Handball

Vorwürfe gegen die Klubs nach Tod der Methe-Brüder

Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß kritisiert nach dem Unfalltod der Methe-Zwillinge die Bundesliga-Spiele unter der Woche: "Die sind ein Riesenproblem."

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Am Abend danach war die Schockstarre noch allgegenwärtig. Bei den Spielern der acht Mannschaften, die am Samstagabend in der Handball-Bundesliga antraten, bei den Funktionären, und auch bei vielen Zuschauern. Aber vor allem bei den Schiedsrichtern. "Das Spiel", sagte Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, die 30:20 beim TV Hüttenberg gewonnen hatten, "war ein Abwickeln einer Aufgabe ohne Freude."

Grund für die gedrückte Stimmung war der schwere Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 463 bei Empfingen im Kreis Freudenstadt am Freitag. Dabei starben Bernd und Reiner Methe , zwei der besten deutschen Handball-Schiedsrichter, als sie mit ihrem Auto frontal mit einem entgegenkommenden LKW zusammenstießen . Sie waren auf dem Weg zum Spiel HBW Balingen-Weilstetten gegen den SC Magdeburg gewesen. Die Partie wurde abgesagt.

Wegen des tödlichen Unfalls liefen die Mannschaften am Samstag und Sonntag, auch in der Champions League der Frauen, mit Trauerflor auf. Vor den Spielen gab es eine Schweigeminute. Die Berliner verzichteten trotz ihres höchsten Saisonsieges auf jeglichen Jubel. "Du verlierst zwei Freunde, zwei Menschen, die Handball genauso geliebt haben wie ich", erklärte Hanning seine Gefühle. In der Halle habe eine schwer zu beschreibende Atmosphäre geherrscht. Und es habe die Absprache gegeben, die Schiedsrichter auf keinen Fall zu kritisieren, egal, ob ihnen Fehler unterlaufen oder nicht.


Alle Schiedsrichter pfiffen

Die Deutsche Handball-Liga (HBL) hatte den angesetzten Unparteiischen freigestellt, ob sie pfeifen oder verzichten wollten. Niemand verzichtete. In Hüttenberg leiteten Andreas und Marcus Pritschow die Partie, Zwillinge – wie die verunglückten Methes. "Sie waren grandios während des Spiels, total professionell, unglaublich", sagte Hanning, "aber wie stark die Anspannung wirklich war, haben wir nach dem Spiel gesehen." Da brachen alle Dämme.

Eine komplette Absage des Spieltages hatte die HBL ebenfalls erwogen, war aber von diesen Überlegungen schnell abgewichen. Auch Peter Rauchfuß hatte sich dagegen ausgesprochen. "Die Schiedsrichter treten für Bernd und Reiner an. Das ist in ihrem Sinne." Gleichzeitig mahnte der Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes (DHB) an, über die Terminpläne nachzudenken. "Die Spieltage unter der Woche sind ein Riesenproblem. Freitags durch Deutschland zu fahren ist chaotisch. Dazu kommt der Druck, selbst am Steuer zu sitzen und auf keinen Fall zu spät ankommen zu dürfen", sagte er. Er plädiere für eine klare Aufteilung. "Warum machen wir nicht unsere Ligaspiele am Wochenende und den Europapokal unter der Woche? Wieso müssen Pokalspiele prinzipiell unter der Woche stattfinden? Das ist mir unbegreiflich."

Früher habe es ein Spiel unter der Woche gegeben – das Fernsehspiel. "Wenn es den Vereinen nur noch um den Kommerz geht, dann machen sie irgendetwas falsch", wetterte Rauchfuß, "es gibt Wochen, da wird an sieben Tagen Handball gespielt, manche Bundesliga-Spieltage erstrecken sich über fünf Tage. Unsere Leute müssen teilweise drei Spiele pro Woche pfeifen." Die Methes beispielsweise hätten nach dem Spiel in Balingen die gut 200 Kilometer nach Frankfurt/Main fahren sollen, um von dort aus zum Champions-League-Spiel Krim Ljubljana gegen Larvik HK nach Slowenien zu reisen.

Lars Geipel, der mit Markus Helbig am Samstag das Spiel Kiel gegen Lemgo leitete, bestätigte dies: "35 bis 40 Spiele pro Saison sind für Spitzen-Schiedsrichter normal. Sie umrunden mindestens einmal die Welt pro Jahr." Ihm geht es aber nicht nur um die Entzerrung des Terminplans. "Uns geht es auch um den Respekt vor unserem Amt. Wir opfern rund 25 Tage unseres Urlaubs, trainieren viermal pro Woche, stecken viel Zeit in Videoanalysen. Alles nur, um auf Spitzenniveau zu sein wie die Spieler. Dann sind wir jede Woche 200 bis 300 Kilometer unterwegs. Etwas mehr Anerkennung wäre da angebracht."

Dieser Forderung schloss sich Hanning an: "Ich hoffe, dass wir alle etwas von der Zurückhaltung, die am Wochenende geboten wurde, in die Zukunft retten können."