Eigentlich wollte Tony Martin, 30, selbst über den Zielstrich in Paris radeln und das Ende einer großartigen Tour de France 2015 feiern. Doch nach zwei Tagen im Gelben Trikot stürzte der Radprofi auf der sechsten Etappe kurz vor dem Ziel und schied mit einem offenen Schlüsselbeinbruch aus. Die Morgenpost sprach mit dem dreifachen Zeitfahr-Weltmeister vom Etixx-Quick-Step-Team über seine Erlebnisse in Frankreich und seinen Zeitvertreib nach dem Ausstieg.
Berliner Morgenpost: Herr Martin, am Sonntag fahren Sie nach Paris. Zwar nicht auf dem Rad, sondern als Zuschauer. Spüren Sie so etwas wie Aufregung?
Tony Martin: Also aufgeregt bin ich nicht, aber Vorfreude ist schon dabei. Meine Freunde kommen mit, auch die Familie und die Freundin. Alle, die ohnehin geplant hatten, hinzukommen, sind da. Wir werden uns eine schöne Zeit in Paris machen. Es sind jetzt zwar andere Umstände, aber ich freue mich trotzdem. Ich werde die Mannschaft treffen und die Ehrenrunde mit der Mannschaft fahren.
Ist ein bisschen Wehmut dabei, weil Sie nicht selbst über den Zielstrich rollen können?
Wehmut war sicher dabei, als ich die Jungs im Fernsehen gesehen habe, wie sie sich abrackern, ohne dass ich eingreifen konnte. Jetzt ist sie verflogen.
Fühlt es sich nicht komisch an, die Tour im Fernsehen verfolgen zu müssen?
Die ersten Etappen schon noch, das war sehr schmerzlich. Aber irgendwann setzt sich das Bewusstsein durch, wie schwer es eigentlich ist, im Hochgebirge zu fahren. Gerade mit Blick auf die WM ist es vielleicht gar nicht schlecht, ein bisschen mehr Ruhe zu haben. Das ist jetzt mal eine Chance, einen anderen Weg zu gehen. Insofern bin ich in der Stimmungslage, dass ich gut akzeptieren kann, nicht mehr dabei zu sein. Ich habe meine Ziele erreicht. Und wenn ich jetzt nach Paris fahre, kann ich an die Tour 2015 einen positiven Haken machen.
Gelb erobert, dann der Sturz, das Ausscheiden – es gab einiges zu verarbeiten.
Anfangs war ich ärgerlich, vor allem, weil ich nicht mehr bei der Mannschaft sein konnte. Doch letztlich kann ich die Tour als zukunftsweisend betrachten. Denn ich hatte mich auch auf die Kopfsteinpflaster-Etappe am Anfang speziell vorbereitet, um zu sehen, ob vielleicht auch Frühjahrsklassiker etwas für mich sein könnten. Das kann ich mit ja beantworten. Deshalb war es trotz allem eine schöne Tour.
Bestimmt sogar die schönste: Sie konnten schließlich zum ersten Mal das Gelbe Trikot tragen. Wie lebt es sich damit?
Die erste Etappe in Gelb konnte ich gar nicht so genießen, weil alles sehr hektisch war. Aber auf der zweiten merkte ich schon, dass ich etwas ganz Besonderes erreicht habe. Das werde ich nicht mehr vergessen. Man merkt, dass das Gelbe Trikot der Mittelpunkt des Radsports ist.
Sind Sie den Sturz noch mal durchgegangen, um zu sehen, was schief gelaufen ist?
Ein paar Mal habe ich es mir angeguckt, aber nicht sehr oft. Wirklich ersichtlich ist es nicht, warum das passiert ist.
Christopher Froome verzichtete am nächsten Tag darauf, das Gelbe Trikot zu tragen. Wie fanden Sie das?
Das war ein großes Zeichen von ihm. Ich habe ihn immer als fairen Sportsmann erlebt, das hat sich da mal wieder bestätigt.
Nicht jeder sieht Froome so. Er wurde mit einem Urinbecher beworfen von einem Fan und mit Dopinganschuldigungen konfrontiert. Wie beurteilen Sie so etwas?
