Eisschnelllauf

Pechstein-Prozess könnte Olympia-Vorbereitung stören

Der mit Spannung erwartete Schadenersatzprozesses wegen der Dopingsperre von Claudia Pechstein ist nach nur knapp drei Stunden vertagt worden. Erst Ende Januar 2014 soll es weitergehen.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Claudia Pechsteins jahrelanger Rechtsstreit über ihre zweijährige Sperre geht einmal mehr in die Verlängerung. Der mit Spannung erwartete Schadenersatzprozess der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin gegen ihren Welt- und Nationalverband ist am Mittwoch nach nur knapp drei Stunden vertagt worden. Die Vorsitzende Richterin Petra Wittmann räumte allen Parteien Zeit bis zum 20. November ein, um weitere Stellungnahmen und Schriftsätze einzureichen.

Erst am 29. Januar 2014 – also nur eine Woche vor Beginn der Winterspiele im russischen Sotschi – will das Landgericht München I bekannt geben, ob es sich für Pechsteins millionenschwere Klage gegen den Eislauf-Weltverband ISU und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) überhaupt zuständig sieht. Damit könnten die Vorbereitungen des deutschen Olympia-Teams beeinträchtigt werden.

Pechstein, die am Vormittag Hand in Hand mit ihrem umstrittenen Lebensgefährten Matthias Große erschienen war, zeigte sich zufrieden. „Es wird Zeit, dass die Märchenbücher mal zugeschlagen werden. Ich habe nie gedopt. Ich fühle mich im Moment fair behandelt. Ich habe das Gefühl, dass man sich mit meinem Fall beschäftigt und gehe erst einmal mit einem guten Gefühl heraus“, sagte die 41-Jährige, die ihren Dopingstempel loswerden will. Zudem verlangt sie laut Gerichtsangaben unter anderem Schadenersatz in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro.

„Grundrechte der Athletin mit Füßen getreten“

Pechstein war im Juli 2009 von der ISU anhand von Indizien und ohne Dopingnachweis „wegen Blutdopings“ rückwirkend vom 9. Februar 2009 für zwei Jahre gesperrt worden. Grund waren „abnormal überhöhte“ Retikulozytenwerte, die die Berlinerin später anhand von Gutachten mit einer genetisch bedingten Blutanomalie erklärte. Der in der Schweiz sitzende Internationale Sportgerichtshof CAS hatte ebenso wie das übergeordnete Schweizer Bundesgericht Pechsteins Sperre bestätigt.

Ihre Rechtsbeistände hinterfragen jedoch die Rechtmäßigkeit der Urteile. „Es kann nicht sein, dass ein deutscher Sportler nur noch vor einem dubiosen Schiedsgericht in der Schweiz prozessieren darf. Wir brauchen die Sportgerichtsbarkeit, aber wir brauchen Schiedsgerichte, die die Grundrechte nicht sterben lassen. In diesem Fall sind die Grundrechte einer deutschen Athletin mit Füßen getreten worden“, erklärte Pechstein-Anwalt Thomas Summerer, der 1996 bereits 1,2 Millionen D-Mark für die ehemalige Weltklasse-Sprinterin Krabbe erkämpft hatte. Pechstein sei so gut wie in die Pleite getrieben worden.

Pechstein will in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben

Ihre Argumente müssen Pechsteins Vertreter in den kommenden Wochen aber genauer begründen. Richterin Wittmann ließ durchblicken, dass sie das Vorgehen im CAS-Verfahren zumindest für fragwürdig erachtet. Der Klage Pechsteins gegen die DESG sprach Wittmann jedoch bereits sämtliche Erfolgsaussichten ab. „Ich sehe keine Handlungen, die der DESG vorzuwerfen wären“, sagte sie.

Grund sei, dass der nationale Verband lediglich die Vorgaben des internationalen Sportgerichtshofes CAS umgesetzt habe. Ob die ISU haftbar gemacht werden kann, bleibt abzuwarten. Wie auch Pechstein sieht sich der beklagte Weltverband im Recht. „Das Gericht ist weit davon entfernt zu sagen, es ist zuständig“, sagte ISU-Rechtsbeistand Dr. Dirk-Reiner Martens. Der Jurist räumte jedoch ein: „Alles ist möglich.“

Für Pechstein dürfte sich der Entscheid des Münchner Gerichts auch auf ihre nähere sportliche Zukunft auswirken. Die Berlinerin ist mittlerweile wieder in der Weltspitze angekommen und will im Februar in Sotschi ihre sechsten Olympischen Spiele erleben. „Die Doppelbelastung ist vom Kopf her natürlich schwierig“, sagte Pechstein.