André Greipel hat die fast zweiwöchige Durststrecke der deutschen Radprofis bei der 102. Tour de France furios beendet. Der Supersprinter aus Rostock raste nach 183 schweren Kilometern in Valence zu seinem dritten Etappensieg und verwies seinen erneut glücklosen Landsmann John Degenkolb um eine halbe Radlänge auf Platz zwei.
„Das ist ein Super-Tag. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und mich. Von Kilometer null an mussten wir heute leiden“, sagte der 33 Jahre alte Greipel, der sich auch von einer am Sonnabend erlittenen schmerzhaften Schnittwunde am linken Knie auf dem 15. Teilstück nicht ausbremsen ließ und seinen insgesamt neunten Tagessieg bei der Grand Boucle feierte: „Die letzten zwei Tage waren nicht einfach für mich, erst der Hitzestich und dann der Sturz.“
Der sieben Jahre jüngere Degenkolb, auf der schweren Etappe mit vier Bergwertungen eigentlich höher eingeschätzt als Greipel, wurde zum fünften Mal in seiner Tour-Karriere Etappenzweiter und muss weiter auf seinen ersten Erfolg warten.
Als uneingeschränkter Leader in die letzte Tour-Woche geht derweil Christopher Froome, der am Sonnabend im schweren Etappenfinale in Mende erneut seine Stärke demonstrierte. Auf dem nur drei Kilometer langen, aber sehr steilen Schlussanstieg zum Côte de la Croix Neuve parierte der Brite Froome nicht nur die Angriffe seiner Rivalen spielend, sondern nahm ihnen sogar weitere Zeit ab.
Froome unter Polizeischutz
Für den Tour-Dominator hatte die Etappe am Sonnabend einen äußerst unappetitlichen Beigeschmack gehabt. Er war nach eigener Aussage mit einem Becher Urin beworfen und bei dem Vorfall zudem als Dopingsünder verunglimpft worden. „Es ist aus unterschiedlichen Gründen extrem falsch. Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Froome.
Nach der Attacke gegen Froome wurde das britische Team Sky am Sonntag vor der Etappe unter Polizeischutz gestellt worden. Sechs Beamte bewachten die Fahrer vor dem Bus. Bei der Einschreibung wurde Froome diesmal mit Applaus bedacht.
Das Sky-Team musste sich offenbar schon seit Tagen mit Anfeindungen vom Straßenrand auseinandersetzen. Auch soll das Teamauto mit vollen Cola-Dosen beworfen worden sein. Teamchef Dave Brailsford beschrieb Teile des Publikums als „eine Art Fußball-Mob“.
BM