Das ist unterstes Niveau. Das gehört sich nicht, jemanden so abzustrafen, der erst einmal nur seine Leistung gebracht hat. Das macht mich sehr böse. Solche Leute sollen einfach zu Hause bleiben. Die Zweifel, die entstehen, muss man sicher auf die dunkle Doping-Vergangenheit des Radsports zurückführen. Aber man muss auch immer wieder drauf verweisen, dass wir im Radsport jetzt eines der härtesten Antidoping-Programme haben.
Was halten Sie von den Tweets von Lance Armstrong, der Hauptfigur der Doping-Hochzeit im Radsport? Seine Äußerungen legen nah, dass die Leistung von Froome zu gut ist, um sauber zu sein.
Unglaubwürdiger als er kann man nicht sein. Das ist der größte Verbrecher des Radsports. Ich kenne seinen Tweet nicht, aber ich glaube, er sollte sich komplett aus dem Radsport raushalten.
Sie und Ihre Kollegen versuchen, dieses in der Armstrong-Zeit entstandene Bild wieder zu korrigieren. Dabei sind Sie auf einem guten Weg, das Interesse am Radsport wächst in Deutschland wieder. Jüngst holte Simon Geschke aus Berlin den fünften deutschen Etappensieg bei dieser Tour. Eine Überraschung?
Dass Simon das Potenzial hat, davon bin ich immer ausgegangen. Für mich ist sein Erfolg daher keine Überraschung, es war mehr eine Frage der Zeit. Aber die Art und Weise, wie er gewonnen hat, war nicht vorherzusehen.
Welche Chancen sehen Sie für das Finale in Paris bezüglich eines deutschen Erfolgs?
Also nach den drei tollen Etappensiegen von André Greipel würde ich mir wünschen, dass mein Teamkollege Mark Cavendish wieder an der Reihe wäre. André hat mehr als genug getan für den deutschen Radsport. Aber er ist sicherlich der Topfavorit für den Champs-Elysees.
Ergebnisse, alle Etappenpläne und den Live-Ticker zur Tour finden Sie unter www.morgenpost.de/sport
Eigentlich wollte Tony Martin, 30, selbst über den Zielstrich in Paris radeln und das Ende einer großartigen Tour de France 2015 feiern. Doch nach zwei Tagen im Gelben Trikot stürzte der Radprofi auf der sechsten Etappe kurz vor dem Ziel und schied mit einem offenen Schlüsselbeinbruch aus. Die Morgenpost sprach mit dem dreifachen Zeitfahr-Weltmeister vom Etixx-Quick-Step-Team über seine Erlebnisse in Frankreich und seinen Zeitvertreib nach dem Ausstieg.
Berliner Morgenpost: Herr Martin, am Sonntag fahren Sie nach Paris. Zwar nicht auf dem Rad, sondern als Zuschauer. Spüren Sie so etwas wie Aufregung?
Tony Martin: Also aufgeregt bin ich nicht, aber Vorfreude ist schon dabei. Meine Freunde kommen mit, auch die Familie und die Freundin. Alle, die ohnehin geplant hatten, hinzukommen, sind da. Wir werden uns eine schöne Zeit in Paris machen. Es sind jetzt zwar andere Umstände, aber ich freue mich trotzdem. Ich werde die Mannschaft treffen und die Ehrenrunde mit der Mannschaft fahren.
Ist ein bisschen Wehmut dabei, weil Sie nicht selbst über den Zielstrich rollen können?
Wehmut war sicher dabei, als ich die Jungs im Fernsehen gesehen habe, wie sie sich abrackern, ohne dass ich eingreifen konnte. Jetzt ist sie verflogen.
Wie sahen denn die vergangenen Tage bei Ihnen aus?
Ich musste viel zur Physiotherapie und auch viele Blutkontrollen über mich ergehen lassen, um zu sehen, wie sich die Entzündungswerte entwickeln. Das war wichtig, um nach der Verletzung wieder grünes Licht für zunächst mal ruhiges Training auf dem Ergometer zu bekommen. Nächste Woche geht es wieder auf die Straße.
Läuft alles schon wieder so gut?
Ich habe relativ wenig Schmerzen und fühle mich auf dem Rad richtig wohl. Deshalb bin ich guter Dinge, dass ich recht schnell wieder in den Rhythmus komme.
Wie viel Zeit haben Sie denn zuletzt vor dem Fernseher verbracht?
