Radsport

Massensturz überschattet Rodriguez' Sieg bei Tour de France

Dramatische Bilder bei der Tour de France! Gut 55 Kilometer vor dem Ziel kommt es bei Tempo 42 zu einem schweren Massensturz.

Der spanische Radprofi Joaquim Rodriguez hat die dritte Etappe der Tour de France gewonnen. Der 36-Jährige vom Team Katjuscha setzte sich nach 159 km vom belgischen Antwerpen zur legendären Mauer von Huy vor Christopher Froome (Großbritannien/Sky) und Alexis Vuillermoz (Frankreich/AG2R) durch. Tony Martin (Cottbus/Etixx-Quick Step) verpasste das Gelbe Trikot um die Winzigkeit von einer Sekunde. Neuer Träger des "Maillot jaune" ist Froome.

"Ich kann nur noch darüber lachen", sagte Martin ironisch, der mit 40 Sekunden Rückstand auf Froome das Ziel erreichte und wieder wegen einer Zeitbonifikation am Karriereziel vorbeifuhr: "Heute hatte ich es in der Hand, aber ich hatte echt schlechte Beine. Morgen klappt es dann", sagte er kämpferisch.

Überschattet wurde die Etappe von einem üblen Massensturz, von dem unter anderem Martins Konkurrenten Tom Dumoulin (Niederlande) aus dem deutschen Team Giant-Alpecin sowie der Schweizer Fabian Cancellara als Froomes Vorgänger im Gelben Trikot betroffen waren.

Im hohen Bogen überschlagen

Dumoulin musste sogar aufgeben, Cancellara fiel lädiert zurück und erreichte mit großen Rückstand das Ziel. "Ich habe es nur krachen hören, ich hatte richtig Glück", sagte Martin: "Es wäre aufgrund der Stürze auch nicht die ganz große Ehre gewesen, Gelb zu bekommen. Ich kann das diesmal besser verkraften."

Fabian Cancellara überschlug sich mit seiner Rennmaschine in hohem Bogen, wenige Meter neben dem Träger des Gelben Trikots krümmten sich zahlreiche Fahrer vor Schmerzen. Die Tour-Organisation musste die Etappe am Montag sogar für gut zehn Minuten neutralisieren, was es zuvor in 112 Jahren Frankreich-Rundfahrt nur fünfmal gegeben hatte.

Die Neutralisation war aber durchaus berechtigt. Zahlreiche Fahrer verletzten sich bei dem Crash, der sich bei einer Geschwindigkeit von 42 km/h ereignete. Unter anderen mussten der bisherige Dritte Tom Dumoulin (Niederlande) vom deutschen Giant-Alpecin-Team mit einer ausgekugelten Schulter und der frühere Mailand-San-Remo-Sieger Simon Gerrans (Australien) mit einem Handgelenkbruch aufgeben. Beide wurden ins Krankenhaus gebracht. Andere Fahrer wie der Australier Michael Matthews setzten mit zerfetzten Trikots und schlimmen Schürfwunden die Reise fort.

„Viel Blut und Schmerzen hier“

Die Tour-Organisation begründete die Neutralisation damit, dass alle medizinischen Fahrzeuge beim Sturz halten mussten und nicht mehr dem Feld folgen konnten. „So etwas habe ich noch nie gesehen - viel Blut und Schmerzen hier. Das ist der schlimme Teil von unserem Sport“, twitterte Oleg Tinkow, der Teambesitzer von Saxo-Tinkoff.

Der Sturz wurde ausgelöst vom Franzosen William Bonnet, für den es ebenfalls nicht weiterging. Auch der Russe Dimitri Kosontschuk von Katusha musste aufgeben. Der Niederländer Laurens ten Dam kugelte sich ebenfalls die Schulter aus, setzte aber seine Fahrt fort.

Cancellara hatte sich seinen 29. Tag im Gelben Trikot anders vorgestellt. Der Schweizer fasste sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Schulter und den Rücken, fuhr aber weiter. Im Vollbesitz seiner Kräfte war er nicht mehr. Beim ersten Angriff im Feld musste Cancellara abreißen lassen.

Letzte Tour de France fpr Cancellara

Dabei wollte der 34-Jährige seine letzte Tour eigentlich genießen. Noch vor der Etappe hatte Cancellara seinen Abschied angekündigt. „Es ist noch nicht offiziell, aber ja: Das ist meine letzte Tour de France. Im nächsten Jahr beginnt die Tour in Mont-Saint-Michel nicht mit einem Zeitfahren. Ich will mit guten Erinnerungen aufhören“, sagte der Schweizer, der am Sonntag Tony Martin das Gelbe Trikot weggeschnappt hatte.

Cancellara trug am Montag zum 29. Mal in seiner Karriere das begehrte „Maillot Jaune“ auf seinen Schultern - so oft, wie kein anderer aktiver Fahrer. Damit führte er bei sechs seiner insgesamt zehn Teilnahmen die Gesamtwertung der Tour an, womit er mit Eddy Merckx gleichzog. Nur Bernard Hinault war besser: Der Franzose holte in acht verschiedenen Auflagen jeweils das Gelbe Trikot.