Es existiert sogar schon eine Liste mit den Namen der potenziellen Gäste. Irgendwann soll gefeiert werden. Wann, das weiß Claudia Pechstein noch nicht. Aber die Berliner Eisschnellläuferin fühlt, dass sich ihr Weg durch die Instanzen irgendwann auszahlen wird. Dass sie es schafft, eine gerichtliche Rehabilitation zu erwirken für die Dopingsperre, die ihr der Eislauf-Weltverband ISU von Februar 2009 bis Februar 2011 auferlegt hatte. Ohne positive Probe, unter teilweise fragwürdigen Umständen.
Viele Sportler hätten das hingenommen, es tun müssen, weil sie keine andere Möglichkeit gehabt hätten. Pechstein aber ist zäh und kämpferisch, ihr Umfeld ebenso, dazu ausgestattet mit den nicht geringen finanziellen Möglichkeiten, die es braucht, um sich gegen die Institutionen des internationalen Sports zur Wehr setzen zu können.
Nach dem Urteil von München meldeten sich natürlich Kritiker zu Wort, der Sport hätte verloren in diesem Verfahren. Wie zynisch muss das klingen in den Ohren eines Menschen, dessen Existenz bedroht worden ist durch das Urteil der Sportgerichtsbarkeit? Soll sich ein Mensch selbst opfern, damit der Sport in seiner eigenen Welt einfach weiter machen kann und vielleicht weitere Existenzen gefährdet?
Weit entfernt von Schadenersatzansprüchen
Dass Pechstein die Energie aufbringen konnte, sechs Jahre lang bis zu diesem Tag durchzuhalten, verdient höchsten Respekt. Sie ist zwar noch weit entfernt von einem möglichen Schadensersatz für ein falsches Dopingurteil. Um dorthin zu gelangen, musste jedoch erst die größere Ebene angegangen werden, die Frage nach der Rechtmäßigkeit der im Sport angewandten Regeln.
In diesem Sinne kämpfte Pechstein nicht für sich selbst, sondern für alle Athleten. Mit dem richterlichen Ergebnis, dass die Sportler benachteiligt werden im derzeitigen Schiedssystem. Und zwar so sehr, dass die Neutralität des obersten Schiedsgerichtes des Sports, des Cas, fragwürdig erscheint.
In so ein System zu vertrauen, würde jedem Menschen schwerfallen. Sportler waren bislang dazu zwangsverpflichtet. Deshalb eröffnet das Urteil nicht nur Pechstein die Chance, um Schadensersatz zu streiten. Sondern vor allem fordert es auf, das System rechtsstaatlichen Prinzipien anzupassen, es so zu reformieren, dass sich Sportler nicht mehr ausgeliefert fühlen.
Freizügiger Umgang mit den Fakten
Gerade Pechstein war einer partiellen Willkür unterworfen vor dem Cas. Dort herrschte ein freizügiger Umgang mit Fakten, der sehr verbandsgesteuert wirkte. Der mehr Interesse an einer schnellen Verurteilung denn einer genauen Einschätzung der Sachlage orientiert schien. Dem sollte das Münchner Urteil zukünftig vorbauen.
Allein dies wäre ein herausragender Anlass für Pechsteins Party. Die soll aber erst steigen, wenn der Prozessmarathon durchgestanden ist.



