Handball-WM

Deutschland startet dank starkem Heinevetter mit Sieg

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Nach holprigem Start besiegte das DHB-Team Brasilien im ersten WM-Spiel 33:23. Zwei Berliner machten dabei besonders auf sich aufmerksam.

Nach dem Spiel konnte Martin Heuberger erst einmal durchatmen: „Ich hatte vorher schon ein mulmiges Gefühl“, gab der Bundestrainer ehrlich zu. „Aber alles in allem war es dann ein ordentlicher Auftakt.“ Die Mannschaft von Heuberger bezwang zum Auftakt der Handball-Weltmeisterschaft in Spanien Außenseiter Brasilien im spanischen Granollers nach einer deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang deutlich mit 33:23 (12:10).

Bester Werfer in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beim achten Sieg im achten Spiel gegen die Südamerikaner war der Flensburger Steffen Weinhold mit sieben Toren. Durch den Erfolg setzte das deutsche Team eine stolze Serie fort. Seit 1974 ist die DHB-Auswahl in WM Eröffnungsspielen ungeschlagen. Mit einem weiteren Sieg am Sonntag (17.20 Uhr/ZDF) gegen Afrikameister Tunesien könnte die deutsche Mannschaft einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen.

Füchse-Keeper Heinevetter in Galaform

Der mit sechs WM-Debütanten angetretenen deutschen Mannschaft war die Nervosität von Beginn an deutlich anzumerken. „Wir haben uns anfangs sehr schwer getan“, erklärte Kapitän Oliver Roggisch. Besonders gegen die offensive 3:2:1-Deckung der kampfstarken Brasilianer fand die DHB-Auswahl zunächst kein Mittel. So nahm Heuberger beim 7:9 in der 20. Minute schon eine Auszeit.

„Wir müssen die Dinger reinmachen. Das ist das Hauptproblem“, sagte der Bundestrainer, der schon Mitte der ersten Hälfte munter durchwechselte. Angetrieben vom starken Berliner Torhüter Silvio Heinevetter (Roggisch: „Er war super“) und einer mit zunehmender Spieldauer sicherer stehenden Abwehr fand der Favorit vor 2700 Zuschauern nun etwas besser in die Begegnung. Zwei von Kevin Schmidt (Wetzlar) verwandelte Siebenmeter bescherten dem WM-Elften eine Zwei-Tore-Führung zur Pause.

Deutschland steigert sich nach der Pause

Nach dem Wechsel schwanden bei den Brasilianern etwas die Kräfte, die DHB-Auswahl nutzte die sich bietenden Räume besser. Zudem wurde die Chancenverwertung besser. Schnell setzte sich das deutsche Team ab (18:13/39.). In der Abwehr wurden die Bälle nun gut erkämpft, über Tempogegenstöße gelangen einfache Tore. Der Sieg geriet nicht mehr in Gefahr.

Am Rande des WM-Spiels, bei der er als Experte für die ARD im Einsatz ist, bestätigte Bob Hanning offiziell, dass er Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) werden will. „Ich werde den Mitgliedern im September meine Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Wenn sie gerne möchten, dass ich als Vizepräsident für den DHB arbeite und für sie arbeite, dann werde ich das gerne tun“, sagte der 44-jährige Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin.

Berlins Hanning will Bredemeier als Vizepräsident nachfolgen

Wie bereits von der Morgenpost gemeldet, will Hanning als Vizepräsident für Leistungssport Nachfolger von Horst Bredemeier werden. Der einstige Bundestrainer stellt sich auf dem Bundestag am 21. und 22. September in Düsseldorf nicht mehr zur Wiederwahl. Bei einer Wahl ins neue DHB-Präsidium würde Hanning seinen Posten als Vizepräsident des Ligaverbandes HBL abgeben. Allerdings will er Geschäftsführer der Füchse Berlin bleiben. Im September endet nach 15 Jahren auch die Amtszeit von Präsident Ulrich Strombach, der nicht mehr kandidiert. Ein möglicher Nachfolger ist noch nicht gefunden.

Der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand, selbst mit Hanning befreundet, meinte zur Entwicklung um den Berliner Manager: „Mir wären solche Diskussionen zu einem späteren Zeitpunkt eigentlich lieber gewesen.“ Nun gelte es, sich auf die WM zu konzentrieren. „Danach werden wir sehen, wie ein künftiges Präsidium aussehen kann. Dann können personelle Diskussionen geführt werden.“ Der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar würde Hanning als „Vize“ begrüßen: „Er würde dem deutschen Handball sehr gut tun.“

Bundestrainer Heuberger bekommt Rückendeckung

Hanning gab auch ein klares Bekenntnis für Heuberger als Bundestrainer ab. Im Vorfeld der WM war dieser bereits infrage gestellt worden. Was Hanning als „Unverschämtheit“ bezeichnete. Er verwies darauf, dass Heuberger „das verwaltet, was wir alle über die letzten Jahren beim DHB gemacht haben“. Von daher müsse man sich an die eigene Nase fassen.

„Man sollte es tunlichst vermeiden, gleich den anzugreifen, der mit jungen Spielern arbeitet.“ Mit dem Ergebnis des Spiels war der Berliner natürlich zufrieden: „Es war wie so oft in einem ersten Spiel bei einem solchen Turnier. Es fehlte noch der Rhythmus.“ Hanning lag mit seiner Meinung genau richtig: „Es ist noch eine Menge Luft nach oben.“

( BM )