Der Rücktritt Joseph Blatters ist ein Sieg für den Fußball – und er war längst überfällig. Dass sich der Fifa-Chef erst jetzt zu diesem Schritt durchgerungen hat, ist jedoch erneut ein Beispiel dafür, wie sehr er das Spiel mit der Macht versteht.

Wäre er nach Bekanntwerden des Korruptionsskandals noch vor der Wahl zurückgetreten, hätte es wie ein Schuldeingeständnis gewirkt und er wäre glanzlos, ja verurteilt bis in alle Ewigkeit abgetreten.

Mit seiner Wiederwahl vor vier Tagen hat er jedoch seinen Gegnern und Kritikern noch einmal seine Macht und die des Systems Blatter vor Augen geführt. Es war eine schallende Ohrfeige für alle, die nach Reformen gerufen, ja sogar WM-Boykotts ins Gespräch gebracht haben. Sogar in Deutschland wurde diese Möglichkeit diskutiert – im Land des Weltmeisters.

Zu sehr litt die Strahlkraft des Fußballs für Völkerverständigung und friedliche, weltumspannende Feste.

Jetzt, nach der Machtdemonstration, kann er sich gönnerhaft zeigen, Sätze sagen wie „Ich möchte nur das Beste für die Fifa.“ Und davon sprechen, dass der Weltverband „grundlegende Veränderungen“ nötig habe. Er selbst, so sagt er jedenfalls, sei in seinem harten Kampf für Veränderungen gescheitert. Und man könne so etwas nicht alleine machen.

So tritt er nun ab. Mit großen Sätzen. Nachfragen wie so oft nicht erlaubt.

Dieser „freiwillige“ Abgang war aus Blatters Sicht die einzige Möglichkeit, sich einigermaßen anständig aus der Affäre zu ziehen. Und er erhält sich zudem die Chance, als graue Eminenz im Hintergrund zu wirken. Ob mit Blatter auch die korrupten Strukturen verschwinden und es tatsächlich ein Sieg für den Fußball ist, wird sich zeigen. Ansonsten müssen wir alle in die Verlängerung.