Huub Stevens gestikulierte wütend am Spielfeldrand, die Zuschauer auf den Tribünen pfiffen, aber die Mannschaft des FC Schalke 04 ließ sich nicht aus ihrem aktiven Schlummerschlaf reißen.

Zwei Wochen nach dem Europapokal-Auswärtsrekordsieg boten die Gelsenkirchener beim 0:0 gegen AEK Larnaka eine blamable Leistung.Während es im Hinspiel schon zur Pause 3:0 stand, schaffte es der Bundesligist im vierten Gruppenspiel über 90 Minuten nicht, einen Treffer gegen die harmlosen Mittelmeer-Kicker zu machen.

„Das ist natürlich ein enttäuschendes Ergebnis. Wenn der Torwart der beste Mann auf dem Platz war, dann sagt das alles über unser Spiel aus“, erklärte Schalkes Trainer Stevens. „Uns hat das Quäntchen Extra gefehlt.“ Torwart Lars Unnerstall sagte: „Ich hatte heute mehr zu tun, als ich vor der Partie erwartet hatte. Wir sind einfach nicht in die Zweikämpfe gekommen. So dürfen wir nicht spielen.“

Die Königsblauen verpassten vor den abschließenden Spielen in Haifa und gegen Bukarest zu Hause einen weiteren Schritt für die Teilnahme an der Zwischenrunde, die im Februar ausgetragen wird. Immerhin verschlechterten sich die Chancen auf den Einzug in die K.o.-Runde durch den völlig enttäuschenden Auftritt nicht.

Stevens hatte zwar am Tag vor dem Spiel erklärt, er verzichte am liebsten auf die personelle Rotation, doch dann wechselte der Niederländer nach dem 3:1 in der Bundesliga am Samstag gegen Hoffenheim kräftig durch. Er schonte die Stammkräfte Benedikt Höwedes, Jermaine Jones, Lewis Holtby, Jefferson Farfan und Raul. Dafür erhielten Atsuto Uchida, Marco Höger, Juan Manuel Jurado, Jan Moravek und Ciprian Marica eine Einsatzchance von Anfang an.

Die neu zusammengestellte Elf schaffte es nicht, gegen den harmlosen Gegner eine Dominanz herzustellen. Dieses verstärkte Schalker B-Team war allerdings durchaus namhaft besetzt. Dennoch war Larnaka in der ersten Halbzeit mit einer durchschnittlichen Leistung ein ebenbürtiger Kontrahent. Nur drei Torschüsse produzierten die Knappen in der ersten Hälfte – durch Julian Draxler, Klaas Jan Huntelaar und Joel Matip. In der Mannschaft, die unkonzentriert wirkte, war Torwart Unnerstall der Zuverlässigste.

Einen Schuss von Njongo Priso nach einer Eckballserie von Larnaka aus halbrechter Position wehrte der 21-Jährige souverän ab. Danach nahm er Sunny Kingsley in einer gefährlichen Situation den Ball vom Fuß. Timo Hildebrand, der vor zwei Wochen von den Schalkern verpflichtet wurde, erlebte dies als Zuschauer von der Tribüne aus. Der Ex-Nationaltorwart ist nur Torwart Nummer drei unter Stevens, hinter Unnerstall und Mathias Schober.

Auch in der zweiten Halbzeit war Unnerstall der Rückhalt für seine schwachen Vorderleute, als er gegen Priso rettete. Die beste Tormöglichkeit hatte Holtby, der freistehend an AEK-Torwart Marco Fortin scheiterte (65.). Der Mittelfeldspieler war wenige Minuten zuvor zusammen mit Farfan für die völlig enttäuschenden Marica und Jurado eingewechselt worden.

Huntelaar, der als Höwedes-Ersatz das Kapitänsamt übernommen hatte, blieb wie die anderen Feldspieler blass und konnte sein ausgezeichnetes Torkonto von bisher 21 Treffern in den Pflichtspielen dieser Saison nicht weiter aufstocken. In der 82. Minute schied der Niederländer, schwer aus der Nase blutend, aus. Er erlitt einen doppelten Nasenbeinbruch. Schalke musste die Partie mit zehn Mann zu Ende bringen, weil schon drei Wechsel vorgenommen worden waren.

Wie die Bild-Zeitung berichtet, wurde Huntelaar in der Nacht zum Freitag im Recklinghäuser Knappschafts-Krankenhaus operiert. Erste Befürchtungen, der Niederländer könnte sich auch einen Jochbeinbruch zugezogen haben, bestätigten sich offenbar nicht. Ob Huntelaar am Sonntag im Punktspiel bei Hannover 96 (auflaufen kann, ist fraglich.

dapd/sid/bee