Ach, ich habe schon ziemlich viele Etappen gesehen. Da bin ich aber mehr Fan als Sportler. Normalerweise habe ich gerade in den Bergen nicht so die Chance, wenn es abgeht. Da finde ich es mal ganz schön, so eine Etappe von außen beobachten zu können. Deswegen ist auch die Wehmut ein bisschen verflogen, als ich die schweren Bergetappen gesehen habe. Ich weiß ja, wie die Jungs sich fühlen, wenn sie am Limit sind. Da ist die Position auf der Couch gar nicht so schlecht.
Fühlt sich das nicht trotzdem komisch an?
Die ersten Etappen schon noch, das war sehr schmerzlich. Aber irgendwann setzt sich das Bewusstsein durch, wie schwer es eigentlich ist, im Hochgebirge zu fahren. Gerade mit Blick auf die WM ist es vielleicht gar nicht schlecht, ein bisschen mehr Ruhe zu haben. Das ist jetzt mal eine Chance, einen anderen Weg zu gehen. Insofern bin ich in der Stimmungslage, dass ich gut akzeptieren kann, nicht mehr dabei zu sein. Ich habe meine Ziele erreicht. Und wenn ich jetzt nach Paris fahre, kann ich an die Tour 2015 einen positiven Haken machen.
Gelb erobert, dann der Sturz, das Ausscheiden – es gab einiges zu verarbeiten.
Anfangs war ich ärgerlich, vor allem, weil ich nicht mehr bei der Mannschaft sein konnte. Doch letztlich kann ich die Tour als zukunftsweisend betrachten. Denn ich hatte mich auch auf die Kopfsteinpflaster-Etappe am Anfang speziell vorbereitet, um zu sehen, ob vielleicht auch Frühjahrsklassiker etwas für mich sein könnten. Das kann ich mit ja beantworten. Deshalb war es trotz allem eine schöne Tour.
Bestimmt sogar die schönste: Sie konnten schließlich zum ersten Mal das Gelbe Trikot tragen. Wie lebt es sich damit?
Die erste Etappe in Gelb konnte ich gar nicht so genießen, weil alles sehr hektisch war. Aber auf der zweiten merkte ich schon, dass ich etwas ganz Besonderes erreicht habe. Das werde ich nicht mehr vergessen. Man merkt, dass das Gelbe Trikot der Mittelpunkt des Radsports ist.
Sind Sie den Sturz noch mal durchgegangen, um zu sehen, was schief gelaufen ist?
Ein paar Mal habe ich es mir angeguckt, aber nicht sehr oft. Wirklich ersichtlich ist es nicht, warum das passiert ist. Die Hektik im Etappenfinale und meine Nervosität im Gelben Trikot waren sicher auch ausschlaggebend.
Christopher Froome verzichtete am nächsten Tag darauf, das Gelbe Trikot zu tragen. Wie fanden Sie das?
Das war ein großes Zeichen von ihm. Ich habe ihn immer als fairen Sportsmann erlebt, das hat sich da mal wieder bestätigt.
Nicht jeder sieht Froome so. Er wurde mit einem Urinbecher beworfen von einem Fan und mit Dopinganschuldigungen konfrontiert. Wie beurteilen Sie so etwas?
Das ist unterstes Niveau. Das gehört sich nicht, jemanden so abzustrafen, der erst einmal nur seine Leistung gebracht hat. Das macht mich sehr böse. Solche Leute sollen einfach zu Hause bleiben. Die Zweifel, die entstehen, muss man sicher auf die dunkle Doping-Vergangenheit des Radsports zurückführen. Aber man muss auch immer wieder drauf verweisen, dass wir im Radsport jetzt eines der härtesten Antidoping-Programme haben.
Was halten Sie von den kontroversen Tweets von Lance Armstrong, der Hauptfigur der Doping-Hochzeit im Radsport? Seine Äußerungen legen nah, dass die Leistung von Froome zu gut ist, um sauber zu sein.
Unglaubwürdiger als er kann man nicht sein. Das ist der größte Verbrecher des Radsports. Ich kenne seinen Tweet nicht, aber ich glaube, er sollte sich komplett aus dem Radsport raushalten. Wenn er den Mund aufmacht, bringt er immer ein negatives Image rüber.
