Boxen

Thompson spuckt vor Kampf gegen Klitschko große Töne

Im ersten Duell vor vier Jahren verlor Tony Thompson gegen Wladimir Klitschko – damals war er angeblich angeschlagen. Nun will er mehr.

Foto: REUTERS

Große Töne spuckt Tony Thompson (40) vor seinem Revanchekampf gegen Boxweltmeister Wladimir Klitschko (36) am heutigen Sonnabend (RTL, 22.10 Uhr) im Berner Stade de Suisse nicht. Der Schwergewichtler aus der US-Hauptstadt Washington wirkt vielmehr konzentriert und entschlossen, und er möchte den Titelträger der International Boxing Federation (IBF), World Boxing Association (WBA) und World Boxing Organization (WBO) nach sechsjähriger Regentschaft entthronen. Der US-Amerikaner hat 35 seiner 37 Profikämpfe (23 davon durch K.o.) gewonnen. Thompson, Kampfname „Tiger“, ist mit einer Körpergröße von 1,96 Meter und einem Gewicht von rund 115 Kilogramm ein recht stattlicher Schwergewichtler. Und einer mit Kampfgeist.

Morgenpost Online: Mister Thompson, seien Sie bitte ehrlich zu uns!

Tony Thompson: Was soll diese Bemerkung? Habe ich Sie mal belogen?

Morgenpost Online: Das lässt sich so nicht sagen.

Tony Thompson: Na also, worauf wollen Sie hinaus?

Morgenpost Online: Ganz einfach: Werden Sie diesmal verletzungsfrei in den Ring steigen, um nicht hinterher wieder eine Ausrede für Ihre Niederlage zu haben?

Tony Thompson: Warum provozieren Sie mich?

Morgenpost Online: Was heißt provozieren? Wir wollen nur wissen, ob Sie diesmal ohne gesundheitliches Handicap kämpfen können. Im ersten Duell vor vier Jahren konnten Sie angeblich ja nicht zeigen, was Ihnen steckt, weil Sie sich im Training den Meniskus im rechten Knie eingerissen hatten, wie Sie unlängst erzählten

Tony Thompson: Das war auch so, ob Sie mir das glauben oder nicht. Ich bin damals nur angetreten, weil es mein erster WM-Kampf war. Das Bein hätten sie mir abnehmen müssen, damit ich nicht in den Ring gehe.

Morgenpost Online: Also wird sich Klitschko diesmal richtig warm anziehen müssen? Immerhin haben Sie ihm schon damals trotz des lädierten Knies einen beherzten Kampf geliefert. Der Weltmeister selbst behauptet zu Recht, dass es die schwierigste seiner bislang elf Titelverteidigungen war.

Tony Thompson: Das ehrt mich aber. Wir werden sehen, was diesmal passiert. Ich töne jetzt nicht, dass ich diesmal garantiert gewinne. Die Klappe weit aufzureißen, ist nicht mein Ding. Was ich ihnen aber garantiere ist, dass ich ohne Scheu in den Kampf ziehen werde. Ich werde nicht darauf warten, dass er mir seinen Jab um die Ohren haut und mich mit seiner Rechten tötet. Ich werde nach vorn marschieren, ihn unter Druck setzen, werde versuchen, jede Runde zu gewinnen. Beim vergangenen Mal lag ich ja schon in einigen Runden vorn. Ich bin der einzige seiner Gegner, dem es gelang, ihn drei Runden lang von Runde zu Runde häufiger zu treffen. Auch insgesamt traf ich ihn mehr. Laut Statistik habe ich 150-mal getroffen, Klitschko nur 121-mal.

Morgenpost Online: Dafür schlug er Sie aber in der 11. Runde k.o.

Tony Thompson: Das ist Schwergewichtsboxen. Wenn du dich nicht bewegst und in der Schlaglinie stehenbleibst, ist eben Schluss. Sie können sich sicher sein, dass ich diese Lektion gelernt habe. Ich habe den Willen zum Sieg. Ich habe nicht den härtesten Punch, habe nicht den Adonis-Körper von Evander Holyfield, aber ich habe einen unbändigen Siegeswillen.

Morgenpost Online: Und Sie boxen in der für Klitschko unbequemen Rechtsauslage.

Tony Thompson: Dass ihm Rechtsausleger nicht liegen, war nicht nur in unserem ersten Kampf zu sehen. Denken Sie nur an Klitschkos Kampf gegen Corrie Sanders (8. März 2003 – d.R.), von dem er ausgeknockt wurde. Es wird spannend, das verspreche ich. Das Schwergewicht, wie es immer heißt, ist nicht tot. Ich werde meine Fans nicht enttäuschen.

Morgenpost Online: Haben Sie überhaupt welche?

Tony Thompson: In Deutschland und der Schweiz kaum.

Morgenpost Online: Für Amerika gilt das gleiche. Bei Ihrer Art zu boxen, schaltet doch keiner den Fernseher ein.

Tony Thompson: Ich bin kein Muhammad Ali, das stimmt. Ich bin auch keiner, der mit extrovertiertem Verhalten auffällt. Ich habe sieben Kinder, die versorgt werden wollen. Ich bin nun mal ein großer, etwas ungelenker, unorthodoxer Fighter. Das Interesse an mir wird sich schlagartig ändern, wenn ich Klitschko besiege und als Weltmeister nach Hause komme.

Morgenpost Online: Als bislang letzter Amerikaner wurde Shannon Briggs 2006 Weltmeister.

Tony Thompson: Es ist also Zeit, dass sich im Schwergewicht etwas ändert. Die ganze Boxwelt wartet doch darauf. Im Schwergewicht gibt es eine brennende Frage: Wer besiegt als Erster einen Klitschko? Wladimir ist ein überragender Champion. Er ist seit 2004 in 15 Kämpfen unbesiegt. Ich habe die ganz großen Kaliber noch nicht besiegt, doch jetzt möchte ich beweisen, dass ich dazu in der Lage bin.

Morgenpost Online: Als 40-Jähriger in Ihrem zweiten WM-Kampf wäre das sensationell.

Tony Thompson: Ich habe mir das erneute Herausforderungsrecht mit fünf K.o.-Siegen in Folge redlich verdient. Mit 40 Jahren bin ich auch nicht zu alt, das unmöglich Erscheinende möglich zu machen. Ich habe ja erst mit 27 Jahren angefangen zu boxen, bin also körperlich noch unverbraucht. Mit ist aber klar, dass dies meine letzte Chance auf einen Titelgewinn ist. Deshalb habe ich in der Vorbereitung nichts dem Zufall überlassen. Beispielweise bin ich wegen der Zeitumstellung diesmal auch schon zweieinhalb Wochen vor dem Kampf nach Europa gekommen.

Morgenpost Online: Und werden Sie nun verletzungsfrei in den Kampf gehen?

Tony Thompson: Schauen Sie ihn sich doch an, dann werden Sie es sehen!