Stuttgart-Manager

Der Schwabe Bobic will wieder Emotionen verkaufen

Manager Fredi Bobic und Trainer Bruno Labbadia planen die Zukunft des VfB Stuttgart. "Immer unter den ersten Sechs der Liga" ist die Zielsetzung der Schwaben.

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Sein Gang ist etwas watschelig, denn Fredi Bobic hat schlimmen Muskelkater. Das kann in einem Trainingslager zwar vorkommen. Weil Bobic aber Manager des Bundesligavereins VfB Stuttgart und eben nicht mehr Spieler ist, erstaunt es schon ein wenig.

Bobic setzt sich auf den Rücksitz eines Golfkarts und erzählt die Geschichte von der Personenwaage, die er gleich nach seiner Spielerkarriere weggeworfen habe. Endlich nicht mehr auf das Gewicht schauen – er feierte das als Erlösung. Weil er seither aber sechs Kilogramm zugenommen hat, legt er sich im Trainingslager der Stuttgarter im türkischen Badeort Belek selbst noch mal ins Zeug. „Mein täglicher Kampf“, sagt er.

Bobic ist immer ein Kämpfer gewesen, als Spieler und jetzt als Manager. Das hat ihm viel Respekt eingebracht, und deswegen will ihn der Verein halten. Präsident Gerd Mäuser reiste am Montag nach Belek, um die vorzeitige Vertragsverlängerung auf den Weg zu bringen.

Vertragsverlängerung als Formsache

Der laufende Kontrakt mit Bobic endet im Sommer, die Unterzeichnung des neuen Vertrages gilt als Formsache, doch vorsorglich hat sich gerade noch mal Trainer Bruno Labbadia für Bobic stark gemacht. Nötig wäre es wohl nicht gewesen, denn dessen Wertschätzung im Verein drückt sich auch in der Vertragslaufzeit aus. Statt wie bislang zwei Jahre soll der 40-Jährige für die nächsten vier Jahre gebunden werden. Zu behaupten, dass er damit die Zukunft des VfB Stuttgart verkörpert, ist wohl nicht übertrieben.

Seinen Stempel hat er dem Klub ohnehin schon aufgedrückt. Er stellte von unten bis oben alles auf den Prüfstand, vom Jugendbereich bis zu den Profis. Er hat sich von altem Personal getrennt, neues angestellt , Strukturen verändert und neu aufgebaut.

Er war nie um eine Entscheidung verlegen und auch als Spieler schon ein Mann der klaren Worte – Schiedsrichter Hans-Jürgen Kaspar hat er nach einem Spiel mal öffentlich als Bratwurst bezeichnet. Bobic spricht verdammt schnell, und in diesem Tempo krempelte er auch den Klub um.

Labbadia ist in den eineinhalb Jahren seiner Amtszeit der dritte Trainer. Beide stemmten sich in der vergangenen Saison mit Erfolg gegen den Abstieg, nun ist ihr Team Tabellenachter, und im Viertelfinale des DFB-Pokals empfangen die Stuttgarter Anfang Februar den FC Bayern München .

Der Start von Bobic als Manager des VfB Stuttgart misslang, es wurden bereits Zweifel an ihm laut. Labbadia zu wählen, das aber war so etwas wie sein Meisterstück. Als er den Trainer Anfang Dezember 2010 kontaktierte, um ihm den Job schmackhaft zu machen, soll selbst Labbadia überrascht gewesen sein.

Seine Kapitel bei Bayer Leverkusen und beim Hamburger SV hatte er unrühmlich abgeschlossen, und es kursierten üble Geschichten. Bobic aber traute sich, und das Experiment gelang. Bobic sagt, das sei „keine Kumpelei“, er und Labbadia sehen sich als Kollegen. Weil der eine den anderen aber machen lässt und sich nicht in dessen Bereiche einmischt, haben sie eine gute Basis gefunden.

Loyal zum Trainer

Überdies rechnet Labbadia dem Manager hoch an, dass er selbst in schwierigsten Phasen loyal war und ihm den Rücken freihielt. Denn als sich in der Endphase der vorigen Saison der Stuttgarter Kampf ums Überleben in der Bundesliga durch die Niederlage gegen Kaiserslautern zuspitzte, sollte Bobic handeln.

Er erzählt, er habe das Gefühl gehabt, alle um ihn herum wollten von ihm eine Entscheidung: „Sie wollten mich als Scharfrichter sehen.“ Bobic aber bewahrte Ruhe: „Wo alle die Keule gefordert haben, habe ich den Samthandschuh heraus geholt. Und als alle kurz zufrieden waren, gab’s die Keule.“

Bobic zehrt viel von seinen Erfahrungen als Spieler. Er bildete Anfang der 90er-Jahre beim VfB Stuttgart zusammen mit Giovane Elber und Krassimir Balakow „das magische Dreieck“, wurde 1996 Torschützenkönig und 2002 Meister mit Borussia Dortmund. Er musste aber auch durchleben, dass er später als „tragisches Eineck“ tituliert wurde, weil er nicht mehr traf und mehrmals im Abstiegskampf stand.

Er hat damals schon analysiert, was gut und schlecht in solchen Phasen ist, und seine Schlüsse gezogen. „Ich bin wie die tonnenschwere Metallkugel, die in diesem hohen Wolkenkratzer in Taiwan hängt, um bei einem Erdbeben die Schwankungen ausgleichen zu können. Du darfst nicht fallen. Denn wenn du fällst, bricht alles zusammen“, sagt Bobic.

Für die Zukunft schwebt Bobic ein Klub vor, der „von unten bis oben stabil ist und immer unter den ersten Sechs der Liga vertreten ist“. Kein leichtes Unterfangen, denn er ist durch das Diktat von Präsident Mäuser zum Sparen gezwungen.

Aber er macht das Beste daraus, seine Transferbilanz kann sich sehen lassen. Er hat verinnerlicht, worum es geht, ist da ganz Schwabe. „Das bedeutet nicht sparen, sondern clever mit dem Geld umgehen und einen sauberen Haushalt vorweisen.“

Verkauf von Emotionen

Es gab schon mal eine Phase, in der der Klub wegen des Mangels an Geld auf junge Spieler aus den eigenen Reihen setzte – und 2007 Meister wurde. „Der Verkauf von Emotionen, da müssen wir wieder hinkommen. Jeder kennt den VfB, hat ein bisschen Respekt, aber so richtig greifen kann er ihn nicht“, sagt Bobic.

Das alles wird Geld kosten, er wird in seinen Vertragsverhandlungen darum ringen: „Es ist wie im Bereich Forschung und Entwicklung. Hinterher kommst du mit einem Fertigprodukt raus.“ Es klingt nach einer guten Zukunft für den Klub.