Sie und Ihre Kollegen versuchen, dieses in der Armstrong-Zeit entstandene Bild wieder zu korrigieren. Dabei sind Sie auf einem guten Weg, das Interesse am Radsport wächst in Deutschland wieder. Jüngst holte Simon Geschke aus Berlin den fünften deutschen Etappensieg bei dieser Tour. Eine Überraschung?
Dass Simon das Potenzial hat, davon bin ich immer ausgegangen. Für mich ist sein Erfolg daher keine Überraschung, es war mehr eine Frage der Zeit. Aber die Art und Weise, wie er gewonnen hat, war nicht vorherzusehen.
Welche Chancen sehen Sie für das große Finale in Paris bezüglich eines deutschen Erfolgs?
Also nach den drei tollen Etappensiegen von André Greipel würde ich mir wünschen, dass mein Teamkollege Mark Cavendish wieder an der Reihe wäre. André hat mehr als genug getan für den deutschen Radsport. Aber er ist sicherlich der Topfavorit für den Champs-Elysees. Es wird ein sehr spannendes Rennen.
Eigentlich wollte Tony Martin, 30, selbst über den Zielstrich in Paris radeln und das Ende einer großartigen Tour de France 2015 feiern. Doch nach zwei Tagen im Gelben Trikot stürzte der Radprofi auf der sechsten Etappe kurz vor dem Ziel und schied mit einem offenen Schlüsselbeinbruch aus. Die Morgenpost sprach mit dem dreifachen Zeitfahr-Weltmeister vom Etixx-Quick-Step-Team über seine Erlebnisse in Frankreich und seinen Zeitvertreib nach dem Ausstieg.
Berliner Morgenpost: Herr Martin, am Sonntag fahren Sie nach Paris. Zwar nicht auf dem Rad, sondern als Zuschauer. Spüren Sie so etwas wie Aufregung?
Tony Martin: Also aufgeregt bin ich nicht, aber Vorfreude ist schon dabei. Meine Freunde kommen mit, auch die Familie und die Freundin. Alle, die ohnehin geplant hatten, hinzukommen, sind da. Wir werden uns eine schöne Zeit in Paris machen. Es sind jetzt zwar andere Umstände, aber ich freue mich trotzdem. Ich werde die Mannschaft treffen und die Ehrenrunde mit der Mannschaft fahren.
Ist ein bisschen Wehmut dabei, weil Sie nicht selbst über den Zielstrich rollen können?
Wehmut war sicher dabei, als ich die Jungs im Fernsehen gesehen habe, wie sie sich abrackern, ohne dass ich eingreifen konnte. Jetzt ist sie verflogen.
Wie sahen denn die vergangenen Tage bei Ihnen aus?
Ich musste viel zur Physiotherapie und auch viele Blutkontrollen über mich ergehen lassen, um zu sehen, wie sich die Entzündungswerte entwickeln. Das war wichtig, um nach der Verletzung wieder grünes Licht für zunächst mal ruhiges Training auf dem Ergometer zu bekommen. Nächste Woche geht es wieder auf die Straße.
Läuft alles schon wieder so gut?
Ich habe relativ wenig Schmerzen und fühle mich auf dem Rad richtig wohl. Deshalb bin ich guter Dinge, dass ich recht schnell wieder in den Rhythmus komme.
Wie viel Zeit haben Sie denn zuletzt vor dem Fernseher verbracht?
Ach, ich habe schon ziemlich viele Etappen gesehen. Da bin ich aber mehr Fan als Sportler. Normalerweise habe ich gerade in den Bergen nicht so die Chance, wenn es abgeht. Da finde ich es mal ganz schön, so eine Etappe von außen beobachten zu können. Deswegen ist auch die Wehmut ein bisschen verflogen, als ich die schweren Bergetappen gesehen habe. Ich weiß ja, wie die Jungs sich fühlen, wenn sie am Limit sind. Da ist die Position auf der Couch gar nicht so schlecht.
Fühlt sich das nicht trotzdem komisch an?
Die ersten Etappen schon noch, das war sehr schmerzlich. Aber irgendwann setzt sich das Bewusstsein durch, wie schwer es eigentlich ist, im Hochgebirge zu fahren. Gerade mit Blick auf die WM ist es vielleicht gar nicht schlecht, ein bisschen mehr Ruhe zu haben. Das ist jetzt mal eine Chance, einen anderen Weg zu gehen. Insofern bin ich in der Stimmungslage, dass ich gut akzeptieren kann, nicht mehr dabei zu sein. Ich habe meine Ziele erreicht. Und wenn ich jetzt nach Paris fahre, kann ich an die Tour 2015 einen positiven Haken machen.
