Nach Prügel-Eklat

Ermittlungen gegen Boxer Chisora und Haye laufen

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Während gegen die beiden britischen Skandalboxer Chisora und Haye nach ihrer Prügelei ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München läuft, denkt Weltmeister Vitali Klitschko schon wieder über ein Rematch nach.

Die deutschen Strafverfolger sitzen Dereck Chisora und David Haye weiter im Nacken – Vitali Klitschko kann sich vorstellen, mit den britischen Skandalboxern im Ring abzurechnen. Der Ukrainer will nach auskurierter Schulterverletzung noch im Frühsommer wieder boxen.

"Mein Verstand sagt mir, dass ich ein Rematch nicht benötige. Aber mein Ego, mein tiefes, inneres Ich sagt mir ganz deutlich, dieser Mann braucht von mir noch eine richtige Bestrafung“, sagte Vitali Klitschko der Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstag) über ein neuerliches Duell mit Chisora. Für Haye gelte das Gleiche, ergänzte der ältere der beiden Weltmeister-Brüder.

Der Manager der beiden Klitschko-Brüder bringt angesichts der skandalösen Vorfälle am Rande der erfolgreichen Titelverteidigung gegen Chisora am vergangenen Samstag in München Verständnis für den alten und neuen WBC-Champ auf. „Natürlich ist Witali emotional betroffen. Aber so ein Kampf ist kein Thema, wir werden Chisora keine weitere Plattform bieten“, führte Bönte aus.

Auch aus einem anderen, ganz einfachen Grund könne es nicht zu einem zweiten Duell Vitali Klitschko gegen Chisora kommen. „Im nächsten Monat findet in London eine Anhörung statt. Dann wird er sicher neun bis zwölf Monate gesperrt. Zudem fällt er nach der Niederlage aus den Top 15 der WBC-Rangliste raus und müsste sich erst wieder hochboxen“, sagte Bönte. Erste Priorität habe nun erst einmal, dass Vitali Klitschko seinen Sehnenanriss in der Schulter ausheile. „Jetzt stehen sechs, sieben Wochen konservative Behandlung sowie Reha in Hamburg und Kiew an. Dann werden wir weitersehen“, sagte Bönte.

Zudem sei noch offen, wie lange Witali überhaupt noch boxe. Klitschko tritt in diesem Jahr bei der Bürgermeisterwahl in Kiew an. Er hatte angekündigt, bei einem politischen Sieg die Box-Handschuhe sofort an den Nagel zu hängen. Dann bliebe nur noch die Möglichkeit, dass sich sein Bruder Wladimir des Falles Chisora annehme. „Das könnte ich mir schon eher vorstellen“, sagte Bönte dazu. Wladimir Klitschko war von Chisora unmittelbar vor dem Kampf seines Bruders im Ring mit Wasser bespuckt worden und hat damit auch noch eine persönliche Rechnung mit dem Briten offen.

Ermittlung wegen Körperverletzung

Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte derweil mit, dass sie nach der Prügelei des früheren Weltmeisters Haye mit Landsmann Chisora am vergangenen Wochenende ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet hat.

Offen ist indes noch, gegen welchen der beiden Briten sich das Ermittlungsverfahren richten wird. „Wir versuchen, die Geschehensabläufe zu klären, und dann schauen wir, wer wofür verantwortlich ist“, sagte Sprecher Thomas Steinkraus-Koch am Dienstag. Weil der Tatort in München liege, sei die Münchner Staatsanwaltschaft zuständig. Es gebe derzeit keine Veranlassung, das Verfahren nach Großbritannien abzugeben.

Die beiden britischen Profiboxer hatten sich in der Nacht zum Sonntag bei der Pressekonferenz nach Vitali Klitschkos Sieg über Chisora eine heftige Schlägerei geliefert. Chisora war deswegen am Sonntag kurz vor seinem geplanten Heimflug noch in der bayerischen Landeshauptstadt festgenommen und von der Polizei verhört worden.

Haye hingegen reiste schon am frühen Morgen zurück auf die Insel und kam einer Festnahme somit zuvor. Dem Pranger in der Heimat aber nicht. „Vom Posterboy zum hässlichen Gesicht seines Sports: Der dramatische Niedergang des David Haye“, titelte die „Daily Mail“. Von den Sportseiten sind die beiden Boxer praktisch verschwunden und auf die Boulevardschiene abgeschoben worden.

Chisora droht einjährige Suspendierung

"Ich bin selbst völlig entsetzt und finde es genauso schlimm wie alle anderen. Der Sport braucht so etwas nicht, und wir auch nicht“, sagte Chisoras Manager Frank Warren bei Sky Sport News. Der britische Verband British Boxing Board of Control lud Chisora für den 14. März zu einer Sondersitzung vor und will dann über Sanktionen beraten. Ihm droht eine einjährige Suspendierung. Haye besitzt keine Boxlizenz mehr. Die würde der 31-Jährige Ex-Weltmeister für den Fall wieder beantragen, dass er gegen Vitali Klitschko antreten dürfte. Der ist auch einer Revanche gegen Chisora nicht abgeneigt.

Der 40 Jahre alte Ukrainer wird nach seiner Verletzung möglicherweise schneller als erwartet in den Ring zurückkehren. „Nach der heutigen Diagnose wäre sogar ein Kampf vor der Fußball-EM noch möglich. Aber das muss ich mit meinem Trainer Fritz Sdunek besprechen“, sagte der WBC-Schwergewichtschampion der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Klitschko hatte sich im Duell gegen Chisora am vergangenen Samstag in der vierten Runde eine Schulterverletzung zugezogen, aber dennoch klar nach Punkten gewonnen.

( SID/dapd/nbo )