Werder gegen Dortmund

Spardiktat und Stürmersorgen plagen Bremen

Kann Werder an Bayern dranbleiben? Das Spiel gegen Dortmund wird für die Hanseaten nicht einfach: Sorgen im Sturm und ein Spardiktat trüben die Stimmung.

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Selbst der Konkurrent gerät ins Schwärmen. Jürgen Klopp wurde am Donnerstag auf Werder Bremen angesprochen. Oh, die Bremer, sagte der Dortmunder Cheftrainer, alle Achtung: „Werder ist für mich das Comeback des Jahres. Sie ziehen ihr Spiel auf, wie wir es von den vergangenen Spielzeiten kennen.“

Am Freitagabend (20.30 Uhr bei Sky und im Live-Ticker von Morgenpost Online) muss sein Team im Weserstadion antreten, und Werder-Trainer Thomas Schaaf stellte eine rassige Begegnung gegen den Meister in Aussicht. „Es könnte ein Fußballfest werden“, sagte Schaaf. Das Stadion ist ausverkauft, der Wetterbericht verheißt Gutes, und die Stimmung ist bei Spielen unter Flutlicht ist an der Weser sowieso traditionell bestens.

Dabei ist die Partie für die Hanseaten die erste echte Bewährungsprobe der Saison, durch die sich entscheiden könnte, ob der Tabellenzweite auch weiterhin als Jäger von Tabellenführer Bayern München taugt. „Es ist ein Spiel mit besonderer Bedeutung“, sagt Manager Allofs.

Er betont allerdings, „dass es nicht unser vorrangiges Ziel ist, die Bayern zu kontrollieren“. Die Norddeutschen definieren sich vielmehr über die Qualifikation für die nächste Champions-League-Spielzeit. Das Hauptaugenmerk sei, Punkte für die Teilnahme an der Königsklasse zu sammeln, lautet das Credo von Allofs und Schaaf.

Was die Bremer Verantwortlichen allerdings für das Match gegen den Deutschen Meister optimistisch stimmt, sind die günstigen Vorzeichen, denn für die Borussia ist Werder ein Angstgegner. Gegen keinen Klub außer Bochum gewannen die Norddeutschen häufiger. Parallel kassierten die Westfalen gegen kein Team mehr Niederlagen. Von insgesamt 43 Ligaheimspielen gegen Dortmund siegte Werder in 30 Begegnungen, bei nur sechs Niederlagen. „Wir haben allen Grund, zuversichtlich zu sein“, sagt Klaus Allofs.

Heimstarke Bremer

Zudem gewannen die Hanseaten alle Heimspiele dieser Spielzeit – entsprechend groß ist ihr Selbstbewusstsein. Mehr und mehr macht sich auch der Umbau der Arena bezahlt. Weil die Stadionkurven an das Spielfeld herangerückt und nun Geraden sind sitzen die Fans jeweils nur rund sechs Meter entfernt vom Rasen.

Aus Sicht von Verteidiger Clemens Fritz ist die Bilanz bei Heimspielen auch deshalb makellos. „Die Stimmung ist durch den Umbau besser, es ist lauter. Das kann im Verlauf der Saison ein paar Punkte mehr bringen“, sagt der Kapitän.

Einziges Manko ist der Reisestress des Bremer Stürmers Claudio Pizarro, der erst am Donnerstagabend wieder in Bremen war und das Abschlusstraining verpasste. Der 33 Jahre alte Nationalspieler Perus bestritt in Südamerika mit seinem Team zwei Partien für die WM-Qualifikation .

Abhängig von Pizarro

Von der Fitness des Angreifers sind die Bremer extrem abhängig, denn an neun ihrer insgesamt 16 Toren war Pizarro beteiligt. Sechs Treffer schoss er selbst, drei bereitete er vor. Damit er diese Quote gegen Dortmund beibehält, plant Schaaf, seinen Stürmer wegen der Flugstrapazen bis zum Anpfiff „in Eis zu packen“ und verordnet ihm strengste Ruhe.

„Claudio braucht Erholung“, sagt Schaaf. Neben Pizarro wird wohl Markus Rosenberg im Angriff auflaufen, weil der österreichische Stürmer Marko Arnautovic wegen einer Roten Karte für drei Begegnungen gesperrt ist. Verzichten muss der Trainer auch auf den ebenfalls noch gesperrten Torwart Tim Wiese. Dortmunds Trainer Klopp erwartet einen „offenen Schlagabtausch“.

Nicht gerade zimperlich soll es auch hinter den Kulissen des Bremer Klubs zugehen. Seit vergangenem Montag plant der Aufsichtsrat des Vereins die Vertragsverlängerung mit Sportdirektor Allofs , dessen Kontrakt kommenden Sommer ausläuft. In den nächsten Tagen wird das sechsköpfige Kontrollgremium, mit seinem Chef Willi Lemke an der Spitze, dem Manager einen Vertragsentwurf vorlegen.

Nicht der erste Zwist

Allerdings scheint fraglich, ob Allofs das Angebot ohne Einwände akzeptiert. Nach Informationen von Morgenpost Online könnte der Sparzwang, den Lemke wegen der immer noch angespannten wirtschaftlichen Lage des Klubs federführend vorantreibt, das neu zu verhandelnde Gehalt des Sportdirektors treffen. Zusätzlich sollen wohl auch Allofs’ Kompetenzen eingeschränkt werden.

So plant der Aufsichtsrat, die Arbeit des Managers – insbesondere bei Transfers – stärker kontrollieren zu wollen, als es in den Vorjahren der Fall war. Insbesondere Lemke soll sich intern für mehr Mitspracherecht bei den Entscheidungen ausgesprochen haben. Es wäre nicht der erste Zwist, den die beiden Verantwortlichen austragen.

Vor drei Monaten gerieten Lemke und Allofs auch öffentlich aneinander, weil Lemke dem Manager kurzzeitig Geld für Verstärkungen verweigert hatte. Zwar einigten sich beide, und durch den guten Saisonstart verbesserte Allofs seine Position im Klub, dass sich das gestiegene Ansehen jetzt aber auch in seinem neuen Vertrag ausdrückt, scheint unwahrscheinlich.