Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht das klare Veto der Bürger gegen eine Münchner Bewerbung als Rückschlag für die Idee der Olympischen Spiele in Deutschland. Das sagte Wowereits Sprecher Richard Meng am Montag.

Die Hauptstadt gilt als möglicher Kandidat für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele. Die Entscheidung gegen eine Winter-Bewerbung bedeute aber nicht zwangsläufig bessere Chancen für Berlin, sagte Meng. Es sei völlig offen, wann und ob sich Deutschland wieder für Sommerspiele bewerben werde. „Wenn es eine Grundsatzentscheidung dafür gibt, ist Berlin immer eine gute Option.“

Unter Sportfunktionären löste die klare Ablehnung am Montag Entsetzen und Enttäuschung aus - für manche ist Deutschland damit völlig aus dem Rennen, was olympische Spiele angeht. „Ich wüsste nicht, wer sich nochmal an das Thema rantrauen soll“, sagte Alpindirektor Wolfgang Maier mit Blick auf Winterspiele – und für Sommer-Olympia gilt das erst recht. „Das halte ich noch für zehnmal unwahrscheinlicher als eine Winter-Olympiade.“

Auch einen Tag nach der klaren Abfuhr beim Bürgervotum haderte Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch mit dem Aus der Winterspiel-Träume für 2022. „Klar ist das eine verpasste Chance, vor allem war es das jetzt mit Olympia in Deutschland. Da wird es keine Bewerbung mehr geben, das ist ja ganz klar nach so einem desaströsen Bürgervotum, dass das eben tot ist“, sagte die Skirennfahrerin.

„Olympische Spiele sind ein Geschenk“

Franz Beckenbauer sieht im verlorenen Bürgerentscheid der Olympia-Befürworter eine verpasste Möglichkeit für den Freistaat. „München, das Land Bayern haben eine große Chance vertan, sich in der Weltöffentlichkeit zu präsentieren“, sagte Beckenbauer am Montag bei der Jubiläumsveranstaltung seines Managements in Reith/Österreich. Olympische Spiele seien ein Geschenk, hob der „Kaiser“ hervor. „Das wird ihnen irgendwann leidtun.“

Man sollte vielleicht darüber nachdenken, ob ein Bürgerentscheid im Vorfeld sein müsse, meinte Beckenbauer. Fußball sei sicher etwas anderes als Wintersport und beschäftige das ganze Land, so der Ehrenpräsident des FC Bayern. „Aber ich wüsste nicht, wie eine Bürgerbefragung ausgehen würde, wenn wir uns für die Fußball-Weltmeisterschaft 2496 bewerben würden.“

„Keinen A... in der Hose“

Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG, fand drastische Worte: „Auf Deutsch gesagt: Die Bayern haben keinen Arsch in der Lederhose“, sagte Heinze am Montag. „Sie sind nicht bereit, das geringste Risiko einzugehen, um Dinge nach vorn zu bringen, die für ganz Deutschland so wichtig wären“, beklagte Heinze.

Der designierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann wertete das Bürgervotum als Rückschlag für den deutschen Sport. „Ich empfinde das Ergebnis als sehr schade für den deutschen Sport, der sich solidarisiert hat. Die Olympia-Bewerbung hätte uns mit Sicherheit geholfen, die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft noch besser zu verankern, aber es ist wie es ist. Das Leben muss auch ohne Olympia-Bewerbung weitergehen“, sagte Hörmann.

Der Chef des Deutschen Skiverbandes (DSV), der am 7. Dezember zum neuen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewählt werden soll, warnte allerdings vor voreiligen Schlüssen über künftige Olympia-Bewerbungen. „Wir müssen jetzt in aller Ruhe die Wahlergebnisse analysieren, bevor wir weitere Schritte unternehmen. Es ist noch viel zu früh, voreilig mögliche Strategien für künftige Olympia-Bewerbungen zu skizzieren.“

Einen möglichen Grund für die Niederlage bei allen vier Bürgerentscheiden sieht Hörmann in den zahlreichen Negativ-Schlagzeilen über das Internationale Olympische Komitee (IOC) und den Fußball-Weltverband (FIFA): „Rund um Sportgroßereignisse hat es in den letzten Wochen nicht unbedingt positive Schlagzeilen gegeben. Dafür können wir nichts, aber das hatte vielleicht auch mit dem Ergebnis zu tun.“

dpa/sid/alu