Champions League

Bayern kommt mit breiter Brust durch die Hintertür

Bei der Auslosung der Champions-League-Gruppen sind die Bayern gesetzt – und sehen sich als Favorit auf den Titel.

Bei der Auslosung der Champions-League-Gruppen sind die Bayern gesetzt – und sehen sich als Favorit auf den Titel.

Köche brachten Entrecote ans Büfett, Kellner boten edle Weine an, doch die Macher des FC Bayern München hatten schnell genug von der Feier. Sie wollten das Erreichen des ersten Saisonziels allein genießen. Nach gerade einmal gut einer Stunde verließ die Klubführung um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Bankett im „Dolder Grand Hotel“ und zog sich mit einer Kiste Zigarren zurück.

1:0 (1:0, Hinspiel 2:0) hatte der deutsche Fußball-Rekordmeister zuvor das Rückspiel in der Qualifikation zur Champions League beim FC Zürich gewonnen. Nach der peinlichen Vorsaison gehören die Münchner doch noch zum Klub der Großen; der Verein kann seinem Selbstverständnis treu bleiben. „Wenn der Klub FC Bayern München heißt und in den vergangenen 30, 40 Jahren solche Erfolge hatte, ist es wichtig, nicht in der Europa League zu spielen, sondern in der Champions League“, hatte Rummenigge beim Bankett gesagt.

Die Partie in Zürich, eine Pflichtaufgabe, war nach dem Tor von Mario Gomez (7. Minute) schnell entschieden. „Damit haben wir Zürich den Stecker gezogen“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Seine Bayern hatten keine berauschende Leistung geboten, eben so viel wie nötig, Kraft gespart für die nächsten Wochen. Und doch waren die beiden Siege über die Schweizer eine Befreiung. Die Anspannung war Spielern und Verantwortlichen in den vergangenen Wochen anzumerken. So früh in der Saison solch wegweisende Partien, das war selbst für die Bayern ein besonderer Druck.

„Das war schon zu spüren. Uns allen fällt ein großer Stein vom Herzen“, sagte Sportchef Christian Nerlinger. Es geht immerhin um den Traum von Präsident Uli Hoeneß, das Finale am 19. Mai 2012 in der Münchner Arena zu erreichen. „Es wird eine spannende Champions-League-Saison. Hoffentlich mit dem großen Höhepunkt Finale“, sagte Rummenigge.

Am Donnerstag kennen die Bayern ihre ersten Gegner. 17.45 Uhr (Eurosport) lost der europäische Verband Uefa in Monaco die Gruppen aus (Start: 13. September). 20 Millionen Euro Einnahmen haben die Bayern sicher, im besten Fall können es im Laufe des Wettbewerbs rund 50 Millionen Euro werden. Jeder Sieg in der Gruppe bringt 800 000 Euro.

Allerdings begeben sich die Bayern vor der Auslosung in die Rolle des Außenseiters. „Es wird unglaublich schwer. Ich sehe eher Mannschaften aus Spanien und England in der Favoritenrolle“, sagte Rummenigge. An einem guten Tag könne das eigene Team die Großen ärgern, „vielleicht sogar sehr ärgern“. Schritt für Schritt müsse der FCB denken, was eher nach Mainz 05 oder Hannover 96 klingt als nach Bayern München.

Demut nach einer titellosen Saison und schwachen Leistungen in den ersten beiden Bundesligaspielen. Aber auch Taktik und Motivation für die Spieler: Rummenigge würde sich freuen, wenn seine Spieler ihn widerlegen würden und sich zum Favoriten entwickeln. Seine Rede war eine Herausforderung. Und Aufforderung: Zeigt, dass wir stärker sind, als wir es derzeit sagen (müssen). „Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie Großes bewerkstelligen kann. Wenn sie sich konzentriert“, so Rummenigge.

Bei aller Zurückhaltung in der Frage nach den Titelchancen in dem Wettbewerb schimmert das berühmte Bayern-Selbstbewusstsein durch. Bei der Auslosung sind die Münchner in Topf eins gesetzt. In der Gruppenphase können sie nicht auf den FC Barcelona, Real Madrid oder Manchester United treffen. Möglich sind Aufeinandertreffen mit dem SSC Neapel, Manchester City und dem FC Valencia, Spiele gegen deutsche Mannschaften ausgeschlossen.

„Es gibt da einen Klub aus Westdeutschland, der wahrscheinlich in Topf vier stattfinden wird. Wir sind also auch da im Vorteil“, spielte Rummenigge auf Borussia Dortmund an. Der Deutsche Meister könnte wegen seines geringen Uefa-Koeffizienten starke Gegner wie Barcelona zugelost bekommen.

Die Bayern-Profis sind jetzt selbstbewusster als zuletzt. Sie beeindruckt die Dominanz Barcelonas, sie haben aber keine Angst. „Es gibt fünf, sechs Mannschaften, die die Champions League gewinnen können. Wir gehören dazu“, erklärte Bastian Schweinsteiger, und sein Nationalmannschaftskollege Manuel Neuer sagte: „Wir wollen alle in München im Finale stehen.“

Grund zur Hoffnung gibt ihm die Abwehr. Zürich und zuvor der Hamburger SV in der Liga waren kein Maßstab, und doch zeigt sich: Die Problemzone Defensive ist derzeit keine Problemzone mehr. In den ersten sechs Pflichtspielen ließen die Bayern nur ein Gegentor zu. Und sie sind flexibel: Gegen Zürich spielte Abwehrchef Jerome Boateng auf der rechten Verteidigerposition. „Wir haben uns in den vergangenen Spielen entwickelt. Das gibt Sicherheit“, so Kapitän Lahm.

Entscheidend für den Erfolg in der Champions League wird sein, ob die verletzungsanfälligen Arjen Robben und Franck Ribery fit bleiben. Die Königsklasse ist ihre Bühne, sie brennen auf Zweikämpfe mit den weltbesten Spielern. Ribery zeigte in der zweiten Hälfte gegen Zürich, wie viel Spaß ihm der Fußball macht, wenn es läuft. Sein Fuß streichelte den Ball, immer wieder sprintete er in den Strafraum. Robben sah wegen Rückenschmerzen und einer Schambeinentzündung von der Bank aus zu und soll wohl auch am Samstag im Bundesligaspiel beim 1. FC Kaiserslautern wieder geschont werden.

„Ich glaube, wenn Robben oder Ribery in den ganz großen Spielen fehlen, dann reicht es nicht für die Bayern“, sagte Ottmar Hitzfeld, der München 2001 zum bislang letzten Gewinn der Champions League geführt hatte. Trainer Jupp Heynckes wird den beiden Offensivstars daher voraussichtlich auch in den kommenden Wochen immer wieder Pausen geben. Seine Rotation funktioniert.

Und wen wünschen sich die Bayern in all der Erleichterung nun als Gegner in der Champions League? „Wir müssen alle besiegen“, sagte der im Sommer vom Zweitligaverein Energie Cottbus verpflichtete Stürmer Nils Petersen. Er hat den FC Bayern schnell verstanden.