktuellen Trainer Christopher Kas ist es offenbar auch nicht gelungen, endlich Konstanz in Lisickis Spiel zu bringen. Im 34. Saisonmatch kassierte sie bereits ihre 17. Niederlage. Dabei hatte sie noch vor ein paar Monaten mit gelungenen Auftritten bei den großen Turnieren in Indian Wells und Miami Hoffnungen geschürt. Jetzt könnte der schöne Aufschwung schon wieder dahin sein. Und die Tage von Kas gezählt.

Steffi Graf half beim Comeback

Das alles ist natürlich Kimiko Date-Krumm herzlich egal. Sie hatte ihre Karriere 1996 schon einmal beendet und wollte eigentlich Mutter werden. Das klappte nur nicht wie gewünscht. Also gab sie nach zwölfjähriger Auszeit 2008 ihr Comeback. Ausgerechnet ein Showmatch gegen Steffi Graf hatte sie wieder auf den Geschmack gebracht. Ihr Karrierepreisgeld beträgt mittlerweile knapp vier Millionen Dollar.

Und wenn auf sie den Platz schreitet, verblüfft sie ihre Gegnerinnen gern mal mit einer indiskreten Frage. Sie fragt sie nicht etwa, wie alt sie sind, sondern: „Ich frage direkt, wie alt ihre Mutter ist.“ Das finden die meisten angeblich gar nicht komisch.