"Auszeit"

Ricardo Teixeira, der Silvio Berlusconi Brasiliens

Gegen den Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes wird wegen Korruption ermittelt. Natürlich widerspricht er, aber man mag ihm nicht recht glauben.

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Als Premierminister Silvio Berlusconi jüngst zum 51. Mal die Vertrauensfrage im italienischen Parlament stellte und trotz seiner Bunga-Bunga-Affären und 1,7 Billionen Euro Staatsschulden auch überstand, hielt sich im Ausland das Verständnis für diese Nibelungen-Treue – gelinde gesagt – in Grenzen.

Doch der 75-Jährige ist jenseits der Grenzen nicht nur umstritten. Dem Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes, Ricardo Teixeira (64), dient er offenbar sogar als Vorbild – oder ist es andersherum? Auf jeden Fall rühmte sich Teixeira einst: „Ich kann jede Untat begehen, die ich will.“ Und an diese Maxime hält er sich eisern.

Neue Ermittlungen

Nun sind wegen ihm wieder einmal die Ermittler ausgerückt. Es geht allerdings nicht darum, dass Teixeira vor der Vergabe der WM 2018 dem englischen Verband seine Stimme zum Kauf angeboten haben soll. Erst mal muss die Vergangenheit aufgearbeitet werden.

Dem Präsidenten und seinem Bruder werden Geldwäsche und Korruption in den 90er-Jahren vorgeworfen, am Montag wurde das Verfahren eröffnet. Im Kern geht es um eine Firma, für die Bruder Guilherme zeichnungsberechtigt war. Über sie sollen 9,5 Millionen Dollar Schmiergelder des früheren Marketingpartners des Weltverbandes Fifa, der Agentur ISL, an Teixeira geflossen sein.

Man mag ihm nicht so recht glauben

Der Beschuldigte widerspricht den Vorwürfen. Doch so recht mag ihm niemand glauben, schließlich sind die Beschuldigungen nur ein Steinchen in einem schmutzigen Mosaik. Zum Beispiel handelte Teixeira einen interessanten Vertrag aus, als Brasilien die Weltmeisterschaft 2014 zugesprochen wurde.

Wirft die WM Gewinn ab, wird Teixeira persönlich zur Hälfte daran beteiligt. Gibt es bei dem Weltturnier Verluste, haftet indes der Fußballverband zu 99,99 Prozent. Ein Schelm, wer bei so viel Geschäftssinn an Silvio Berlusconi denkt…