Erfolgreiches Debüt

Shaqiri legt einen perfekten Start bei Bayern hin

Bei seinem Debüt spielt der Schweizer groß auf. Ottmar Hitzfeld sieht in ihm gar den zweiten Scholl.

Foto: DPA

Die SMS verwandelte den Frechdachs für einen Moment in einen braven Jungen. Als Xherdan Shaqiri nach dem 4:0 (1:0) beim SSV Jahn Regensburg im Mannschaftsbus saß, griff der Zugang des FC Bayern zum Handy und öffnete die Textnachricht. Absender: Ottmar Hitzfeld, Nationaltrainer der Schweiz. Inhalt: „Glückwunsch zum Tor, weiter so!“ Shaqiri, der gern einen Spruch macht und seinen Sportwagen auch mal im Halteverbot parkt, schrieb sofort zurück. „Er hat sich artig bedankt“, erzählt Hitzfeld und lacht.

Es war eines der Spiele, die Bundesligamannschaften gar nicht mögen. Der Gegner ein Zweitligaklub, Temperaturen über 35 Grad, die Gefahr, sich zu blamieren. Zu glänzen ist da schwer. Shaqiri schaffte es. Und bekräftigte den Eindruck, den er in den sechs Wochen Vorbereitung zuvor gemacht hatte: Er ist eine Verstärkung und kann sich Hoffnung auf Einsätze von Beginn an machen – obwohl er mit Franck Ribery, Arjen Robben und Thomas Müller um einen Platz in der Startelf konkurriert.

„Er macht den FC Bayern variabler”

Nachdem Mario Mandzukic das 1:0 erzielt hatte, gelang Shaqiri mit seinem ersten Pflichtspieltor im Bayern-Trikot die Vorentscheidung: Der Schweizer Nationalspieler schlenzte den Ball per Freistoß aus rund 18 Metern ins Tor, danach bereitete er mit einem Pass das 3:0 von Mandzukic und mit einer Flanke das 4:0 von Claudio Pizarro vor. „Das lief perfekt“, so Shaqiri. Der FC Bayern hat ihn für rund zwölf Millionen Euro vom FC Basel verpflichtet. Viel Geld für einen 20-jährigen Schweizer, der gerade einmal 1,69 Meter groß ist. „Ich glaube, jeder hat gesehen, dass ich nicht nur der kleine Schweizer bin“, sagte Shaqiri und grinste spitzbübisch, wie er es so oft tut. Der ehemalige Bayern-Profi Mehmet Scholl schwärmt schon vor dem ersten Bundesligaspiel am Sonnabend bei Aufsteiger Greuther Fürth: „Jeder weiß, wie Ribery spielt. Jeder weiß, wie Robben spielt. Aber das ist neu. Er macht den FC Bayern variabler.“

Trainer Jupp Heynckes hat sich früh für den Transfer stark gemacht. Ihm gefallen Shaqiris Mut, seine Ideen, sein Spaß an dem unerwarteten Pass und die herausragende Technik. Sky-Experte Hitzfeld trainierte Scholl bei den Bayern und sieht in Shaqiri den Scholl 2.0: „Bei Mehmet wusstest du auch nie, ob er rechts oder links am Gegenspieler vorbeigeht. Bei Shaqiri kommt dazu, dass er eine unheimliche Kraft hat und körperlich stabiler ist als Mehmet zu Beginn seiner Karriere. Außerdem ist er mental enorm stark.“

Mit 17 Jahren erster Profivertrag

Shaqiri wurde im Kosovo geboren und zog mit seiner Familie als kleines Kind in die Nähe von Basel. Der Sport entwickelte sich schnell zu seinem Lebensinhalt, Shaqiri erkannte früh sein Talent und die Chance, damit seiner Familie zu helfen. Er teilte sich mit seinen Geschwistern ein Zimmer, die Kinder unterstützten den arbeitslosen Vater mit Geld aus Schülerjobs. Und dann ging es ganz schnell. Mit 17 der erste Profivertrag. Mit 18 das erste Tor. Mit 19 der erste Hattrick in der Nationalmannschaft. 2011 und 2012 Nationalspieler des Jahres. In der vergangenen Saison gewann er mit dem FC Basel die Meisterschaft und den Pokal und siegte in der Champions League 2:1 über Manchester United. Er ist der erste Schweizer Spieler bei den Bayern seit Alain Sutter (1994 bis 1995) und Ciriaco Sforza (2000 bis 2002), und von überzogener Zurückhaltung und Understatement hält Shaqiri nicht viel.

Wie oft geht er in den Kraftraum? Selten, sagt Shaqiri. Er sei schon immer kräftig gewesen. Als Thorsten Fink vom Hamburger SV noch den FC Basel trainierte, verglich er Shaqiri mit den Schildkröten aus der Zeichentrickserie „Teenage Mutant Ninja Turtles“. Die haben viele Muskeln, sind stark, mutig und die Idole der Kleinen. Shaqiri trägt keinen Panzer auf dem Rücken, aber bei den jungen Zuschauern ist er tatsächlich so beliebt wie früher die Turtles.