Gelb erobert, dann der Sturz, das Ausscheiden – es gab einiges zu verarbeiten.
Anfangs war ich ärgerlich, vor allem, weil ich nicht mehr bei der Mannschaft sein konnte. Doch letztlich kann ich die Tour als zukunftsweisend betrachten. Denn ich hatte mich auch auf die Kopfsteinpflaster-Etappe am Anfang speziell vorbereitet, um zu sehen, ob vielleicht auch Frühjahrsklassiker etwas für mich sein könnten. Das kann ich mit ja beantworten. Deshalb war es trotz allem eine schöne Tour.
Bestimmt sogar die schönste: Sie konnten schließlich zum ersten Mal das Gelbe Trikot tragen. Wie lebt es sich damit?
Die erste Etappe in Gelb konnte ich gar nicht so genießen, weil alles sehr hektisch war. Aber auf der zweiten merkte ich schon, dass ich etwas ganz Besonderes erreicht habe. Das werde ich nicht mehr vergessen. Man merkt, dass das Gelbe Trikot der Mittelpunkt des Radsports ist.
Sind Sie den Sturz noch mal durchgegangen, um zu sehen, was schief gelaufen ist?
Ein paar Mal habe ich es mir angeguckt, aber nicht sehr oft. Wirklich ersichtlich ist es nicht, warum das passiert ist. Die Hektik im Etappenfinale und meine Nervosität im Gelben Trikot waren sicher auch ausschlaggebend.
Christopher Froome verzichtete am nächsten Tag darauf, das Gelbe Trikot zu tragen. Wie fanden Sie das?
Das war ein großes Zeichen von ihm. Ich habe ihn immer als fairen Sportsmann erlebt, das hat sich da mal wieder bestätigt.
Nicht jeder sieht Froome so. Er wurde mit einem Urinbecher beworfen von einem Fan und mit Dopinganschuldigungen konfrontiert. Wie beurteilen Sie so etwas?
Das ist unterstes Niveau. Das gehört sich nicht, jemanden so abzustrafen, der erst einmal nur seine Leistung gebracht hat. Das macht mich sehr böse. Solche Leute sollen einfach zu Hause bleiben. Die Zweifel, die entstehen, muss man sicher auf die dunkle Doping-Vergangenheit des Radsports zurückführen. Aber man muss auch immer wieder drauf verweisen, dass wir im Radsport jetzt eines der härtesten Antidoping-Programme haben.
Was halten Sie von den kontroversen Tweets von Lance Armstrong, der Hauptfigur der Doping-Hochzeit im Radsport? Seine Äußerungen legen nah, dass die Leistung von Froome zu gut ist, um sauber zu sein.
Unglaubwürdiger als er kann man nicht sein. Das ist der größte Verbrecher des Radsports. Ich kenne seinen Tweet nicht, aber ich glaube, er sollte sich komplett aus dem Radsport raushalten. Wenn er den Mund aufmacht, bringt er immer ein negatives Image rüber.
Sie und Ihre Kollegen versuchen, dieses in der Armstrong-Zeit entstandene Bild wieder zu korrigieren. Dabei sind Sie auf einem guten Weg, das Interesse am Radsport wächst in Deutschland wieder. Jüngst holte Simon Geschke aus Berlin den fünften deutschen Etappensieg bei dieser Tour. Eine Überraschung?
Dass Simon das Potenzial hat, davon bin ich immer ausgegangen. Für mich ist sein Erfolg daher keine Überraschung, es war mehr eine Frage der Zeit. Aber die Art und Weise, wie er gewonnen hat, war nicht vorherzusehen.
Welche Chancen sehen Sie für das große Finale in Paris bezüglich eines deutschen Erfolgs?
Also nach den drei tollen Etappensiegen von André Greipel würde ich mir wünschen, dass mein Teamkollege Mark Cavendish wieder an der Reihe wäre. André hat mehr als genug getan für den deutschen Radsport. Aber er ist sicherlich der Topfavorit für den Champs-Elysees. Es wird ein sehr spannendes Rennen.

