Elfmeter verschossen

Mario Gomez vergibt den Bayern-Erfolg in Neapel

Die Münchner waren das bessere Team in Neapel, gingen früh in Führung und hatten alles im Griff. Aber am Ende sprang nur ein Zähler dabei heraus.

Die letzten Minuten gerieten zum Nichtangriffspakt. Die Spieler von Bayern München wollten nicht, die Aktuere des SSC Neapel konnten nicht. So endete die Dienstfahrt des deutschen Rekordmeisters an den Vesuv mit einem Unentschieden. 1:1 (1:1) trennte sich der Bundesligist am 3. Spieltag der Champions-League-Gruppenophase von Neapel .

Und die Münchner mussten sich trotz des 13. Pflichtspiels in Folge ohne Niederlage den Vorwurf gefallen lassen, dass sie den dritten Sieg in der Königsklasse 2011/12 verschenkt haben. Nicht zuletzt, weil Mario Gomez mit einem Handelfmeter, verursacht von Paolo Cannavaro, an Neapels Torwart Morgan De Sanctis scheiterte.

„Ich hätte lieber gewonnen, aufgrund der zweiten Halbzeit wäre das auch nicht unverdient gewesen. Wir haben bis auf das 1:1 keine einzige Chance zugelassen, danach hat Neapel bis zur Pause so gespielt, wie sie das mit den Fans im Rücken können. In der zweiten Hälfte haben wir das Spiel wieder dominiert. Insgesamt haben wir ein gutes, ein souveränes Spiel gemacht“, bilanzierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes.

Bislang waren die Mannschaften erst einmal aufeinander getroffen: 1989 schied der FC Bayern gegen Neapel im Halbfinale des Uefa-Pokals aus (0:2, 2:2). Trainer damals: Jupp Heynckes.

Am Dienstag war die Stimmung in der Stadt heißblütig und nicht immer friedlich: In der Nacht vor dem Spieltag waren zwei Bayern-Fans bei Auseinandersetzung mit Italienern verletzt worden, und am Abend der Partie wurde ein Fan aus Deutschland angestochen.

Im Stadion San Paolo pfiffen die italienischen Fans die Bayern von Beginn an aus und zündeten zahlreiche bengalische Feuer. Über dem Stadion kreiste ein Polizeihubschrauber, die Lautstärke in der Arena war enorm – es war der „Hexenkessel“, den Sportdirektor Christian Nerlinger erwartet hatte. „Neapel ist die stärkste Mannschaft Italiens. Es wird nicht leicht“, hatte Trainer Heynckes vorher gesagt.

Traumstart nach 99 Sekunden

Die Bayern ließen sich von der einmaligen Atmosphäre nicht beeindrucken – und erwischten einen Traumstart. Ihr erster Angriff brachte gleich die Führung. Jerome Boateng setzte sich auf der rechten Außenbahn durch und flankte auf Toni Kroos. Der Nationalspieler nahm den Ball an, lief einige Meter und schoss platziert in die linke untere Ecke – 1:0 nach 99 Sekunden.

Für Kroos war es das zweite Tor in der Champions League, und Heynckes durfte sich bestätigt fühlen. Wie beim 4:0 gegen Hertha BSC am vergangenen Sonnabend in der Bundesliga hatte er Boateng als Rechtsverteidiger aufgestellt, damit er seine Schnelligkeit im Offensivspiel einbringt. Für ihn spielte Daniel van Buyten neben Holger Badstuber in der Innenverteidigung.

Neapel war nach dem Rückstand geschockt. Erst nach einigen Minuten fingen sich die Gastgeber wieder und versuchten nach vorn zu spielen, doch ihre Pässe aus dem Mittelfeld waren zu ungenau. Von den Offensivstars Edinson Cavani, Marek Hamsik und Ezequiel Lavezzi war kaum etwas zu sehen. Verteidiger Christian Maggio versuchte es mit einem Fernschuss, der Ball ging in der neunten Minute knapp am Tor vorbei.

Bayern dominierten

Bayern hingegen spielte so souverän wie zuletzt in der Meisterschaft. Die Mannschaft kombinierte gefällig und hätte durch Kroos sogar erhöhen können. Nach einer Flanke von Bastian Schweinsteiger stand er frei vorm Tor, bekam den Ball jedoch nicht unter Kontrolle und schoss daneben (11.).

Die Münchener dominierten die Partie, setzen die Italiener schon in deren Hälfte unter Druck und drängten auf das 2:0. Mario Gomez dribbelte sich durch die Abwehr Neapels, sein Schuss ging knapp vorbei (21.). Der SSC war sichtlich beeindruckt und spielte mutlos, während den Bayern anzumerken war, dass sie vor Selbstbewusstsein derzeit nur so strotzen.

Boatengs Direktabnahme nach einer Ecke wäre im Tor gelandet, hätte Neapels Verteidigung den Schuss nicht im letzten Moment abgeblockt (33.). Mit dem 0:1 waren die Gastgeber bis hierhin noch gut bedient.

Erstes Gegentor nach 1147 Minuten

Und dann gelang ihnen wie aus dem Nichts der Ausgleich: Philipp Lahm ließ sich auf der linken Seite von Maggio überlaufen, und Neapels Verteidiger flankte scharf und flach in den Fünfmeterraum. Holger Badstuber wollte klären und fälschte den Ball ins eigene Tor ab - 1:1 (39.).

Für Bayerns Torwart Manuel Neuer war es der erste Gegentreffer nach 1147 Minuten. Die italienischen Fans waren jetzt wieder laut und verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus in die Pause.

„Es war mir nicht wichtig wegen der Gegentore, sondern damit wir das Spiel hier gewinnen“, betonte Neuer. Es sei „schon schwer hier zu bestehen. Napoli hat uns das Leben schwer gemacht“.

Gomez schwach vom Punkt

Die zweite Halbzeit begann mit einem Elfmeter für den FC Bayern. Neapels Kapitän Paolo Cannavaro hatte den Ball an den Arm bekommen, und Schiedsrichter Olegario Benquerenca entschied auf Handelfmeter. Gomez lief an, schoss zu schwach und unplatziert nach halbrechts, und Neapels Torwart Morgan De Sanctis hielt (49.).

Offenbar hatten ihn Neapel-Fans beim Anlaufen mit mehreren Laserpointern geblendet. Der Jubel im Stadion war nach seinem vergebenen Strafstoß ohrenbetäubend. Das Spiel wurde jetzt hitziger, auf beiden Seiten kam es immer wieder zu Fouls.

Bayern wollte sich die Führung zurückerkämpfen, aber Thomas Müller schoss aus wenigen Metern über das Tor (55.), Anatoliy Tymoshchuk vorbei (60.). Doch mit zunehmender Spieldauer gaben sich beide Mannschaft mehr und mehr mit dem Remis zufrieden.