Der Auftakt hätte nicht besser gelingen können. Gold im ersten Wettbewerb, für einen Berliner und einen Potsdamer. Und die Siegerehrung im Abendlicht eines herrlichen Sommerabends im Olympiapark. So war es nicht verwunderlich, dass Alexander Nobis (Berlin/25) und Marvin Dogue (Potsdam/19) nach ihrem überraschenden Sieg in der Teamstaffel der 55. Weltmeisterschaften für Modernen Fünfkampf aus dem Strahlen nicht mehr herauskamen.

Am Dienstag waren mit Olympiasiegerin Lena Schöneborn und Annika Schleu abermals zwei Hauptstadt-Athletinnen mit Medaillenchancen am Start. Sie mussten beim Reiten eine 40 Minuten lange Pause überbrücken, weil kein zweiter Notarztwagen zur Verfügung stand. Jelena Potapenko aus Kasachstan war zuvor mit ihrem Pferd gestürzt und ins Krankenhaus abtransportiert worden. Tragisch für die Kasachin, aber bitter auch für die wartenden Athleten und Zuschauer.

Dass das Sensationsgold von Nobis/Dogue einen Ansturm der Zuschauer ausgelöst habe, konnte man freilich auch am Dienstag nicht behaupten. Zwar bewegten sich relativ viele Menschen rund um die für den Pentathlon benötigten Sportstätten – Schwimmbecken, Fechthalle, Fechtbühne im Freien für die neu eingeführte Bonusrunde in dieser Teildisziplin, Reitparcours, Schießstände und Laufstrecke – aber das waren zu 90 Prozent die Teilnehmer selbst, ihre Betreuer, Wettkampfrichter – und ein paar aus der unmittelbaren Fangemeinde der Starter. Das Bonus-Fechten jedenfalls zog keine neuen Zuschauer an.

„Wir sind hier nicht beim Fußball“, bekam man schnell mal zu hören, wenn man auf organisatorische Defizite hinwies. Am Wochenende, wenn die Einzel bei Männern (Freitag) und Frauen (Sonnabend) sowie die Mixed-Staffel (Sonntag) anstehen, soll das anders aussehen. „Das sind unsere Großkampftage“, sagt Sebastian Dietz, 41, Vizepräsident für Finanzen des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf (DVMF).

Dietz hält manche der neuen Ideen durchaus für gut, warnt aber vor permanenten Dauerveränderungen. „Ich kann die Küche nicht kaufen, bevor ich kein Haus habe“, lautet sein Vergleich. Der Moderne Fünfkampf müsse als solcher erkennbar bleiben. „Man darf nicht zu viele Baustellen auf einmal aufmachen, und am Ende haben wir dann gar keinen Sport mehr dabei.“ Er weiß, dass das bewusst übertrieben ist. „Doch ehe die Leute die erste Variation begriffen haben, schon weitere in schneller Folge anzuhängen, kann auch überfordern. Wir müssen die Zuschauer mitnehmen.“ Anfänge dafür sind gemacht, mehr aber wohl noch nicht. Die Wege im Olympiapark sind kürzer geworden, wirklich kurz aber sind sie immer noch nicht.

Vom Traum des deutschen Weltverbandspräsidenten Klaus Schormann – „fünf Disziplinen in fünf Stunden an einem Ort“ – ist man in Berlin jedenfalls noch ein gutes Stück entfernt. Die beiden Staffeln zum WM-Beginn begannen jeweils um 9.30 Uhr, der abschließende Combined-Wettbewerb aus Laufen und Schießen startete um 18.30 Uhr. Zum Auftakt bei den Männern sogar noch eine Stunde später, weil die Schießanlage der Sonne hatte Tribut zollen müssen und die elektronische Anzeige nicht funktionierte.

Kritik aber ist immer relativ. „Sieht man sich an, was vor zehn Jahren Standard waren, haben wir ein paar Schritte vorwärts gemacht“, sagt sogar Sebastian Dietz.