Die Veranstalter kündigen Großes an. "Es gibt Football-Spiele und es gibt Football-Ereignisse. Beim German Bowl handelt es sich ohne Zweifel um letzteres", heißt es auf der Internetseite der German Football League (GFL).
Am Sonnabend spielen die Schwäbisch Hall Unicorns und die Kiel Baltic Hurricanes im Jahn-Sportpark um die deutsche Meisterschaft im American Football (18 Uhr, Eurosport 2/19 Uhr, Eurosport). Mit Cheerleadern, Marching Band und Hip-Hop-Show. Es ist der Höhepunkt für einen Sport, der, wenn nicht gerade Germanbowl ist, ein Nischendasein fristet.
Zwischen 1991 und 2007 war Football in Deutschland ein beachtetes Phänomen. Mit der World League (später NFL Europe und NFL Europa) installierten die Besitzer der amerikanischen Teams aus Werbezwecken ein Modell nach eigenem Vorbild. Mehrere deutsche Teams wurden aus dem Boden gestampft, darunter 1999 auch Berlin Thunder, das mit dem Ex-Herthaner Axel Kruse als Kicker dreimal den Titel gewann. Bis zu 10.000 Zuschauer lockte die Franchise-Truppe damals in den Jahn-Sportpark, mit dem Umzug ins Olympiastadion 2002 stieg diese Zahl. Genauso viele werden nun zum Germanbowl erwartet – allerdings nur, wenn es nicht regnet. Zu den gewöhnlichen Ligaspielen kommen im Schnitt nur 1600.
Kein Interesse an Deutschland
Fünf Jahre, nachdem die NFL Europa wegen Verlusten von einer halben Milliarde Euro den Spielbetrieb einstellte, will die GFL endgültig aus dem Schatten des großen Ex-Bruders treten. Im Verband überwiegt bis heute der Ärger über das Auftreten von damals. "Die NFL hat den deutschen Markt kaputt gemacht", sagt Robert Huber, Präsident des American-Football-Verbands Deutschland.
Während die Amerikaner ihre Idee vom "Football in Europe" durchzogen, kämpfte die GFL mit einem Etat, der so hoch war wie die Marketingausgaben der NFL allein. Und mit stagnierender Entwicklung. "Die Amis haben Volksbelustigung betrieben, aber nicht nachhaltig gearbeitet", sagt Huber. Oft wurden Profis aus Amerika importiert, die bei den europäischen Teams Spielpraxis sammeln sollten. Für die Arbeit der GFL interessierte sich niemand. Deutsche Talente wurden wenig gefördert.
Das soll sich ändern. Die Liga wähnt sich dabei auf einem guten Weg. "Wir wachsen in der Breite", sagt Huber. Seit 2007 hat sich die Mitgliederzahl auf 45.000 fast verdoppelt. Auch die Zuschauerzahlen steigen. Huber sieht seinen Sport bereits auf einer Ebene mit Basketball, Tischtennis und Volleyball. Die GFL setzt auf flächendeckende Jugendarbeit: Von den rund 190 Vereinen hat inzwischen jeder mindestens eine Nachwuchsmannschaft. Mit Markus Kuhn und dem Berliner Björn Werner sind zwei Deutsche als einzige Europäer Profis in den USA. "Der deutsche Football ist in Europa führend", findet Huber.
Nur ein kleines Taschengeld
Und doch sind Teams wie der diesjährige Finalist aus Schwäbisch Hall weitestgehend unbekannt. "Es hapert noch an Strukturen, Zuschauer und Sponsoren", sagt Unicorns-Sprecher Axel Streich, der den Einfluss der NFL von damals nicht so kritisch sieht: "Das hat schon zum Interesse an diesem Sport hier beigetragen."
Der Titelverteidiger, der im Halbfinale die Berlin Adler besiegte, beschäftigt nur Amateure. Ein Teil der Mannschaft sind Amerikaner, die es nach dem College nicht zu den Profis schafften. Ihnen zahlt der Klub die Wohnung und ein kleines Taschengeld. "Mehr ist nicht drin", sagt Streich. Mit 200.000 Euro arbeitet der Klub jährlich. Zum Vergleich: Peyton Manning von den Denver Broncos verdient pro Saison 18 Millionen Dollar.
Dazu ist Football ein aufwändiger Sport. Rund 50 Spieler gehören zu einem Team, die Ausrüstung ist teuer. Wer nicht klug wirtschaftet, dem kann es wie den Mönchegladbach Mavericks ergehen. Die Westdeutschen erreichten 2011 das Halbfinale – und mussten in der Saison darauf Insolvenz anmelden.


