Hektik wäre eigentlich die angemessene Reaktion gewesen bei all den Terminen, die auf Dirk Nowitzki bei seinem Besuch in Berlin warteten. Aber wo immer er war, wirkte er, als hätte er gerade nichts weiter vor. Von Eile keine Spur, als er am Freitagnachmittag die Redaktion von Morgenpost Online besuchte.
Dunkelblauer Trainingsanzug, ein breites Lächeln, ein warmes „Hallo. Schön, hier zu sein. Schafft ihr auch alle anständig?“ Die Redakteure im Newsroom lachten. So sieht einer aus, dem Spaß macht, was er da gerade tut.
Nowitzki saugte jede Minute seines Deutschland-Besuches auf, als speichere er gerade ein großes Fotoalbum ab. Mit den Dallas Mavericks einmal in der Heimat zu spielen, das war halt immer sein großer Traum.
Er ist es gewohnt, auf alles hinunter zu schauen, aber der Blick auf die Stadt aus dem 19. Stock des Verlagshauses faszinierte ihn. Nowitzki ließ sich erklären, wo einstmals die Mauer verlief.
Seine Begleiter hätten ihm wohl auch sagen können: Du musst von hier noch dorthin und da rüber und dann noch weiter. Scott Tomlin, der Medienbeauftragte der Mavericks, sagte jedenfalls: „Das einzige, was wir für Dirk nicht eingeplant haben, ist Schlaf.“
Empfang wie bei einem Staatsgast
Es waren wilde Tage für Deutschlands Vorzeigebasketballer, die in einem Duell mit Bundesligist Alba Berlin gipfelten, das gestern nach Redaktionsschluss stattfand. Die 14.500 Tickets dafür waren in nicht mal einer Stunde vergriffen.
Man hätte das Spiel getrost auch im Olympiastadion stattfinden lassen, das seit dem Pokalfinale nicht mehr komplett gefüllt war. Nowitzki hätte das geschafft, ohne Zweifel.
Sein Besuch in der Hauptstadt glich dem eines Staatsgastes. Zwar fehlte die Ehrenkompanie der Bundeswehr, alles andere aber erinnerte doch sehr daran. Standesgemäß waren die Mavericks am Donnerstag mit dem Team-eigenen Jet in Berlin gelandet.
Als der Bus vor dem Nobelhotel „Adlon“ direkt am Brandenburger Tor anhielt und der rote Teppich ausgerollt wurde, ahnten die Spieler, dass es in Berlin um mehr ging, als ein Basketballspiel zu gewinnen. „Da haben die Jungs ganz schön gestaunt“, sagte Nowitzki.
„Was machen die in meinem Land?“
Einen solchen Auftritt hatte sich Nowitzki immer gewünscht. Schon häufiger zog es Mannschaften der US-Liga NBA zu Galaspielen nach Deutschland. 2006 etwa spielten die Philadelphia 76ers in Köln gegen die Phoenix Suns, zwei Jahre später die New Orleans Hornets und Washington Wizards in Berlin.
Da habe er sich gefragt, so Nowitzki: „Was machen die in meinem Land? Das müssten doch eigentlich wir sein?“
Nach 1283 Spielen in 14 Jahren, in denen „The Big D“ mit 27.455 Punkten NBA-Legenden wie Larry Bird, Clyde „The Glide“ Drexler oder auch „Sir“ Charles Barkley hinter sich gelassen hat, nach seinem Aufstieg zum Champion und Weltstar, ist ihm dieser Wunsch nun erfüllt geworden. Nowitzki war deshalb in jedem Moment, trotz Jetlags, die Freude darüber anzumerken.
Er brachte Jessica, seine Frau, aus Dallas mit, die er erst im Sommer geheiratet hatte. „Das wollte sie sich hier nicht entgehen lassen.“ Auch die Familie reiste aus Würzburg an. „Das ist für uns alle ein Riesenevent.“ Viel dürften sie von ihm nicht gehabt haben.
Kaum ein unerfüllter Wunsch
Wohin er auch kam, Autogrammwünsche, beinahe Schritt für Schritt. „Können wir bitte ein Foto machen?“ Nowitzki erfüllte so viele Wünsche er konnte und blieb gelassen. Nervös wirkten nur die zahlreichen Hüter seiner Termine an seiner Seite, die dann nervös in ihre Handys flüsterten.
„Für mich ist es immer noch komisch, dass ich als Basketballer in Deutschland einen solchen Rummel auslöse“, sagte Nowitzki. „Das fasziniert mich und macht auch Spaß. Ich bin schon stolz, dass respektiert und akzeptiert wird, was ich über die Jahre geleistet habe.“
Gleich am ersten Tag weihte er bei Regen mit NBA-Commissioner David Stern einen Freiplatz im Berliner Bezirk Köpenick ein und stand den Berliner Kids Rede und Antwort. Er gab allein drei Pressekonferenzen und trainierte abends mit seinem Team.
Der Freitag war nicht weniger gedrängt. Training, Autogramme, Interviews. Als Überraschungsgast schaute er an einer Neuköllner Schule vorbei, spielte dort mit den Schülern Basketball und wirkte mindestens so begeistert dabei wie die Kinder.
Leise Töne nach Ehrung
Am Abend wechselte er seinen Trainingsanzug gegen einen Smoking in XXXL mit Fliege. Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland nutzte Nowitzkis Besuch in der Hauptstadt, um ihn mit dem „Transatlantic Partnership Award“ auszuzeichnen – eine Ehrung, die im Jahr zuvor Microsoft-Gründer Bill Gates zuteil wurde.
Ein „transatlantischer Brückenbauer“ sei er, einer, der „in Deutschland, den USA und weltweit als inoffizieller Botschafter Deutschlands umjubelt“ wird, hieß es in der Begründung. Und einer, der mit seinen beiden Stiftungen in den USA und Deutschland sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfe.
„Das ist schon komisch, wie ich als Sportler in die Riege der ehemaligen Preisträger reinpasse“, staunte Nowitzki. „Dass ich einen Ball in einen Korb werfen kann und damit so viele Leute begeistere, ist manchmal schwer zu verstehen. Natürlich ist das eine wahnsinnige Ehre für mich und ein komisches Gefühl zugleich.“ Leise Töne sind typisch für Nowitzki, so riesig er wirkt, so ist er nun mal.
Am Sonntagmittag endet das erste „Heimspiel“ Nowitzkis. Seine Frau Jessica fliegt dann zurück nach Dallas, die Familie seiner Schwester Silke und seine Eltern fahren ins heimische Würzburg.
Nowitzki wird mit seinem Team nach Spanien fliegen, wo er am Dienstag gegen den FC Barcelona antritt. Sein Terminkalender dort wird nicht ganz so gedrängt sein.











