Fußball-WM 2014

Benedikt Höwedes soll Lionel Messi im Finale stoppen

Der Schalker galt als Schwachpunkt im deutschen Spiel, weil er die Aufgabe als Linksverteidiger nicht gewohnt ist. Dennoch setzt der Bundestrainer auf ihn, jetzt kommt aber die schwerste Prüfung.

Foto: Laurence Griffiths / Getty Images

Draußen hat der winterliche Regen Brasiliens nachgelassen, drinnen in einem großen weißen Zelt sitzt Benedikt Höwedes. Das Zelt befindet sich in unmittelbarer Umgebung des deutschen Mannschaftsquartiers in Santo Andre. Es ist der Ort, an dem sich die Nationalmannschaft aus ihrer Abschottung heraus an die Weltöffentlichkeit wendet. Zwei Tage sind es noch bis zum großen Finale dieser WM gegen Argentinien. Vorne auf dem Podium sitzt nun Benedikt Höwedes. Rotes Polohemd, blaues Auge.

Diese Szenerie so kurz vor dem Höhepunkt des Turniers mit Höwedes in einer der Hauptrollen traute sich vor diesem Turnier kaum jemand zu ersinnen. Der Profi von Schalke galt als einer, der mit ein bisschen Glück seinen Platz im 23er-Kader von Bundestrainer Joachim Löw würde ergattern können.

Tatsächlich aber ist alles anders. Höwedes, der gelernte Innenverteidiger, hat neben Philipp Lahm und Manuel Neuer alle Spiele über 90 Minuten bestritten – als Linksverteidiger. Am Sonntag im Finale von Rio de Janeiro wird er nicht nur dabei sein, sondern auch eine Schlüsselaufgabe zu erledigen haben: Auf seiner Abwehrseite treibt der mehrfache Weltfußballer Lionel Messi einen großen Teil seines Unwesens.

Nicht jeder traut ihm das zu. Aber das kennt er ja. Er lächelt. „Für mich ist das Wahnsinn. Wir stehen im Finale, da kann auch ich nicht alles verkehrt gemacht haben“, sagt er gelassen. „Derjenige, der mich als Schwachpunkt ausmacht, muss mir das erstmal erklären. Ich bin keiner, der für offensiven Schwung sorgt und Flanken schlägt, aber defensiv erfülle ich meine Aufgaben bislang.“

Kopfballstärke als Waffe

Genau deshalb bietet ihn Löw auf. Das war der Plan, den der Bundestrainer früher hatte als bislang gemeinhin angenommen. Dazu passt Höwedes’ Aussage, sich „die Frage nicht gestellt“ zu haben, ob er im Kader sein wird. Er wusste es mehr oder weniger. Und arbeitete nach einer Saison voller Rückschläge und Verletzungen an sich, um auf den Punkt topfit zu sein. Das ist er nun. Der Mann aus Haltern am See könnte am Sonntagabend an der Copacabana Weltmeister werden. Höwedes, der Aushilfsweltmeister.

„Die Spiele hier übertreffen vieles von dem, was ich bislang erlebt habe“, sagt er, „und das Finale wird der Höhepunkt sein.“ Mehr als 80.000 Zuschauer im Maracana, Argentinien gegen Deutschland, WM-Finale – und Höwedes mittendrin. Der Tag naht, an dem sich das geduldige Warten und Beantworten der Fragen gelohnt haben könnte.

Reizvolle Aufgabe

„Messi ist ein fantastischer Spieler“, blickt er voraus, „aber auch er ist Teil einer Mannschaft. Wir müssen die Zuspiele auf ihn verhindern, dürfen ihn nicht ins Spiel kommen lassen. Das wird eine reizvolle Aufgabe.“ Eine, die sich an dieser Stelle noch nicht erschöpft. Denn Teil des Plans mit Höwedes ist auch, sich seine Kopfballstärke zu Nutze zu machen. Gegen Ghana bereitete er den Ausgleich nach einer Ecke vor. Standards sind so gefährlich wie selten im deutschen Team, enge Spiele können so entschieden werden. Das Finale wird eng. „Wir trainieren das“, sagt Höwedes und schmunzelt, weil er sich dabei jüngst das leuchtende Blau unter dem Auge zugezogen hat: „Standards können eine Waffe sein.“ Zugespitzt: Höwedes kann eine Waffe sein. Es ist fraglich, ob das im Messi-Land jeder so genau weiß.