Interview

Warum Nowitzki seinen Trainer zu Superlativen verleitet

Am Sonnabend spielt Dirk Nowitzki mit Dallas in Berlin. Für Trainer Rick Carlisle ist der deutsche Superstar mehr als ein Basketballspieler.

Foto: Larry W. Smith / dpa

Keine Woche mehr, dann werden am Sonnabend (20 Uhr) in der O2 World die Lichter ausgehen, der Hallensprecher wird seinen Namen sagen, und Dirk Nowitzki wird im Lichtkegel der Scheinwerfer zur Mitte des Spielfeldes joggen. Unter Ovationen, versteht sich. Seinem Gastspiel mit den Dallas Mavericks aus der NBA fiebert Basketball-Deutschland schon den ganzen Sommer entgegen. Deutschlands bester Basketballprofi wird mit einem Team gegen Alba Berlin antreten, das im Umbruch ist. Helden des Meisterschaftsjahrs 2011 wie Jason Kidd oder "Jet" Terry haben Dallas verlassen, Neue wie Nationalcenter Chris Kaman sind gekommen. Eines aber ist gleich geblieben: Nowitzki bleibt auch in der 15. Saison Dreh- und Angelpunkt seiner Mavs. Trainer Rick Carlisle (52), über seinen Star und den Besuch in der deutschen Hauptstadt.

Morgenpost Online: Was dürfen wir vom neuen Team rund um Dirk Nowitzki erwarten, Mister Carlisle?

Rick Carlisle: Ich bin mit der Zusammenstellung der Mannschaft sehr zufrieden. Wir mussten einige Spieler ersetzen, die sehr lange bei uns waren. Aber das passiert eben, es geht immer weiter, und man muss auch zu Veränderungen bereit sein. Das Positive an dieser Entwicklung ist, wir haben unsere Mannschaft verjüngt, gleichzeitig aber auch erfahrene Spieler im Team.

Morgenpost Online: Sie haben 2011 mit den Mavericks die erste Meisterschaft der Klubgeschichte gewonnen, ein Jahr später schieden Sie in der ersten Play-off-Runde aus. Was erwarten Sie in der kommenden Saison?

Rick Carlisle: Ich mag es nicht, beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Siegen als Vorgabe auszugeben. Unser Ziel ist es, uns vom ersten Training an stetig zu verbessern. Wir denken nicht so sehr an Resultate, sondern daran, wie wir uns weiter entwickeln, und so gehen wir jeden Tag neu an. Wenn wir täglich vieles richtig machen und besser werden, sind wir gegen Ende der Saison, wenn es ins Play-off geht, sicherlich in der Lage, einigen Schaden anzurichten.

Morgenpost Online: Nach der vergangenen Saison wollten Sie unbedingt Deron Williams verpflichten. Der aber kam nicht, worüber Ihr Superstar Dirk Nowitzki sehr enttäuscht war. Ging es Ihnen genau so?

Rick Carlisle: Ja, wir waren schon enttäuscht, aber es blieb nicht viel Zeit, der Sache nachzuhängen. Wir mussten uns schnell wieder dem Markt zuwenden, weil wir einige Spieler ersetzen mussten, die uns verlassen hatten. Deron ist ein guter Spieler. Dadurch, dass er nicht gekommen ist, hat sich unser Team sehr verändert. Man muss einfach in der Lage sein, sich sehr schnell neuen Bedingungen und Vorgaben anzupassen. Wir haben mit Darren Collison, Chris Kaman, O.J. Mayo und Elton Brand vier Spieler verpflichtet, die uns in jedem Fall helfen werden. Ich mag mein Team.

Morgenpost Online: In dem einer alle anderen um Längen überragt.

Rick Carlisle: Absolut. Dirk ist einer der Größten aller Zeiten. Wir alle wissen, was die Mavericks ihm zu verdanken haben. Er hat wieder den Sommer über hart trainiert, um mit hundert Prozent voll da zu sein, wenn wir loslegen. Auch er wusste ja, dass wir genau sechs Mal trainieren werden, bevor wir in Berlin unser erstes Spiel bestreiten werden.

Morgenpost Online: Was ist größer? Die Ehre, die NBA im Ausland repräsentieren zu dürfen oder das Bedauern, Zeit zu opfern, in der Sie vielleicht lieber trainieren würden?

