Er sieht zufrieden aus. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Mario Gomez ein Foto von sich im Trikot von Besiktas Istanbul, dazu schrieb er: „Merhaba Besiktas“ (Hallo Besiktas). Gomez, inzwischen 30 Jahre alt, erfreut sich wieder an seinem Beruf. Am Bosporus hofft er, zwei Jahre hinter sich lassen zu können, die nicht zu den schönsten in der Karriere des Fußballprofis gehören. „Ich bin sehr glücklich, hier zu sein. Ich kann es kaum erwarten, das Training mit der Mannschaft zu beginnen“, sagte Gomez nach seiner Ankunft in Istanbul mit Besiktas-Schal um den Hals.
Gomez hat Florenz verlassen, den Ort, wo er vor zwei Jahren von 25.000 Fans begeistert begrüßt worden war. Für 20 Millionen Euro hatte ihn der AC damals von Bayern München verpflichtet. Für beide Seiten gingen die mit dem Wechsel verbundenen Wünsche jedoch nicht in Erfüllung. Deshalb wird er nun für eine Saison ausgeliehen an den 13-maligen türkischen Meister, der sich zudem eine Kaufoption sicherte.
In der Türkei geht gerade die Lust auf große Namen um. „Wir sind glücklich, dass wir einen solchen Star für den türkischen Fußball gewinnen konnten“, sagte Vorstandsmitglied Erdal Torunogullari. Gomez, am Flughafen diesmal nur von Hunderten Fans empfangen, ist nicht der einzige Profi von Weltruf, den es in diesem Sommer dorthin zog. Auch mit Nationalspieler Lukas Podolski, der vom FC Arsenal zu Galatasaray Istanbul gewechselt war und sich dort für einen EM-Einsatz empfehlen will, wird es ein Wiedersehen geben. Zudem wechselten zuletzt weitere Stars wie Robin van Persie, Nani (beide von Manchester United zu Fenerbahce Istanbul) und Samuel Eto’o (von Sampdoria Genua zu Antalyaspor) in die Süper Lig.
Gomez’ Abschied aus Florenz hatte sich länger angedeutet. Der frühere Münchner und Stuttgarter hatte bei den Toskanern zwar noch einen Vertrag bis 2017, enttäuschte in der vergangenen Saison jedoch mit nur vier Toren in 20 Ligaeinsätzen. In der Spielzeit zuvor gelangen ihm lediglich drei Ligatore in neun Spielen, dazu kamen drei Tore in 14 Europa-League-Einsätzen. Trainer Vincenzo Montella hatte seinen Stürmer auch öffentlich kritisiert und zuletzt gar nicht mehr berücksichtigt.
Nach seinem Wechsel aus München konnte Gomez zunächst gut beginnen. Diverse Verletzungen warfen den Vize-Europameister von 2008 aber immer wieder zurück. Erst fiel er mit Knieproblemen monatelang aus. Danach konnte der Angreifer nie richtig überzeugen. Seine größte Enttäuschung erlebte Gomez, als er von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die WM 2014 berücksichtigt worden war, obwohl er rechtzeitig genesen konnte.
Die Nationalmannschaft ist jetzt ein spezieller Antrieb für den Stürmer, Italien vorerst den Rücken zu kehren. Über den Bosporus will er einen Umweg nach Frankreich nehmen. „Die nächste Saison ist für mich sehr wichtig, mein Ziel ist die Nationalmannschaft. Ich will zur EM 2016“, hatte Gomez unlängst gesagt. Doch in der Vorbereitung mit Florenz zeigte sich, dass auch der neue Trainer Paulo Sousa nicht auf den Deutschen setzt. „Mario Gomez verlässt den italienischen Fußball, den er nie wirklich verstanden und geschätzt hat“, urteilte die „Gazzetta dello Sport“ nach dem Wechsel.
Sein bislang letztes Spiel im DFB-Trikot absolvierte der frühere Bundesligaprofi im September 2014 gegen Argentinien (2:4). Dennoch hatte Löw die Tür für eine Rückkehr immer offen gehalten. „Wenn Mario körperlich fit ist und Spielrhythmus hat, ist er eine Bereicherung für jede Mannschaft, auch für uns, das hat er oft genug bewiesen“, sagte Löw. Regelmäßige Einsätze beim Vorjahresdritten in der Süper Lig und in der Europa League sollen die stockende Karriere wieder voranbringen.
Bei Besiktas Istanbul wird Gomez, der dort 3,5 Millionen Euro Fixgehalt bekommen soll, Teamkollege des früheren Hoffenheimer Kapitäns Andreas Beck, der seit wenigen Wochen ebenfalls dort unter Vertrag steht. Beide wurden 2007 gemeinsam mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister.
BM

