Formel 1

Sebastian Vettels Ferrari-Mission gerät ins Stocken

Hamilton einsame Spitze, Ferrari chancenlos: Das Kanada-Wochenende bringt Vettel trotz Aufholjagd den ersten herben Rückschlag bei der Scuderia. Die Formel 1 stürzt zurück in die alte Langeweile.

Foto: PAUL CHIASSON / AFP

Maurizio Arrivabene ist nicht zu beneiden. Der Ferrari-Teamchef, der nebenbei im Vorstand von Juventus Turin sitzt, hatte die Pleite der Italiener im Champions-League-Finale am Samstag gegen Barcelona noch nicht ganz verdaut, da trieben ihm Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen neuerliche Sorgenfalten auf die Stirn. Platz vier und fünf beim Großen Preis von Kanada bedeuteten die schwächste Ausbeute der Scuderia seit drei Monaten. Der Rückstand auf die erneut hoch überlegenen Silberpfeile von Lewis Hamilton und Nico Rosberg betrug am Ende satte 40 Sekunden.

„Die erste Runde war nicht gut, es war ein schleppender Start“, sagte Vettel: „Auch der erste Boxenstopp war nicht optimal, hinten rechts hat es etwas geklemmt. Aber solche Fehler passieren. Mehr war unter dem Strich nicht drin heute.“ Seine Miene verriet Ernüchterung - trotz einer Verbesserung um insgesamt 13 Positionen. Seine Ferrari-Mission droht ins Stocken zu geraten.

Dabei deutete sein Start in das Abenteuer Maranello schnell darauf hin, dass da einer die Ära von Michael Schumacher bei den Roten fortführen könnte. Zwei Podestplätze und der sensationelle Sieg beim Großen Preis von Malaysia waren einerseits mehr, als Vettel und alle Experten von der im vergangenen Jahr noch weit abgehängten Scuderia erhofft hatten. Endlich schien ein würdiger Herausforderer für die Seriensieger von Mercedes gefunden.

Ferrari-Fehler bremst Vettel

Andererseits weckten die Resultate Erwartungen, die Ferrari derzeit offensichtlich nicht erfüllen kann. Denn statt weiter zu schrumpfen, ist der Abstand zwischen zu den alles überragenden Silberpfeilen seitdem wieder angewachsen. In Montreal waren Vettel und sein Team-Kollegen Räikkönen nicht nur aufgrund eigener Fehler chancenlos. „Mercedes findet immer eine Antwort“, klagte der Hesse.

Vettel hatte nach einer Strafe für ein unerlaubtes Überholmanöver im Training, einem technischen Defekt im Qualifying und Startplatz 18 von vornherein schlechte Aussichten. Am Sonntag begann er zwar furios, wurde dann aber von seiner Boxencrew eingebremst, die nach acht Runden so lange für den erste Reifenwechsel brauchte, dass der Anfangsschwung schnell verflogen war. Dass er am Ende als Fünfter über die Ziellinie fuhr, rettete das Wochenende nur teilweise. Insgeheim hatten sie bei Ferrari auf einen Podestplatz geschielt.

Lewis Hamilton überholt Mansell

Den hatte Räikkönen zumindest in der ersten Rennhälfte inne. Doch anstatt als Dritter Jagd auf Hamilton und Rosberg zu machen, hatte der Finne das Mercedes-Duo schon nach den ersten Kurven aus den Augen verloren. Ein Dreher nach 28 Runden pulverisierte endgültig alle Siegchancen des 35-Jährigen. In der Ferrari-Box verfolgte der mächtige Fiat-Boss Sergio Marchionne, der in Kanada erstmals an der Strecke war, das Geschehen mit steinerner Miene.

Er sah auf dem Cirucit Gilles Villeneuve ein Rennen, das einer besseren Spazierfahrt für Hamilton glich. Schon nach 22 Runden überrundete er die ersten Kontrahenten. Mit seinem vierten Erfolg im siebten Grand Prix löste der Weltmeister nebenbei Nigel Mansell als britischen Formel-1-Piloten mit den meisten Führungsrunden (2090) ab. Vor allem aber schickte er ein deutliches Zeichen an alle Konkurrenten: Nach dem Strategiedesaster von Monaco ist der Brite zurück an der Spitze. Werden ihm nicht Fremdfaktoren zum Verhängnis, ist er kaum zu besiegen. Die Spannung im Titelkampf der Formel 1 steigert das nicht gerade.