Morddrohung gegen Boxer

Huck hat vor allem Angst um seine Familie

Profiboxer Marco Huck hat in seiner Fanpost eine Morddrohung vorgefunden. Jetzt überschattet sie seinen WM-Kampf gegen Alexander Powetikin. Im Interview mit Morgenpost Online spricht Huck über Sicherheitsvorkehrungen und seine Chancen, als erster Deutscher seit Max Schmeling Schwergewichtschampion zu werden.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Nach den skandalösen Vorfällen rund um den WM-Kampf zwischen Vitali Klitschko und Dereck Chisora gerät das Profiboxen erneut in Verruch. Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck soll vor seinem Schwergewichts-Debüt am Sonnabend in Stuttgart (22.15 Uhr/ARD) gegen den Russen Alexander Powetkin mit der Fanpost eine Morddrohung erhalten haben. Laut Huck versucht die Polizei am Speichel, mit dem der Brief verschlossen wurde, DNA-Spuren zu finden. Die Anzahl der Sicherheitskräfte, insbesondere am Weg zum Ring, wurde daraufhin verdoppelt.

Morgenpost Online: Herr Huck, können Sie sich überhaupt noch aufs Boxen konzentrieren nach Erhalt des Drohbriefes?

Marco Huck: Ich hätte nie geglaubt, dass mir so etwas mal passieren kann. Ich nehme die Geschichte ernst, aber ich ändere deswegen nicht mein Leben. Ich habe mein Trainingslager ohne besondere Sicherheitsmaßnahmen durchgezogen. Es hat ja nur diesen einen Drohbrief gegeben.

Morgenpost Online: Sie wohnten während der Kampfvorbereitung in einem geheim gehaltenen Hotel. Doch Ihre Frau, Eltern und Geschwister, die im Drohbrief ja auch erwähnt und bedroht wurden, blieben in Ihrer Berliner Villa. Wie sehr fürchten Sie sich auch um Sie?

Marco Huck: Mehr als um mich jedenfalls. Die Familie ist die Nummer eins, noch vor dem Boxen. Jeder hat das Recht, mich nicht gut zu finden. Das darf auch jeder sagen, aber was hat eigentlich meine Familie oder mein Trainer damit zu tun? Natürlich hoffe ich, dass das irgendwer ist, der sich wichtig machen will und die Sache sich von selbst erledigt.

Morgenpost Online: Wir können kaum glauben, dass Sie selbst keine Angst haben.

Marco Huck: Natürlich ist das nicht einfach für mich. Man muss sich nur mal in meine Lage versetzen. Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens, habe viele Termine. Da weiß man nie, wer neben einem steht.

Morgenpost Online: Und bereuen Sie nun, dass Sie es verbal gewaltig haben krachen lassen? Ihnen wurde im Drohbrief ja auch Protzerei vorgeworfen.

Marco Huck: Ich muss mich als Weltmeister im Cruisergewicht doch nicht verstecken. Und es darf mir doch keiner übelnehmen, wenn ich fest davon überzeugt bin, künftige Gegner besiegen zu können. Und ganz konkret: Um gegen einen Klitschko boxen zu dürfen, muss ich Powetkin besiegen. Er ist die Durchgangsstation.

Morgenpost Online: Sie hätten den Kampf abwarten können. Jetzt müssen Sie mit Spott rechnen, wenn etwas schiefgeht.

Marco Huck: Das ist mir egal.

Morgenpost Online: Wirklich?

Marco Huck: Wirklich. Im Alltag prahle ich auch nicht mit meinem WM-Titel. Aber im Sport bin ich stolz auf meine Leistung. Soll ich denn sagen, dass ich verlieren will?

Morgenpost Online: Stört es Sie, dass Powetkins Weltmeistergürtel des Verbandes WBA dem Superchampion Wladimir Klitschko gehört?

Marco Huck: Ich mache die Regeln nicht. So wie es ist, kämpfe ich um eine WM. Das zählt. Und wenn es Zweifel gibt, kann ich ja versuchen, sie gegen Wladimir auszuräumen.

Morgenpost Online: Sie haben vorsichtshalber beide Klitschkos auf Ihrem Wunschzettel.

Marco Huck: Wer vom Schwergewicht redet, redet doch automatisch von den Klitschkos. Als Sportler willst du an die Spitze. Genau da sind die Klitschkos. Sie sind das Maß.

Morgenpost Online: An dem sich viele verhoben haben. Warum soll Ihnen die Überraschung glücken?

Marco Huck: Im Gegensatz zu vielen anderen Boxern, die sich in die Hose gemacht haben, wenn sie gegen einen Klitschko kämpfen sollten, glaube ich daran, dass ich die beiden Brüder im Ring überraschen kann. Sie sind nicht unverwundbar. Dereck Chisora hat es gezeigt.

Morgenpost Online: Und dennoch verloren.

Marco Huck: Also muss der Gegner noch ein bisschen mehr investieren.

Morgenpost Online: Das hat er ja nach dem Kampf getan.

Marco Huck: Ich will da nicht viel zu sagen, aber er hat einfach keinen Respekt.

Morgenpost Online: Haben Sie Respekt vor Powetkin und den Klitschkos?

Marco Huck: Selbstverständlich, weil ich weiß, wie schwer es ist, das zu erreichen, was sie erreicht haben. Alexander Powetkin ist technisch richtig gut. Er hat alles gewonnen, was es gibt. Er war Amateurweltmeister, ist Olympiasieger und Profiweltmeister. Und die Klitschkos haben Boxgeschichte geschrieben. Das spricht für sich. Unbesiegbar sind die Drei trotzdem nicht.

Morgenpost Online: Geht Ihr Ausflug ins Schwergewicht schief, können Sie als Weltmeister ins Cruisergewicht zurückkehren.

Marco Huck: Ich habe ja schon gesagt, ich mache die Regeln nicht. Alles, was ich im Boxen erreicht habe, beruht auf Fleiß.

Morgenpost Online: Sie haben sich einen neuen Namen zugelegt. Ihr richtiger ist Muamar Hucic.

Marco Huck: Es ist eben ein Künstlername. Ich bin Deutscher geworden und lebe gern hier, weil ich dem Land viel zu verdanken habe. Ich weiß nicht, wo ich jetzt ohne das Boxen stünde. Ich habe beim Sport Disziplin gelernt, die mir als Junge gefehlt hat. Ich habe gemerkt, dass ich mich tierisch anstrengen muss, wenn ich Erfolg haben will. Für mich hat sich das gelohnt. Ich verdiene viel Geld. Mein Vater hat sich auch gewaltig angestrengt, um unsere Familie durchzubringen. Er hat nicht viel Geld bekommen und es trotzdem geschafft. Das ist meine Motivation, wenn ich mich schlecht fühle.