Leichtathletik

Todesfall überschattet New-York-Marathon

Einen Tag vor dem berühmten Marathon durch New York ist der frühere US-Meister Ryan Shay im Ausscheidungslauf für die Olympischen Spiele nach neun Kilometern kollabiert und gestorben. Der 28-jährige Marathonläufer war in New York als Mitfavorit ins Rennen gegangen, die genaue Todesursache soll die Autopsie klären.

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Sie waren eng befreundet und wollten im Anschluss an die US-Trials ihre gemeinsame Olympiaqualifikation für die Spiele 2008 in Peking feiern. Doch während Ryan Hall (25) seinen Teil des Plans erfüllte und in der Rekordzeit von 2:09,02 Stunden den Marathon der US-Trials am Samstag in New York gewann, schaffte sein Freund Ryan Shay es nicht bis ins Ziel. Bei Kilometer neun war der 28-Jährige zusammengebrochen. Im Krankenhaus konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Eine Autopsie soll nun die Todesursache des US-Amerikaners klären. „Die Nachricht hat mich ins Herz getroffen“, sagt Hall, der nach der Zielankunft von dem Unglück erfuhr. „Ich bin erschüttert und kann kaum glauben, dass ich am gleichen Tag einen Traum erfüllt und einen Freund verloren habe.“

Der Tod des jungen Profis weckt Erinnerungen an den Skandalmarathon von Chicago, bei dem vor vier Wochen in großer Hitze ein Amateurläufer verstorben war, ehe das Rennen schließlich abgebrochen wurde. Der Polizist Chad Schieber (35) hatte am Mitralklappen-Prolapssyndrom gelitten, einer meist harmlosen Herzklappenfehlbildung, die sich in seinem Fall als fatal erwies.

Anders als im vorigen Monat in Chicago, als Temperaturen von 31 Grad Celsius den Sportlern zu schaffen machten und Hunderte Athleten ärztlich versorgt werden mussten, waren die Bedingungen an dem klaren Samstagmorgen in New York bei etwa elf Grad ideal, als Mitfavorit Shay 7.35 Uhr Ortszeit mit schwarzer Mütze, roten Handschuhen und Sonnenbrille in den Marathon startete.

Ryan war der Inbegriff von Gesundheit

Während Shays Trainer Joe Vigil ratlos ist und betont „Ryan war der Inbegriff von Gesundheit“, vermuten die Eltern des Verstorbenen einen Herzfehler als Todesursache. Joe und Sara Shay arbeiten als Leichtathletiktrainer am der Central-Lake-Highschool in Ann Arbor im Bundesstaat Michigan. Vor 14 Jahren, berichtet Joe Shay, habe ein Arzt bei seinem Sohn ein vergrößertes Herz festgestellt. Vor einem halben Jahr habe ein anderer Arzt prognostiziert, Shay würde in fortgeschrittenem Alter einen Herzschrittmacher benötigen. Akute Probleme habe der junge Mann aber nicht gehabt. „Natürlich fragen wir uns, warum wie das nicht kommen sahen“, sagt Vater Joe Shay. „Aber Ryan hat sich nie beklagt. Seiner Meinung nach waren alle Probleme unzureichender Vorbereitung zuzuschreiben.“

Die Shays sind eine Läuferfamilie, zwei von Ryans sieben Geschwistern halten nationale Jugendrekorde über 25 Kilometer bzw. 3000 Meter Hindernis. „Aber Ryan war stärker als unsere anderen Kinder“, sagt Joe Shay. Im Alter von zehn Jahren hatte Ryan Shay mit dem Lauftraining begonnen und war zwei, drei Jahre später in den Leistungssport eingestiegen. Über verschiedene Distanzen errang er insgesamt fünf US-Meistertitel.

„Wir sind nach Ryans Tod alle am Boden zerstört“, erklärt Craig Masback, Präsident des US-Leichtathletikverbandes. „In Peking werden die drei Sieger auch für ihn laufen.“ Für den siegreichen Hall und den zweitplatzierten Dathan Ritzenheim (24) war es erst der zweite offizielle Marathonlauf überhaupt. Beide waren erst binnen Jahresfrist von der 10.000-Meter-Strecke auf die Marathondistanz von 42,195 Kilometern gewechselt. Als Dritter US-Läufer qualifizierte sich Brian Sell (28) für die Olympischen Spiele.