Hertha-Stürmer

Pierre-Michel Lasogga träumt von EM-Teilnahme

Hertha-Publikumsliebling Pierre-Michel Lasogga spricht im Interview mit Morgenpost Online über Freiheit, die Nationalmannschaft und Vergleiche mit Gerd Müller.

Nur den großen Gerd Müller hat Pierre-Michel Lasogga nicht einholen können. Ehe der beste Torschütze der Bundesliga-Geschichte 20 Jahre alt war, hatte er in seinem ersten Dutzend Spiele sieben Tore erzielt, Lasogga gelangen nur deren sechs. Ein lässlicher Makel in der noch jungen Karriere des Angreifers von Hertha BSC, der am Donnerstag seinen 20. Geburtstag feiert.

Morgenpost Online: Herr Lasogga, wie fühlt sie sich an, die Zahl „20“?

Pierre-Michel Lasogga: Ehrlich gesagt, fehlt mir die „1“ vorn dran schon jetzt. Beim zehnten Geburtstag hatte ich mich richtig auf sie gefreut, jetzt bei der „2“ ist das schon anders.

Morgenpost Online: Andererseits haben Sie, wenn alles gut läuft und Sie gesund bleiben, noch 15 oder sogar mehr Jahre als Profi vor sich.

Lasogga: Ich weiß auch wirklich jeden Tag zu schätzen. Ich bin stolz, dass ich es gepackt habe, mit 18 sofort ins Profigeschäft einzusteigen.

Morgenpost Online: Als Stürmer spielen Sie Fußball, um Tore zu schießen. Beschreiben Sie mal das Gefühl, wie es ist, wenn der Ball im Netz zappelt. Was spüren Sie da, woran denken Sie?

Lasogga: Ich denke da an gar nichts. Wenn ich ein Tor geschossen habe, dann explodiere ich innerlich. Dann gehen alle Lichter aus bei mir im Kopf, dann ist das wie ein Gefühl von Freiheit, für das ich die ganze Woche hart gearbeitet habe. Es ist ein geiles Gefühl, die 60.000 zu sehen und zu hören, wie sie deinen Namen rufen, weil du das Tor gemacht hast.

Morgenpost Online: Wenn Sie sich im Nachhinein jubeln sehen – schmunzeln Sie manchmal über das, was Sie da aus der Emotion heraus so produzieren, oder schämen Sie sich?

Lasogga: Nein, ich schäme mich nicht. So ist der Typ Pierre Lasogga. Ich bin auf dem Platz eben ein bisschen durchgeknallt; dafür spiele ich Fußball: um mich auszutoben.

Morgenpost Online: Außerhalb des Platzes sind Sie erstaunlich kontrolliert.

Lasogga: Ich sehe auch keinen Grund, wieso ich es nicht sein sollte. Ich weiß, dass ich im Training alles geben muss, um am Wochenende meine Leistung bringen zu können. Dafür brauche ich diesen klaren Kopf und die Ruhe, die ich wirklich habe. Deshalb bin ich außerhalb des Platzes bodenständig und konzentriere mich nur auf meinen Job. Ich habe schon früh festgestellt, dass Fußball alles ist in meinem Leben.

Morgenpost Online: Träumen Sie auch von Fußball?

Lasogga: Das geschieht eher selten. Aber ich nehme mir unsere Spiele auf, um daraus zu lernen. Manchmal sind ja auch paar schöne Momente dabei.

Morgenpost Online: Denken Sie dann, cool, gleich treffe ich?

Lasogga: Es ist schon noch mal ein geiles Gefühl auf der Couch, weil ich dann auch sehe, wie die Fans in der Kurve explodieren, wenn der Ball im Tor ist, und höre, was der Kommentator dazu sagt. Es ist extrem witzig, wenn du das ein paar Tage später noch mal in so einer Form erlebst.

Morgenpost Online: Ihr erstes Halbjahr in der Bundesliga liegt fast hinter Ihnen – wie fällt da Ihr Urteil aus?

Lasogga: Ich kann sagen: Mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Es gibt nichts Aufregenderes für einen jungen Spieler, als wirklich auf dem Platz stehen und gegen Spieler spielen zu dürfen, gegen die ich vor zwei, drei Jahren nur auf der Playstation gespielt habe. Jetzt erlebe ich sie hautnah – und sehe, dass ich gar kein so Schlechter bin (lächelt).

Morgenpost Online: Einen Spieltag vor Ende der Hinserie stehen Sie bei sechs Treffern. Sind Sie damit zufrieden?

Lasogga: Als Stürmer willst du ja immer das Maximum erreichen – und ich weiß noch nicht, wo das Maximum ist. Nichtsdestotrotz bin ich sehr zufrieden, wie die Hinrunde verlaufen ist, weil ich ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft bin und ihr mit meinen Toren helfe.

Morgenpost Online: Was löst die Statistik in Ihnen aus, dass von 19-Jährigen in der Fußball-Bundesliga in den ersten zwölf Spielen nur Gerd Müller mit sieben Toren mehr Treffer erzielt hat als Sie?

Lasogga: Natürlich mache ich mit Freunden mal ein Witzchen darüber, dass nur Gerd Müller besser war. Aber schlussendlich will ich ja nicht bei sechs Toren stehen bleiben, sondern noch viele mehr schießen. Wenn ich am Ende meiner Karriere mal sagen kann, dass nur Gerd Müller mehr Tore geschossen hat – dann kann ich behaupten, dass ich eine Menge geschafft habe (lacht).

Morgenpost Online: Welche Emotion würde es bei Ihnen auslösen, wenn sich am Telefon eine Stimme meldet und sagt: „Hier spricht Joachim Löw“?

Lasogga: (zögert) Es ist für jeden deutschen Spieler ein Traum, für sein Land spielen zu dürfen. Ich darf das jetzt schon in der U21, da ist sicherlich auch die A-Nationalmannschaft mal das Ziel. Der Weg dorthin führt über die Bundesliga, dort habe ich in den vergangenen Wochen konstant gespielt und meine Leistung abgeliefert. Darauf will ich mich weiter konzentrieren, das Tagesgeschäft ist hart genug. Wenn du Leistung bringst und Tore schießt, weißt du nie, was im Fußball passiert. Manchmal geht es schnell…

Morgenpost Online: Spekulieren Sie insgeheim sogar noch auf eine EM-Teilnahme?

Lasogga: Sicher, jeder Mensch hat Träume im Leben. Und ob sie sich erfüllen, weißt du meist erst, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie in Erfüllung gehen können. Solange werde ich erst mal nur träumen – und die Realität leben.