Er rennt. Er legt sich den Ball vor. Er schießt. Tor. Dann dreht Arjen Robben ab, und einige Zuschauer beim Training des FC Bayern München klatschen. Vor ihm haben auch andere Spieler getroffen, aber da hat keiner applaudiert. Robben strahlt. Bei den Einheiten an der Säbener Straße spürt er in diesen Tagen, wie sehr sich die Fans auf seine Rückkehr freuen.
Seit vergangenem Dienstag übt der niederländische Offensivstar wieder mit der Mannschaft. Perfektes Timing: Am Samstagabend (18.30 Uhr, Sky) empfangen die Bayern im Spitzenduell des 13. Spieltages der Bundesligasaison Borussia Dortmund.
Es ist die Partie, auf die sich die Fußballfans im ganzen Land freuen. Rekordmeister gegen Meister, Tabellenerster gegen Tabellenzweiter, Jupp Heynckes gegen Jürgen Klopp, Bayern gegen Ruhrgebiet. Und auch Arjen Robben gegen Mario Götze, Duell der Mittelfeldstars?
Bayern-Trainer Heynckes hält sich offen, ob und wie er Robben einsetzen wird. Der Profi hatte zuletzt wegen einer Operation am Knie wochenlang pausieren müssen. „Es wäre wunderbar, wenn er gegen Dortmund in den Kader zurückkehren könnte. Das hoffe ich. Und sowohl die Ärzte als auch er sind da durchaus optimistisch“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Von Beginn an wird Robben wohl nicht spielen . Heynckes führt wiedergenese Spieler über Kurzeinsätze an die Mannschaft heran. Bei Robben wird er vielleicht sogar noch vorsichtiger sein als bei anderen Profis. Der Trainer will auf keinen Fall einen Rückschlag bei dem anfälligen 27-Jährigen riskieren.
Mit Robben schwerer auszurechnen
Davon gab es genug, erst vergangene Woche hatte der Offensivspieler ein Training wegen Schmerzen abgebrochen. Doch allein seine voraussichtliche Rückkehr in das Aufgebot gibt den Bayern zusätzliches Selbstvertrauen. „Ich denke, er wird auf der Bank sitzen. Dann haben wir eine Waffe in der Hinterhand. Das ist gut für uns und schlecht für den Gegner“, sagt Mario Gomez, der beste Torjäger der Liga.
Für Dortmund sind die Bayern durch die Personalie noch schwerer auszurechnen. Die Mittelfeldachse Thomas Müller-Toni Kroos- Franck Ribery ist derzeit die beste der Liga. Sollte einer von ihnen in der zweiten Hälfte müde sein, könnte Robben ihn ersetzen.
Bei seiner bislang letzten Einwechslung klappte das gut: Gegen Bayer Leverkusen (3:0) Ende September brachte Heynckes den Niederländer in der 78. Minute für Kroos, und in der Schlussminute erzielte Robben den Endstand. Er kann seinen Einsatz kaum erwarten, Spiele gegen Toprivalen wie Dortmund reizen ihn besonders.
Er will mit guten Leistungen die Meinung widerlegen, die zuletzt immer mehr hatten: Dieser starke FC Bayern braucht den teuren und oft egoistischen Robben gar nicht mehr. Sein Vertrag endet 2013, und die Münchner sind interessiert an jungen Mittelfeldtalenten wie Dortmunds Mario Götze (19) und Marco Reus (22) von Borussia Mönchengladbach. Die Partie gegen Dortmund könnte für Robben die Chance sein zu zeigen: Wenn es darauf ankommt, bin ich da!
Mit einem Sieg könnten die Bayern ihren Vorsprung auf den Verfolger BVB auf acht Punkte erhöhen. Dass der FC Bayern auch ohne Robben in der Startelf die Liga dominiert, sieht Präsident Uli Hoeneß als Qualitätsbeweis: „Wir sind die bessere Mannschaft. Eins gegen eins haben die Dortmunder keine Chance.“ Ein Remis oder gar eine Niederlage sei ausgeschlossen.
Lahm unterstützt Robben
Philipp Lahm weiß aus eigener Erfahrung, dass die erste Zeit nach einer Verletzung nicht einfach ist – und unterstützt Robben. „So wie sich Arjen im Training präsentiert, zeigt er, dass er auf einem sehr guten Weg ist. Er ist heiß und hungrig. So brauchen wir ihn. Er ist ein Topspieler, den jedes Team gebrauchen kann“, sagt der Bayern-Kapitän.
Die Mannschaft hat sich unter Heynckes enorm schnell entwickelt und ist nicht mehr abhängig von Robben – das war in den vergangenen Jahren unter Trainer Louis van Gaal noch anders. Dass Robben die Qualität hat, sie noch zu verbessern, steht beim Rekordmeister außer Frage. Sofern Robben gesund bleibt.
Der durch einen Schüsselbeinbruch außer Gefecht gesetzte Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger scherzt vor dem Spitzenspiel gegen Dortmund: „Bei Arjen weiß du ja nicht, ob bis Samstag noch etwas passiert.“ Er hoffe, dass Robben Samstag wieder zum Kader gehört. Das wäre ein großer Vorteil für die Mannschaft, selbst wenn der Niederländer zunächst nur auf der Bank sitzt. Sollte Heynckes ihn einwechseln, werden Robben noch viel mehr Zuschauer zujubeln als beim Training an der Säbener Straße.