Rick Carlisle: Diese Frage stellt sich mir nicht. Wir müssen uns ganz einfach, so wie sie sind, den Zeitplänen anpassen. Außerdem waren wir in den 14 Jahren, in denen Dirk für die Mavericks spielt, nie in Deutschland. Da ist es jetzt doch ein guter Zeitpunkt, diese Reise zu unternehmen, auf die wir uns übrigens alle sehr freuen. Mir ist sehr daran gelegen, dass wir den Besuch mit der entsprechenden Haltung angehen, die Dirk und all seinen Verdiensten Rechnung trägt. Dirk ist ja nicht nur einer der Mavericks, sondern einer der größten deutschen Athleten aller Zeiten. Wir kommen nach Europa, um zu gewinnen, das ist unser Job.

Morgenpost Online: Nowitzki wurde im Sommer 34 Jahre alt und hat mit den Mavericks noch zwei Jahre Vertrag. Denken Sie manchmal auch schon an die Nach-Nowitzki-Ära?

Rick Carlisle: Naja, man sieht doch immer in die Zukunft, vor allem, wenn man ein Team für die Gegenwart zusammenstellt. Wir wollten eine Mannschaft haben, die gut zu Dirk passt und Spieler verpflichten, mit denen Dirk gern zusammen spielt. Mit Chris Kaman hat Dirk beispielsweise bei den Olympischen Spielen in Peking zusammen gespielt. Beide haben eine positive gemeinsame Geschichte. Elton Brand passt zu den beiden sehr gut. Auch auf der Spielmacherposition haben wir nach einem jungen und schnellen Spieler gesucht und in Collison gefunden.

Morgenpost Online: Nowitzki hat nach dem Championship-Ring diesen Sommer noch einen zweiten Ring bekommen, den Ehering. Ist er jetzt ein anderer?

Rick Carlisle: (Lacht) Ich glaube, Dirk wird sich niemals ändern. Er ist einfach einer der besten Menschen, in dessen Nähe wir hier alle jemals sein durften. Ich weiß, dass er glücklich ist.

Morgenpost Online: Waren Sie auf der Party, die Dirk und seine Frau Jessica nach der Hochzeit für seine Freunde in Dallas gegeben hat?

Rick Carlisle: Ja, das war eine sehr schöne Party und ein wirklich ganz besonderer Moment, als beide hereinkamen. Jeder konnte sehen, wie glücklich die beiden sind.

Morgenpost Online: Was haben Sie den beiden geschenkt?

Rick Carlisle: Das verrate ich nicht. Aber es war etwas von der Geschenkliste, die die beiden zuvor herausgegeben haben (kichert). Dirk hat dafür übrigens ein unglaublich witziges, aber auch treffendes deutsches Pseudonym ausgesucht.

Morgenpost Online: Das amüsiert Sie noch immer - darf man mitlachen?

Rick Carlisle: Nein, das lasse ich lieber, denn ich bin mir nicht sicher, ob die Liste nicht noch immer offen ist.

Morgenpost Online: Der General Manager Ihres Klubs sagt, Dirk ist noch ein viel besserer Mensch als Basketballspieler. Was macht ihn für Sie so besonders?

Rick Carlisle: Dass er sich sehr für andere interessiert und sich kümmert. Wenn er nach dem Spiel, egal ob nach einem Sieg oder einer Niederlage, aus der Arena kommt und jemand will seine Hand schütteln oder ein Foto mit ihm, erfüllt er diese Wünsche und nimmt sich für jeden Zeit. Er macht das, weil er so ist, es ist sein Naturell, sein Charakter.

Morgenpost Online: Nowitzki wollte nicht zu den größten Spielern aller Zeiten gehören, die niemals Meister geworden sind. Mit der Championship 2011 ist er von dieser Last befreit. Wie sehr hat die Meisterschaft Ihr Leben verändert?

Rick Carlisle: Es war natürlich einzigartig, aber meine größte Befriedigung war, dass Dirk und auch Jason Kidd oder Jason Terry als wirklich große Spieler mit dem Meisterring belohnt worden sind.

Morgenpost Online: Wenn Sie hier gegen Alba Berlin und zwei Tage später dann auch noch beim FC Barcelona antreten, sind diese schon knapp zwei Monate im Trainingsprozess und somit eingespielt. Ihr Team hat dann gerade sechs Einheiten absolviert. Droht da vielleicht Ungemach?

Rick Carlisle: Wir rechnen mit harten Spielen. Ich erwarte in Berlin ein gutes Team und in Barcelona eines, das vielleicht noch ein wenig besser ist, mit einigen Spielern, die schon in der NBA gespielt haben. Wir gehen nicht davon aus, dass wir auf einer Vergnügungsreise sein werden. Beide Gegner werden sicher alles dafür tun, eine NBA-Mannschaft zu schlagen. Wir müssen diese Spiele mit Respekt angehen und mit der richtigen Einstellung aufs Parkett gehen.

Morgenpost Online: Und mit Dirk.

Rick Carlisle: Richtig, mit Dirk.